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Cécile Chaminade, als Stilikone der Belle Époque und Königin des Klaviers im Bild festgehalten von den Pariser Starfotografen Fred Boissonnar und André Taponier (Foto: Palazzetto Bru Zane / Fonds Leduc).

Cécile Chaminade

Komponistinnen im Fokus lautet das Motto der aktuellen Villa Musica-Saison auch auf der Homepage. Jeweils passend zu den Programmen der Woche stellen wir Komponistinnen vor, von der Romantik bis Heute.

Cécile Chaminade: Stilikone und Komponistin

von Karl Böhmer

Als junge Frau zierte sie mit ihrem Konterfei so manches Produkt der gehobenen Pariser Kosmetik: Cécile Chaminade war eine Stilikone der Belle Époque und im Jahrzehnt vor 1900 in aller Munde. Ihre Lieder wie L’Anneau d’argent und Viens, mon bienaimé kannte damals jeder Franzose und vor allem jede Französin, die sich mit dieser schönen jungen Frau identifizierte.

Als Komponistin war sie damals längst etabliert. Schon 1869 hatte sie ihre ersten beiden Klavier-Mazurken publiziert – als Zwölfjährige! Später hatte sie ihr Komponieren im Studium bei Benjamin Godard und Félix Le Couppey perfektioniert. Ihre Klavierwerke und Lieder erreichten hohe Auflagen, doch auch die anspruchsvollen Genres wie Orchestersuite, Klavierkonzert oder Klaviertrio meisterte sie mit Gründlichkeit, Grazie und Eloquenz – sehr zum Ärger männlicher Zeitgenossen, die sie lieber auf die „weiblich charmanten“ Genres Lied und leichtes Klavierstück beschränkt sehen wollten.

Ihr Debüt in London bescherte ihr 1892 ein neues, dankbares Publikum, Queen Victoria eingeschlossen. Selbst jenseits des Atlantiks erblühte der Chaminade-Kult in Form regelrechter Chaminade Clubs. Ihre Mitglieder überredeten die gefeierte Pianistin, 1907 in die USA zu reisen und in zwölf Städten von New York bis St. Louis zu konzertieren. Sie war in jeder Hinsicht eine Vorreiterin der „fashionable lady-composers“, die im frühen 20. Jahrhundert zunehmend von sich reden machten.

Dann freilich kam die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und mit ihr der Niedergang jener musikalischen Eleganz, die Chaminade verkörperte. Nach 1918 kam ihr Schaffen praktisch zum Erliegen: Außer ein paar Klavierstücken veröffentlichte sie keine neuen Werke mehr. In der völlig veränderten Welt der Zwischenkriegsjahre fand ihre grazile Kunst keinen Platz mehr. Als die englische Autorin Katharine Eggar 1929 die beiden Klaviertrios von Chaminade für den Cobbett Kammermusikführer besprach, ging sie auf diesen Widerspruch ein, prophezeite ihr aber eine Renaissance: „Angesichts der Gründlichkeit ihrer Schreibart wird man auch die Grazie ihrer Musik wieder schätzen lernen, sobald das gegenwärtige Interesse am Kruden den Geschmack am Graziösen nicht mehr verdunkelt.“

Das derzeit wieder erwachende Interesse an ihren Klavierstücken, ihren beiden wundervollen Klaviertrios und rührenden Violinwerken ist eine späte Wiedergutmachung. Cécile Chaminade starb im Frühjahr 1944 in Monte Carlo – quasi im Exil wenige Wochen vor der Invasion der Normandie. Es war ihr weder vergönnt, ihre Heimat von der deutschen Besatzung befreit zu sehen, noch durfte sie die Renaissance ihrer Werke miterleben.

Violinstücke, op. 31

1887 publizierte Cécile Chaminade ihr Opus 31: Drei Stücke für Violine und Klavier. Sie werden an diesem Wochenende im Rahmen des Programms Europäische Romantik von der jungen israelischen Geigerin Sophi Rochlin zusammen mit dem Pianisten und Dozenten Bernd Glemser aufgeführt – am 29.10. in der Villa Musica in Mainz, am 30.10. im Dianasaal von Schloss Engers. Auf ein melancholisches Andantino in h-Moll, eine Art Valse triste im 6/8-Takt, folgt eine schöne Romanze in F-Dur. Ihre ruhige Melodie im Dreiertakt zieht auf der Basis ein und desselben rhythmischen Motivs immer weitere Kreise. Das kurze Trio in Des-Dur wirkt ebenso lyrisch wie der Hauptteil – ein schönes Zeugnis der Liedkomponistin Chaminade. Als furioses Finale dient eine Bohémienne in a-Moll, eine Art „Zigeuner-Rondo“ in der furiosen Manier von Bizets Carmen und anderen Bohémien-Stücken der Belle Époche. Während die ersten beiden Stücke der Violine technisch keine Hürden in den Weg stellen, wird von der Solistin hier ein Höchstmaß an Virtuosität in Doppelgriffen und im Lagenspiel verlangt.

Cécile Chaminade
1857-1944

Trois Morceaux für Violine und Klavier, op. 31

Andantino h-Moll
Romanze. Andante F-Dur
Bohémienne. Allegretto a-Moll

Sophi Rochlin, Violine
Bernd Glemser, Klavier