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Chronistin des Beethoven-Wochenendes in Wort und Bild: Barbara Harnischfeger (rechts). Die Vorsitzende von FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V. hier im Gespräch mit der Pianistin Luisa Imorde, die am Samstag beim Wochenende gastierte (Foto: Ulrich Stelter).

Frauen für Beethoven

Das Beethoven-Wochenende der Villa Musica im Arp Museum Bahnhof Rolandseck war eine packende Reise durch die Musik von Beethoven über Clara Schumann bis zur Erstaufführung von Missy Mazzoli.

Frauen für Beethoven im Arp Museum 

„Frauen für Beethoven“ lautete das Motto des Konzert-Wochenendes der Villa Musica im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Beethoven und die Frauen seines Lebens, Komponistinnen von Heute und ihre starken Interpretinnen begegneten sich in sieben zauberhaften Veranstaltungen. Hier die Konzerte vom Sonntag im Überblick: Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, spielte mit Weltklasse-Geigerin Sayaka Shoji und Stipendiaten die deutsche Erstaufführung von Missy Mazzolis Kontrabass-Sextett. Das Trio Sōra aus Paris bezauberte mit Beethovens „Erzherzogtrio“ und Clara Schumann. Das Kinderkonzert Ein Kuchen für Elise lockte kleine Beethovenfans ins Arp Museum. Zum Abschluss hielten das Klavierduo Önder und die Schauspielerin Barbara Philipp ein Plädoyer für Frauenrechte in Worten und Tönen. Anonymous Was a Woman. 

Sonntag, 4.9., 11 Uhr, Erzherzogtrio und Clara Schumann

Bei der Sonntagsmatinee mit dem Trio Sōra entfaltete das Foyer des Richard Meier-Baus seinen ganzen Zauber: die Morgensonne vom Rhein, das Grün der Bäume, die leuchtende Morgenmusik der Impressionistin Mél Bonis und die Kunst der drei jungen Französinnen schlugen das Publikum in ihren Bann. Im Klaviertrio von Clara Schumann konnte die Pianistin Paloma Koudier auftrumpfen – in vier großen Sätzen, die zum Schönsten gehören, was die Kammermusik um 1850 hervorgebracht hat. Die junge österreichische Geigerin Fanny Fheodoroff ist neu im Ensemble und hat sich doch schon ganz in die Klangästhetik des Trio Sōra eingefügt, In Beethovens „Erzherzogtrio“ ließen gleich die ersten Einsätze der Streicherinnen aufhorchen: forsche Rezitative der Geige und des Cellos von Angèle Legasa, hineingesprochen in den wundervollen Klangteppich des Klaviers. Wie die Drei im Scherzo treffsicher Beethovens Pointen setzten, in den Variationen den ganzen Klangschmelz des Lyrikers ausbreiteten und im Finale rheinischen Humor auskosteten, war schlicht meisterhaft. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden für viele Bravos am Ende mit dem Andante aus Mendelssohns d-Moll-Trio belohnt – fast zu schön, um wahr zu sein.

Trio Sōra
Fanny Fheodoroff, Violine | Angèle Legasa, Violoncello | Paloma Kouider, Klavier
Mel Bonis: Soir et Matin
Clara Schumann: Klaviertrio g-Moll, op. 17
Beethoven: „Erzherzogtrio“, op. 97

Sonntag, 4.9., 13 Uhr, Kinderkonzert Ein Kuchen für Elise

Im Kinderkonzert Ein Kuchen für Elise erzählte Schauspielerin Ilona Christina Schulz alias Elise die „wahre Geschichte“ von Beethovens berühmtestem Klavierstück. Der Pianist Marcus Ecseghy und der Flötist Theodore Squire schlüpften in die Rollen von Beethoven und seinem Freund Armand von Westerhold, währtend Kinder und Eltern im alten Bahnhof am Rheinufer gespannt lauschten.

