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Volle Konzentration auf Brahms in Bingen: Jens Peter Maintz am Cello mit drei Villa Musica Stipendiat*innen (von rechts): Gaeung Song (Viola), Knut Hanßen (Klavier) und Miclen LaiPang (Violine)

Brahms mit Maintz

Drei wundervolle Sommerwochen verbrachte Johannes Brahms 1862 in Ebernburg an der Nahe. Daran erinnerten der große Cellist Jens Peter Maintz und Stipendiaten der Villa Musica.

Jens Peter Maintz und Stipendiat(inn)en spielten Brahms und Joachim

Jens Peter Maintz zu erleben, ist immer ein Ereignis. In der ersten Cellosonate von Brahms entführte er das Villa Musica-Publikum vergangenes Wochenende in einen idyllischen Sommer, den der Hanseate zu Füßen der Ebernburg an der Nahe verbrachte. Dort nämlich begann Brahms mit seiner wundersamen, geheimnisvollen e-Moll-Sonate, die er erst drei Jahre später mit dem robusten Fugenfinale so Bachisch kernig abschließen sollte. Der Berliner Celloprofessor Maintz und sein junger Klavierpartner Knut Hanßen brachten beide Seiten auf wundervolle Weise zur Geltung: eine dichte, hochromantische, überaus facettenreiche Interpretation ohne die Bleischwere so mancher Brahms-Einspielung. Im gleichen Duktus schlossen sich zwei weitere Duowerke an: die Hebräischen Melodien für Viola und Klavier von Joseph Joachim, dem großen Geiger und Brahms-Freund aus Ungarn, der sich hier von berühmten Gedichten Lord Byrons über die Geschichte Israels inspirieren ließ; und drei Ungarische Tänze von Brahms in Fassungen für Violine und Klavier. In den drei Joachim-Melodien zeigte die Bratschistin Gaeun Song großen Ton und leidenschaftliche Gestik, in den „Ungrischen“ tat es ihr der Geiger Miclen LaiPang mit ausgereifter Technik und sehr schönem Ton nach. Knut Hanßen war der feinsinnige Begleiter am Flügel. Was in dem jungen Pianisten und Villa Musica-Stipendiaten steckt, konnte er im grandiosen Finale des Abends beweisen: im g-Moll-Klavierquartett von Brahms. Vom strengen Hauptthema des ersten Satzes über das hingehauchte Pianissimo-Scherzo bis zum berühmten ungarischen Finale zog Hanßen alle Register seiner feinen, schon sehr ausgereiften Klavierkunst und lieferte sich mit den Streichern unter Jens Peter Maintz einen wahrhaft beglückenden Brahms-Schlagabtausch. Große Begeisterung beim Publikum in Bingen, Oberwesel und Grafschaft-Holzweiler, das den Weg zu Brahms trotz der Kälte und trotz Omikron nicht gescheut hatte.

Jens Peter Maintz, Violoncello – Stipendiat*innen der Villa Musica Rheinland-Pfalz
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll, op. 38
Ungarische Tänze für Violine und Klavier (Bearbeitung: Joachim)
Joseph Joachim: Hebräische Melodien für Viola und Klavier, op. 9
Johannes Brahms: Klavierquartett g-Moll, op. 25
Fr, 1.4.2022, 19:30 Uhr – Kulturhaus Oberwesel
Sa., 2.4.2022, 19 Uhr ­– Kulturzentrum Bingen
So., 3.4.2022, 11 Uhr – Villa Bellestate Grafschaft-Holzweiler