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Corellis Grabmal im Pantheon, wie es im 18. Jahrhundert aussah, noch mit seiner Büste in der Nische und ohne das Fresko der Heiligen Nacht darüber, wie man es heute sehen kann.

Weihnachten mit Corelli

Pünktlich zu Weihnachten ist das Weihnachtsvideo der Villa Musica fertig geworden: Corellis berühmtes Weihnachtskonzert, das Concerto grosso, op. 6 Nr. 8, aufgezeichnet Mitte Dezember im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Am Ende eine Zugabe aus Bachs Weihnachtsoratorium. Wie wünschen allen Freundinnen und Freunden der Villa Musica frohe Weihnachten.

Arcangelo Corelli: Concerto g-Moll, op. 6 Nr. 8

Auf der Videoplattform vimeo können Sie unsere Aufzeichnung des Weihnachtskonzerts von Corelli anschauen und eine Zugabe aus Bachs Weihnachtsoratorium. Einfach auf den folgenden Link gehen, Herunterladen anklicken und eine Datenqualität auswählen. Dann können Sie den Film ungestört und ganz ohne Werbung zuhause ansehen und anhören.

Lina Tur Bonet, Violino primo und Leitung, Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz; Einführung: Prof. Alexander Hülshoff

https://vimeo.com/494418819

Concerto fatto per la Notte di Natale, Rom 1713

Wann genau Arcangelo Corelli sein berühmtestes Concerto grosso aus der Taufe hob, ist unbekannt. Fest steht nur, dass es im Rahmen seines Opus 6 gedruckt wurde, anno 1713, wenige Monate nach dem Tod des Komponisten, der im römischen Pantheon seine letzte Ruhestätte fand, passenderweise unter einer Anbetung der Hirten. Entstanden ist dieses Concerto wesentlich früher, höchst wahrscheinlich für das festliche Beisammensein der Kardinäle im Apostolischen Palast in der Notte di Natale. Jenes jährliche Nachtmahl der katholischen Oberhirten des Barock hatte wenig mit der Armut der Hirten von Bethlehem zu tun, wobei man gleich dazu sagen muss, dass Etliche von ihnen zwar Kardinäle, aber keine geweihten Priester oder gar Bischöfe waren. Meistens handelte es sich um durchaus weltlich gesinnte Verwaltungsjuristen aus reichen Familien. Schon aus Standesbewusstsein musste sich deren Weihnachtstafel nicht nur vor kulinarischen, sondern auch vor musikalischen Genüssen förmlich biegen. Deshalb wurde vor dem Mahl alljährlich ein eigens dazu gedichtetes und komponiertes Weihnachtsoratorium in italienischer Sprache aufgeführt – eine lange Cantata für mehrere Sänger und Orchester. Da Corelli bei solchen Gelegenheiten als Capo des Orchesters fungierte, steuerte er häufig genug die Sinfonia zu diesen langen Kantaten bei – eben sein Concerto fatto per la Notte di Natale. Es hatte die unterschiedlichsten „Weihnachtsgeschichten“ einzuleiten: Mal waren es Hirten, mal Engel, mal Propheten Israels, die sich über die Geburt des Messias in gelehrte Betrachtungen vertieften. 62 Libretti dieser Art sind aus den Jahren 1676 bis 1740 überliefert. Nur in fünf Fällen ist dazu auch die Musik erhalten, große Weihnachtskantaten von Lulier (1700), Alessandro Scarlatti (1705), Costanzi (1723), Bencini (1730) und Porpora (1732). Erst 1741 räumte der bodenständige Lambertini-Papst Benedikt XIV. mit diesem allzu barocken Brauch auf. Corellis „Weihnachtskonzert“ aber überdauerte alle Wechselfälle der Kirchengeschichte.