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Premiere bei Villa Musica: Boris Garlitsky beim Konzert im Straßenanzug – als Einspringer in letzter Sekunde zusammen mit seinem Studenten Severin van Schmid im Hansensaal von Burg Rheinfels (Foto: Barbara Harnischfeger).

Burgenklassik 2021

Ein Notprogramm im Straßenanzug: Boris Garlitsky spielte mit seinem Studenten Severin van Schmid auf Burg Rheinfels ein Programm aus Bach-Soli und Duetten von Robert Fuchs.

Bach-Chaconne statt Cellosuite

Das Publikum durfte sich am Ende über ein großartiges Konzert freuen, obwohl es scheinbar „nur“ das Ersatzprogramm war: Statt Giovanni Gnocchi mit Bachs erster Cellosuite erlebten die 30 zugelassenen Zuhörerinnen und Zuhörer im Hansensaal von Burg Rheinfels den großen Boris Garlitsky mit Bachs zweiter Violin-Partita in d-Moll – inklusive der berühmten Chaconne. Wer dies schon einmal von ihm hören durfte, weiß um die große Kunst, die Garlitsky hier entfaltet: in sich ruhend, klassisch, technisch absolut überlegen und eines Meisters würdig. Der Meister trat mit seinem Schüler Severin van Schmid auf, und nur am Straßenanzug der Beiden und am Fehlen von Programmheften war zu erkennen, dass es sich um ein Notkonzert handelte. Es war das glückliche Ende einer dramatischen Geschichte, die sich nur wenige Stunden vorher in Schloss Engers abgespielt hatte.

Ersatz in letzter Sekunde

Weil es einer Stipendiatin in Giovanni Gnocchis Quartett plötzlich schlecht wurde, stand das ganze Programm des Abends auf der Kippe. Gott sei Dank gab Boris Garlitsky gerade Unterricht im Schloss: seinem Violinstudenten Severin van Schmid. Beide boten sofort an, für die Kollegen einzuspringen - gesagt, getan. Kai Link koordinierte die Änderung und suchte aus der Notenbibliothek die wunderschönen Violinduette von Robert Fuchs heraus. Später im Konzert entfaltete die Musik des „Serenaden-Fuchs“ ihre erprobte Wirkung, die ihn zum Brahms-Freund machte und zum Lehrer von Größen wie Mahler, Wolf und Schönberg. Dazu wählten Garlitsky und van Schmid berühmte Soli von Bach und Ysaÿe aus, und schon stand das Notprogramm. Es wurde gleich an Barbara Harnischfeger gemailt, die als Freundeskreis-Vorsitzende zum Begrüßen nach Schloss Rheinfels fuhr. Nina Seipel, die Freiwillige im FSJ Kultur in Schloss Engers, stellte sich auf viel Improvisation vor Ort ein, und die Veranstalter machten wunderbar mit. Also bekam das Publikum mit etwas Verzögerung doch noch einen großen Abend aus Bach und romantischer Kammermusik zu hören - sicher für viele unvergesslich.

Dank

Ein ganz großer Dank an Boris Garlitsky und seinen Studenten Severin van Schmid für Ihre spontane Meisterleistung, Dank an die Veranstalter und an Nina Seipel, dass sie vor Ort alles so gut umsetzen konnten, Dank an Barbara Harnischfeger für die Moderation und vor allem an Kai Link, der die Krise aus dem Hintergrund im Griff hatte.

Barbara Harnischfeger über den Abend auf Rheinfels

Hier noch der authentische Bericht von Barbara Harnischfeger, die alles aus nächster Nähe miterlebte, moderierte und präsentierte: 

„Es war kein Notkonzert. Es war etwas ganz Besonderes, so haben es die Menschen empfunden. Eine FREUNDIN der Villa Musica sagte wörtlich: ‚Ich fühlte mich persönlich bedient’, und sinngemäß: ‚Dieses lockere Auftreten in zerbeulten Hosen, diese Ansprache durch die Musiker……und dieser Boris Garlitsky! Als Villa Musica-FREUNDIN weiß man, wer er ist. Er führt ja oft Stipendiaten-Ensebles an als Dozent. Aber dass er so großartig solo spielt, haben wir noch nicht erlebt. Phantastisch! Und der junge Mann, Severin Schmid, so sympathisch.’

Ich hatte die Musiker gebeten, ihre Stücke selbst anzusagen und kurz zu erläutern, wer Robert Fuchs war, wer Eugène Ysaÿe - manchmal bedurfte es einer Zwischenfrage von mir aus der ersten Reihe heraus. Boris Garlitsky habe ich gebührend angesagt, mit Severin Schmitt habe ich nach seinem letzten Bach ein kleines Interview zur Person geführt. 

Es waren circa 10 Freundeskreis-Mitglieder unter den 30 zugelassenen Konzertbesuchern. Das Publikum klatschte nicht nur, sondern stieß Begeisterungsrufe aus, nachdem Boris Garlitsky Bachs d-Moll-Partita gespielt hatte. Nach seinem Schlussstück, der 6. Solosonate von Ysaÿe, riefen ihn die Burgenklassik-Besucher im Hansensaal von Burg Rheinfels drei Mal aus der Garderobe heraus. Vor Konzertbeginn habe ich erzählt, wie die Villa Musica jungen Profis den Feinschliff gibt durch die Akademieprojekte, und ich habe ein nettes Gespräch mit Falko Hönisch, dem Bürgermeister von St. Goar, geführt.“ (Barbara Harnischfeger)

Das Ersatzprogramm von Freitagabend auf Burg Rheinfels:

Bach: Partia seconda d-Moll, BWV 1004 (Allemanda – Corrente – Sarabanda – Giga - Ciaccona) – Boris Garlitsky

Fuchs: Drei Violinduette – Boris Garlitsky und Severin van Schmid

Bach: Sonata prima g-Moll, BWV 1001 (Adagio) – Severin van Schmid

Fuchs: Zwei Violinduette – Boris Garlitsky und Severin van Schmid

Bach: Sonata terza C-Dur, BWV 1005 (Largo) – Severin van Schmid

Ysaÿe: Sonate E-Dur, op. 27 Nr. 6 – Boris Garlitsky

BURGENKLASSIK - das zweite Wochenende auf einen Blick

Fr. 11.6., 18:30 und 20:30 Uhr, Schloss Stolzenfels: Beethoven in Prag mit dem Geiger Josef Spacek und Stipendiat*Innen (Streichtrios von Beethoven und Krommer; Duo von Martinu)

So. 13.6., 18 und 20 Uhr, Kurfürstliche Burg, Boppard: Beethoven in Prag mit dem Geiger Josef Spacek und Stipendiat*Innen (Streichtrios von Beethoven und Krommer; Duo von Martinu)