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Beethoven im Jahr 1802 (nach der Elfenbeinminiatur des dänischen Malers Christian Horneman).

Beethovenwerk der Woche

Heitere Musik in trüben Zeiten: Beethovens Serenade Opus 25 ist ein perfektes Frühlingsstück im hohen lichten Klang von Flöte, Violine und Viola. In der Fassung für Flöte und Klavier bildet es die Hauptmusik im Villa Musica-Kinderstück Ein Kuchen für Elise.

Beethoven und die Flöte

Nicht in jedem Opus seiner Kammermusik strebte der „Titan“ Beethoven nach Tiefe des Ausdrucks und Verdichtung der kompositorischen Arbeit. Die Serenade Opus 25 ist ein glänzender Beweis dafür, wie mühelos er sich auch dem Plauderton anpassen konnte, der in Wien immer dann gefragt war, wenn die Flöte ins Spiel kam. Beethoven schätzte das Instrument seit seinen Bonner Jugendtagen. Seinem Flöte spielenden Juristenfreund Johann Michaek Degenhardt widmete er damals das launige Duo in G-Dur für zwei Flöten, dem jungen Grafen Wilhelm von Westerholt das ungleich umfangreichere Trio für Flöte, Fagott und Klavier. Jahre später in Wien schenkte er den Flötisten ein Trio, das zu den schönsten Perlen des Repertoires zählt: die Serenade Opus 25 für Flöte, Violine und Viola. Zu einem klassischen Flötenquartett fehlt hier das Cello, und genau darin liegt der besondere Reiz: im hohen, abgehobenen Klang. Mit dieser Idee machte Beethoven Schule: Max Reger schrieb nach seinem Vorbild gleich zwei Serenaden für Flöte, Violine und Viola.

Serenade mit zwei Opuszahlen

Beethovens D-Dur-Serenade Opus 25 firmiert in seinem Werkverzeichnis noch unter einer anderen Opuszahl und in anderer Besetzung: als Serenade für Flöte und Klavier Opus 41. Im Mai 1803 bot sein Bruder Karl Kaspar dem Verlag Hoffmeister & Kühnel in Leipzig Arrangements seiner beiden Serenaden an: das Opus 25 für Flöte und Klavier, das Opus 8 für Viola und Klavier. In einem Brief vom 20. September erklärte Beethoven etwas ausführlicher: "die Übersezungen sind nicht von mir, doch sind sie von mir dur[ch]gesehen und stellenweise ganz verbessert worden, also komt mir ja nicht, daß ihr da schreibt, daß ich's übersezt habe, weil ihr sonst lügt, und ich auch gar nicht die Zeit und Geduld dazu zu finden wüste". Als Bearbeiter hat die Beethovenforschung mittlerweile Franz Xaver Kleinheinz (1765-1832) ausgemacht. Dennoch unterließ der Verlag bei der Erstveröffentlichung den Hinweis auf den Bearbeiter. 

Abendständchen

Wie der Titel beider Fassungen verrät, wollte Beethoven hier die Vorstellung eines nächtlichen Ständchens wachrufen, und zwar nicht in größerer Bläserbesetzung, wie man sie damals auf Wiens Gassen und Plätzen allenthalben hören konnte, sondern als feines Konversationsstück für den Salon. Für wen dieses launige Stück komponiert wurde, ist ebenso unklar wie die Entstehungszeit. Der Stil deutet auf die Jahre zwischen 1795 und 1798 hin, doch kam es erst 1801 zur Drucklegung im neu gegründeten Verlagshaus Cappi in Wien, zusammen mit der „Mondscheinsonate“ und den übrigen Klaviersonaten Opus 26 und 27. Im Vergleich zu diesen berühmten Werken scheint die Serenade kaum ins Gewicht zu fallen, doch gerade darin liegt bis heute ihr besonderer Reiz.

Sechs Sätze

Wie das große Septett Opus 20 umfasst auch die kleine Trioserenade sechs Sätze nach dem Vorbild der Wiener Divertimenti: zwei schnelle Ecksätze, ein ruhiges Tempo di Minuetto anstelle des langsamen Satzes und zwei Scherzi, die einen Variationensatz umrahmen.

Eine jubelnde Fanfare der Flöte eröffnet die Entrata, eine Einleitung im Marschrhythmus, die von den beiden Streichern mit „Hornquinten“ begleitet wird – nicht die einzige Anspielung auf Bläsermusik in diesem Opus.

Das Menuett mit zwei Trios ist der erste von drei Tanzsätzen, die den zentralen Variationensatz umschließen. Während das Menuett auf Mozartschen Bahnen wandelt, zeigt das folgende d-Moll-Scherzo den „Stürmer und Dränger“ Beethoven – in den widerborstigen Sforzati, im trotzigen Thema und im Spiel mit den Motiven.

Das schlichte Thema der folgenden Variationen wurde dank einer Bearbeitung zum populärsten Satz der Serenade. Unter dem Titel  Der Wunsch erschien es 1814 als Lied. Der unterlegte Text passt vorzüglich zum innigen Charakter des Themas: „Du bist mir mehr als alles Glück der Erde“. Die drei Variationen geben jedem Spieler ein virtuoses Solo und werden durch eine knappe Coda abgerundet.

Stileigenheiten des jungen Beethoven zeigen sich am deutlichsten in den letzten Sätzen. Das Allegro scherzando in D-Dur wird von trotzigen punktierten Rhythmen und widerhakenden Synkopen geprägt. Sein d-Moll-Trio ist kontrapunktisch fein gearbeitet.

Vor das Rondo hat Beethoven eine kurze langsame Einleitung gestellt, in der sich die beiden Streicher wieder in Hornisten verwandeln, die durch ihre Hornquinten Freiluftmusik suggerieren. Das folgende Allegro wird durch launigen Witz und einen rasanten Unisonoschluss zum puren Hörvergnügen. Für die Ausführenden gibt es hier manch knifflige Aufgabe zu lösen, im Rhythmus und im Zusammenspiel.