Ilona Schulz, Schauspielerin | Theodore Squire, Flöte | Markus Ecseghy, Klavier
Die „wahre“ Geschichte von Beethovens berühmtestem Klavierstück,
erzählt für Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene

Sonntag, 4.9., 15 Uhr, Missy Mazzoli Erstaufführung

Ein klassisches Villa Musica-Projekt mit der Weltklasse-Geigerin Sayaka Shoji, mit Prof. Alexander Hülshoff am Cello und vier Stipendiaten auf Geige, Bratsche und – man höre und staune - zwei Kontrabässen. Auf dem einen spielte der wendige, brillante, erfahrene Israeli Daniel Kamien das extrem anspruchsvolle Solo im Sextett Dark With Excessive Bright von Missy Mazzoli. Was sich die viel gerühmte New Yorkerin hier - inspiriert von Versen des großen John Milton - ausgedacht hat, ist ein Klangstück aus flirrenden Flageoletts, schwirrenden Arpeggios, breiten Klangflächen in a-Moll und einem Bachschen Hauptthema für den Kontrabass. Daniel Kamien durfte singen, brummen, brillieren und dialogisieren, getragen vom Klangteppich seiner Kollegen im Streichquartett mit zweitem Kontrabass. Schon rein optisch war diese deutsche Erstaufführung ein Ereignis, akustisch ein wahrer Klangzauber. Schon die Probe zog etliche Museumsbesucher in ihren Bann und entfaltete im Dialog zur Modernen Kunst an den Wänden des Arp Museums ihren ganz eigenen Reiz. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, begann den Nachmittag schmunzelnd souverän mit Rossinis Duetto im Dialog mit dem zweiten Kontrabassisten Johann Nikolaus Franz. Danach zeigte Sayaka Shoji ihre Weltklasse an der Stradivari. So packend und klangschön, sauber in jedem Doppelgriff und perfekt im Zusammenspiel hat man das angeblich so kleine Terzetto von Dvořák noch nie gehört – ein wahrhaft großes Meisterwerk in kleiner Besetzung. Der Japaner Hiroki Kasai an der zweiten Violine war selig, mit der berühmten Sayaka spielen zu dürfen, die in seiner Heimat ein Idol ist. Deshalb waren auch seine Eltern eigens aus Japan angereist. Wegen Corona hatte er sie zwei Jahre lang nicht gesehen - eine Homestory am Rande. Über den Bratschisten Gordon Lau drehte ein koreanischer Filmemacher eine andere Homestory. Viel Aufmerksamkeit für ein begeisterndes Konzert. Es schloss mit einer Beethoven-Rarität: dem knappen, dreisätzigen F-Dur-Streichquartett nach der Klaviersonate Opus 14 Nr. 1 - vom Meister selbst arrangiert. Eine Entdeckung aus dem Repertoire des heiteren, entspannten, Mozartischen Beethoven. So konnte das Publikum gut gelaunt in den schönen Spätsommernachmittag am Rhein gehen.

Sayaka Shoji, Violine | Alexander Hülshoff, Violoncello | Stipendiaten der Villa Musica
Beethoven: Streichquartett F-Dur nach op. 14
Rossini: Duetto für Cello und Bass
Dvořák: Terzetto, op. 74
Missy Mazzoli: Dark with Excessive Bright (Deutsche Erstaufführung)

Sonntag, 4.9., 18 Uhr, Anonymous Was a Woman

Das Finale des Beethoven-Wochenendes machte ernst mit den Frauenrechten in Musik und Literatur: Das Duo Önder spielte sein vierhändiges Klavierprogramm Anonymous Was a Woman im Festsaal des alten Bahnhofs am Rheinufer. Die fantastische Schauspielerin Barbara Philipp las Texte von und über Frauen von Heute. Etliche Komponistinnen haben Werke eigens zu diesem Programm beigesteuert. In Rolandseck erklangen Stücke der Russin Anna Dubrich, der aus Indien stammenden Amritha Vass, der Amerikanerin Rachel Grimes und der Türkin Sidika Inci Özdil. Dass die ersten beiden Filmkomponistinnen sind und auch ihre Kolleginnen keine Scheu vor traditioneller Schreibweise haben, verleiht den Stücken plastische Biegsamkeit. Die Texte reichten von Forugh Farrochsad bis zu Virginia Woolf, die dem Programm das Motto lieh. Ein gewichtiges Finale zu einem sehr farbenreichen Wochnende der Villa Musica im Arp Museum. 

Klavierduo Ferhan & Ferzan Önder
Barbara Philipp, Schauspielerin
„Anonymous was a Woman“
Vierhändige Werke von Komponistinnen
Texte von Virginia Woolf, Clarice Lispector,
Daniela Gioseffi, Forugh Farrochsad und Waris Dirie
Clara Schumann: Romanze aus op. 11
Rachel Grimes: And it was her Birthday
Amritha Vaz: Jyoti/Light
Anna Drubich: Her Dances
Sidika Inci Özdil: Love and Emotion
Beethoven: Allegretto aus der 7. Sinfonie