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Im Glanz der Abendsonne auf der Festung Ehrenbreitstein: Hausherr Dr. Andreas Schmauder links neben den Mitgliedern des Kukal-Quartetts aus Prag. In der Mitte: Klarinettist Irvin Venyš mit Barbara Harnischfeger in Rosa am Arm (Foto: Uli Stelter).

Burgenfinale

Es war ein heiteres Finale der Burgenklassik 2022 auf Ehrenbreitstein: Das Kukal-Quartett und Irvin Venyš aus Prag spielten Dvorak und Mozart. Hier der Bericht von Barbara Harnischfeger.

Burgenklassik mit herrlichem Finale auf der Festung Ehrenbreitstein

von Barbara Harnischfeger

Das war nicht wie Mai, das war vielmehr Sommergefühl, das die Besucher bei Burgenklassik 2022 hatten. Herrliches Wetter auch zum Finale auf der Preußischen Festung Ehrenbreitstein. (Im Mittelalter und zur Kurfürstenzeit stand auch hier eine Burg, die allerdings 1795 von den französischen Revolutionstruppen belagert, ausgehungert und schließlich 1801 gesprengt wurde.) 

Die ab 1816 von den Preußen gebaute Großfestung gegen Frankreich ist heute Sitz des Landesmuseums Koblenz und als Gesamtanlage Kulturzentrum mit vielen Großveranstaltungen im Jahr. „Villa Musica ist unser Partner für den klassischen Bereich“, sagte der Direktor, Dr. Andreas Schmauder, bei seiner Begrüßung des Publikums und: „Villa Musica steht für höchste Qualität, eine interessante Programmgestaltung und ungewöhnlich hochtalentierte Musikerinnen und Musiker“. 

Diesmal waren es Gäste aus Prag: das Kukal Quartett, Stipendiaten der Tschechischen Kammermusikakademie von Tomáš Jamník. Der meldete sich bei mir auf meinem facebook Account, in dem ich über Burgenklassik berichte und schrieb: „Schon sieben Jahre unsere Partnerschaft mit Villa Musica. Bald feiern wir Zehnjähriges.“ Tomáš Jamník war selbst einmal Stipendiat der Villa Musica in Rheinland-Pfalz und hat sich das System der Hochbegabtenförderung durch Kurs und Konzert mit Lehrenden und Lernenden Pult an Pult für Prag abgeschaut, die Tschechische Kammermusikakademie gegründet.

Ganz nah dran an den Musikern

Zur Musik: Wurde das Streichquartett in G-Dur op. 106 von Antonín Dvořák in der Darbietung durch das Kukal Quartett freudig beklatscht, so begeisterte die Konzertbesucher nach der Pause das Klarinettenquintett KV 581 von Mozart restlos. Liebling des Abends war der arrivierte Klarinettist Irvin Venyš aus Prag, der schon bei den vorhergehenden Konzerten auf Burg Maus und auf Rheinfels als Dozent mitwirkte. Sein samt-weicher Ton war es, der betörte. Nach dem Konzert zeigten ihm einige Frauen noch lange ihre Bewunderung, und er erklärte ihnen seine hellbraune Klarinette aus besonders edlem Holz und die Spielweise des Instrumentes. Die Menschen waren, wie es die Freunde der Villa Musica versprechen, wieder ganz nah dran an den Musikern.

Zur guten Stimmung trug sicher auch bei, dass ein hervorragender Wein ausgeschenkt wurde, und zwar von Direktor Schmauder und vom Vorsitzenden des Förderkreises Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein, Hans-Ulrich Stelter. Dieser Verein besitzt und pflegt in Winningen an der Mosel Rebstöcke in der Steillage. Das Weingut Richter baut den Wein aus, und der Verein bietet ihn an bei Veranstaltungen der Generaldirektion Kulturelles Erbe, gegen Spende. Der Erlös kommt Projekten im Kulturzentrum und im Landesmuseum zugute.

Gastgeberin für Villa Musica

Ich als Gastgeberin für Villa Musica und deren Freundeskreis versuche in der Konzertpause mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, frage, woher sie kommen, warum sie ein Konzert der Villa Musica besuchen, woher sie davon wissen, hole Feedback ein. 

Bei Besuchern, die bekunden, dass sie viele Villa Musica-Konzerte besuchen und schätzen, tippe ich an, ob sie nicht FREUNDE werden wollen. Einige Erfolge kann ich verzeichnen.

Aber was mich besonders erfreut hat, war folgendes Gespräch in der Konzertpause auf Ehrenbreitstein:

Ich erkenne Frau Karrich und sage Hallo. Die Familie Karrich besaß die Villa Michels in Andernach und veranstaltete dort Jahrzehnte lang Kammerkonzerte mit jungen Musikern. In Begleitung von Frau Karrich ist eine etwa 40jährige Frau, und die sagt, ohne dass ich frage: „Ich höre eigentlich immer so was wie Pink Floyd, aber heute, die Musiker direkt zu sehen, das war toll, das hat mir gefallen“. Die Fachfrau Karrich differenziert die Leistung der Primaria und die der zweiten Violine. Reaktion ihrer Begleiterin: „Das habe ich nicht gehört. Mir hat alles gefallen.“ Jetzt bin ich doch neugierig und frage: „Sie hören sonst überhaupt keine klassische Musik?“ Antwort:“ Mein Sohn hört Sinfonien, da muss ich mithören.“ Frage: „Wie kommt er darauf, wenn Sie Pink Floyd hören?“ Antwort: „Das hat er von seinem Vater. Mir gefällt das nicht. Aber hier, heute jedes einzelne Instrument zu sehen und zu hören, das war schön“. Ich noch mal zu Frau Karrich: „Das beschäftigt uns Klassik-Liebhaber doch ständig: Wie kann man junge Menschen an diese Musik heranführen?“ Frau Karrich: „Einfach mitnehmen!“