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Matt Haimovitz (dritter von links) mit Stipendiatin Hung Tzu Chu und den Stipendiaten Yunil Yang, Joël Wöpke, Natan Tishin und Miclen LaiPang vor der Marksburg und ihrer Burgschänke (Foto: Barbara Harnischfeger).

Haimovitz: Bruch & Brahms

Barbara Harnischfeger ist die Seele der Burgenklassik. immer präsent, immer eloquent und auf allen Podien mit dabei. Hier ihr Bericht vom Konzert mit Matt Haimovitz auf der Marksburg.

Das ging ins Herz

von Barbara Harnischfeger

Burgenklassik der Villa Musica auf der Marksburg oberhalb Braubach, der einzigen nie zerstörten Höhenburg am Mittelrhein. Ein Weltstar am Cello, Matt Haimovitz, spielt mit den jungen Profis der Villa Musica zuerst das Streichquintett in a-Moll von Max Bruch. Eine erwartungsfrohe Gemeinde sitzt im holzvertäfelten Saal der Burgschänke, und als der junge Geiger Miclen LaiPang den Ton anschlägt, geht der gleich ins Herz. Klangfarben vom Feinsten. Emotion pur.

Beglückte Menschen begegnen sich dann in der Pause auf der Terrasse der Marksburg. Tenor der Gespräche: Wie froh können wir sein, solche musikalische Qualität hier in unserer Heimat erleben zu können durch Villa Musica. Ein Ehepaar ist aus Trier angereist. Sie besuchen auch Konzerte der Villa Musica in Schloss Engers, erzählen sie. Der Enthusiasmus der jungen Profis, die von hochkarätigen Meistern wie Matt Haimovitz lernen, lockt sie. 

Vor dem Konzert erzählt mir Ursula Schelzig-Henn aus Neuwied, dass sie und ihr Mann gehofft hatten, Matt Haimovitz in Venedig bei der Biennale zu begegnen, an der die deutsche Malerin Charline von Heyl beteiligt war, mit einer Anlehnung an Botticellis berühmtes Gemälde La Primavera. Haimovitz habe Kompositionen zu diesem Thema in Auftrag gegeben und selbst gespielt. Aber zum Empfang waren die Neuwieder nicht eingeladen. 

Und nun, auf der Marksburg am Rhein, können sie Matt Haimovitz ganz unkompliziert begegnen. Und sogar eines der Stücke aus Venedig wieder hören ...

Ehrensache, dass ich als Freundeskreisvorsitzende von Villa Musica das Treffen ermögliche, indem ich die Musiker nach dem Konzert noch auf ein Glas Wein einlade und festhalte.

Nebeneffekt: Die Künstler aus den USA, aus Wien, aus Israel, aus Seoul erleben einen Sonnenuntergang über den Höhen des rheinischen Schiefergebirges und nehmen noch einige Selfies mit nach Hause.

Zu Haimovitz und seiner Vorliebe, zeitgenössische Kompositionen ins Konzertprogramm einzustreuen: Auf der Marksburg spielt er nach der Pause exakt jenes Solo der New Yorker Komponistin Missy Mazzoli, das sich auf das erwähnte Gemälde von Charline von Heyl, auf Botticellis Primavera und eine Motette von Josquin bezieht! Welch ein Zufall. Das vierminütige Stück beeindruckt die Zuhörer durch seine Virtuosität in der Zartheit, durch die Flagolettes – es ist ein ätherisches Stück. Die anderen Musiker sitzen schon mit dem Cellisten während dessen Solo zusammen und fallen in den „Gesang“ ein. Übergangslos spielt die erste Bratsche eine Wellenlinie, die das Thema im ersten Satz des Streichsextetts Nr. 2 von Johannes Brahms trägt: wunderbar, als gehörten die Stücke zusammen. 

Das G-Dur-Sextett von Brahms, das er nach der Trennung von seiner Quasi-Verlobten Agathe von Siebold als Abgesang einer Liebe geschrieben hat, bringt mit seiner wehmütigen Stimmung die Zuhörer dann völlig aus der seelischen Fassung. Die Kantilene des Cellos, durch die Klanggebung des Meisterspielers veredelt: ergreifend. Die süßen Melodien, der romantische Weltschmerz: zum Weinen schön. 

Die Ergriffenheit wird aufgelöst durch das temperamentvolle Finale und entlädt sich in Bravo-Rufen und in stehenden Ovationen. So sind Glücksmomente. 

Sonntag, 15.5., 18 Uhr – Marksburg, Braubach (Festsaal der Burgschänke)

Matt Haimovitz, Violoncello – Stipendiaten der Villa Musica: Natan Tishin und Miclen LaiPang, Violinen | Hyunil Yang und Hung Tzu Chu, Violen | Joël Wöpke, Violoncello

Max Bruch: Streichquintett a-Moll

Missy Mazzoli: Beyond the Order of Things

Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 2 G-Dur, op. 36