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Pariser Charme, in Berlin zuhause, mit einer italienischen Meistervioline: Charlotte Chahuneau ist der Villa Musica Stern 2020 und stolze Stipendiatin der Helga-Dyckerhoff-Sammlung.

Charlotte Chahuneau spielt Bach

Bach spielt sie nicht nur bei der letzten Trifelsserenade dieses Sommers am heutigen Samstag in Annweiler. Bach ist auch ihr Thema im letzten Film der Reihe An die Musik: Die Pariser Geigerin Charlotte Chahuneau spielt Bachs erste Solosonate in g-Moll.

Bachs zweistimmige Inventionen klingen als Duos für Violine und Viola besonders gut. Das beweist Charlotte Chahuneau bei den Trifelsserenaden am Samstag, 22. August um 18:15 und 20 Uhr auf Burg Trifels in Annweiler. Gemeinsam mit der israelischen Bratschistin Shira Majoni glänzt sie nicht nur in Bachs Inventionen, sondern auch in Duos von Mozart (KV 423), Bartók, Brunstad und Händel-Halvorsen (Passacaglia). Bis dahin kann man ihr Geigenspiel online genießen: Für unsere Reihe An die Musik hat Charlotte Chahuneau Bachs erste Solosonate eingespielt, die Sonata prima in g-Moll, BWV 1001, aufgezeichnet im Dianasaal von Schloss Engers. Anzusehen auf Facebook oder unserem YouTube-Kanal:

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https://www.youtube.com/watch?v=B-0AS2WhDr4&feature=youtu.be

Meisterliche Sonaten von Fauré und Beethoven

Zart, fast schüchtern der Einstieg von Charlotte Chahuneau in die erste Violinsonate von Gabriel Fauré: Auf dem stets subtilen, nie dominanten Klavier-Klangbett von Yannick Rafalimanana konnten sich die weiten Kantilenen der Geige mit ihren typischen Fauré-Wendungen zauberhaft entfalten. Im Scherzo lieferten sich die Beiden einen Schlagabtausch in flinken Läufen und delikatem Pizzicato. Im Finale betonte Charlotte Chahuneau mehr das weiche erste als das leidenschaftliche zweite Thema. Ein sehr französischer Fauré, ein Klang-Poem aus der Belle Époque. Die drei Romanzen, die Clara Schumann anno 1853 für sich und Josef Joachim komponiert hat, wirkten wie ein nahtloses Fortspinnen des Fadens. Erst Beethovens c-Moll-Sonate setzte als grandioses Finalstück kantige Akzente. Hier trat auch Yannick Rafalimana am Flügel wuchtiger in den Vordergrund, besonders in den Ecksätzen. Die zarte Romanze des langsamen Satzes wurde zum innigen Zwiegespräch, das Scherzo zum Kabinettstück mit plötzlich auftrumpfender Violine. Am Ende große Begeisterung beim Publikum und ein kurzes Atemholen bei den Musikern, die dasselbe Programm um 20:30 Uhr noch einmal spielen mussten - gegen die große Hitze des vergangenen Sonntags.

Die junge Geigerin

Seit vier Jahren ist Charlotte Chahuneau aus Paris Stipendiatin der Villa Musica. In zahlreichen herausragenden Akademieprojekten unserer Stiftung hat sie sich als ideale Kammermusikerin mit hoher Sensibilität bewährt. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, spielte gleich beim ersten Konzert in der Mainzer Villa Musica nach dem Lockdown mit ihr und der Bratschistin Shira Majoni das Divertimento KV 563 von Mozart. Im letzten Sommer bezauberte sie bei hochsommerlichen Temperaturen das Publikum des Mainzer Musiksommers in Schloss Waldthausen mit Brahms und Beethoven. Nun gelang ihr das Gleiche bei ähnlich extremen Temperaturen im Kurfürstlichen Schloss Mainz. 

Villa Musica Stern 2020

Charlotte Chahuneau ist der Villa Musica Stern 2020. Schon Anfang März überreichte ihr Barbara Harnischfeger den jährlichen Förderpreis in Höhe von 3.000,- €, gestiftet von den FREUNDEN DER VILLA MUSICA e.V. „Ihre instrumentalen und interpretatorischen Fähigkeiten zeigen ein sehr hohes Niveau, und ihre musikalische Flexibilität befähigt sie zu kammermusikalischer Höchstleistung.“ So steht es in der Urkunde geschrieben, die ihr bei der Preisverleihung überreicht wurde. Gestern Abend im Mainzer Schloss stellte Alfons Moritz die Fragen in einem kurzen Interview zu Beginn des Konzerts. Was ihr Villa Musica bedeute, wollte der stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises unserer Stiftung wissen: "Sehr viel. Es war eine große Chance. Ich hatte hier die Gelegenheit, mit so vielen großartigen Musikern zusammen zu spielen, Konzerte und Proben. Und in allen Besetzungen: Duo, Trio, Quartett, Quintett, auch in größeren Ensembles. Ich habe hier unglaublich viel gelernt." Ob sie auch Rheinland-Pfalz kennengelernt habe: "Und wie! Die großartigen Burgen und Schlösser wie Burg Trifels, wo ich in zwei Wochen spielen werde. Und Mainz. Und selbsverständlich auch Schloss Engers in Neuwied am Rhein." Was ihr die Violine von Giabattista Rogeri gebracht habe: "Ich liebe dieses Instrument. Ich kann damit so viel ausdrückenm, in diesem ganz besonderen Klang."

Eine italienische Meistergeige

Charlotte Chahuneau spielt auf einer italienischen Meistergeige, die Giovanni Battista Rogeri 1678 gebaut hat. Sie wurde der jungen Geigerin von Helga Dyckerhoff überlassen, die das wertvolle Instrument aus dem Besitz ihrer Familie in Wiesbaden mit nach Kanada nahm und vor zwei Jahren über Villa Musica einer jungen Geigerin zur Nutzung überließ: Charlotte Chahuneau. „Diese Geige hat eine Seele mit großer Geschichte", so verriet Charlotte im Interview schon im März. Der Zauber des alten Klangs fasziniert sie: „Ich hoffe, ich kann diese Klangvorstellung mitnehmen nd kann sie auf meine moderne Geige übertragen, wenn ich die Rogeri wieder zurückgeben muss." Unser Bachfilm ist auch ein Dokument für die wundervolle Einheit der jungen Geigerin mit diesem ganz besonderen Instrument aus der Zeit Bachs.