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Alexander Hülshoff im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Celloprofessor, Künstlerischer Direktor der Villa Musica und Erfinder der Konzertserie Dalí und Beethoven. Mit der mexikanischen Cellosonate von Rodolfo Halffter sorgte er wieder einmal für eine gelungene Repertoire-Bereicherung.

Dalí und Beethoven

Letzten Sonntag im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Pedro Halffter spielte ein Klavierwerk seines Großonkels Ernesto Halffter mit Dalí-Zeichnung. Alexander Hülshoff brillierte in der Cellosonate von Rodolfo Halffter, dazu Beethovens Zweite in der Triofassung mit dem Villa-Stipendiaten Oleh Kurochkin.

Marsch von Ernesto Halffter und eine Dalí-Zeichnung

Noch einmal gastierte der spanische Komponist, Dirigent und Pianist Pedro Halffter im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, um Brücken zwischen seiner Familie und Dalí zu bauen. Am gestrigen Sonntag eröffnete er das Programm mit zwei Klavierwerken seines Großonkels Ernesto Halffter, Junggenie der spanischen Musik in den Zwanziger Jahren und später Meister der komponierten Hommage. Zur Serie seiner Gedenkstücke zählt das wunderschöne E-Dur-Andante, das er zur Erinnerung an den 1943 verstorbenen katalanischen Pianisten Ricardo Viñes schrieb. 20 Jahre früher, mit 17, schuf Halffter seinen Fröhlichen Marsch für Klavier, den kein Geringerer als der junge Salvador Daií illustrierte - mit einem Selbstporträt: Dalí in altspanischer Tracht mit einem ebensolchen Schnurrbart, den er damals noch gar nicht trug, einer Gitarre in Händen und Pfeife im Mund, ein Zeugnis für des Meisters Humor, als er noch mit seinen Madrider Freunden dem Studentendasein frönte. Zu diesem Kreis gehörte auch der junge Ernesto Halffter. Dessen Pariser Verlag Max Eschig übernahm die Zeichnung Dalís als Titelbild der Ausgabe - 1925. Der erste Dalí, der in Paris im Druck erschien, lange bevor der Meister sich an den Ufern der Seine niederließ. Zum Konzert in Rolandseck wurde die Zeichnung Dalís auf der Bühne gezeigt, als wunderbare Ergänzung zur aktuellen Dalí-Ausstellung.

Alexander Hülshoff spielt Rodolfo Halffters Cellosonate

Sie gehört zu den schönsten und gewaltigsten Cellosonaten der späten Fünfziger Jahre, als man in Europa schon längst keine Cellosonaten mehr schreiben durfte: die F-Dur-Sonate Opus 26 von Rodolfo Halffter, komponiert 1959/60 in Mexiko. Der älteste Bruder der komponierenden Halffter-Brüder hatte nach dem verlorenen Bürgerkrieg in Spanien als überzeugter Republikaner keinen Platz mehr in seiner Heimat. Er wanderte nach Mexiko aus und wurde dort zum großen Namen des nationalen Musiklebens. In der Neuen Welt gingen die Uhren in den Fünziger Jahren anders: keine Spur von Avantgarde alla Boulez. Also durfte sich das Publikum in der ehrwürdigen Coolidge Hall der Library of Congress in Washington im Jahr 1961 an einer durchweg tonalen, spätromantisch üppigen und unerhört virtuosen Cellosonate des Mexikaners Rodolfo Halffter erfreuen. Sie wurde beim Interamerikanischen Festival in der Hauptstadt Kennedys aus der Taufe gehoben, denn noch war keine Mauer zwischen Mexiko und den USA errichtet worden. Cellist der Uraufführung war Adolfo Odnopossof, der in Buenos Aires geborene Sohn russischer Juden, der als erster Solocellist des Israel Philharmonic Orchestra in die Geschichte einging. Auch sein geigender Bruder Ricardo war eine Berühmtheit: Der spätere Professor von Rainer Kussmaul und Norbert Brainin war in den frühen Dreißiger Jahren Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, bevor ihn die Nazis zugunsten des übereifrigen Wolfgang Schneiderhahn absetzten. Adolfo Odnopossof machte nur kurz in Israel Station und ging dann zurück in seine lateinamerikanische Heimat: erst Lima, dann Havanna, schließlich Mexico City. Überall war er Solocellist im Nationalorchester und ein gefeierter Solist. In Süd- und Nordamerika spielte sich seine noch viel zu wenig beachtete Cellistenkarriere ab, die Alexander Hülshoff mit der wunderbaren Cellosonate von Rodolfo Halffter ins rechte Licht rückte. Den anspruchsvollen Klavierpart übernahm wieder Pedro Halffter, der Großneffe von Rodolfo.

Beethoven Zweite als Trio

Schon zu Beethovens Lebzeiten wurden seine Sinfonien für kammermusikalische Besetzungen bearbeitet, weil man sie in den Orchesterfassungen viel zu selten zu hören bekam. Nur ein einziges dieser Arrangements fand das Placet des Meisters: die Fassung der Zweiten für Klaviertrio. Alexander Hülshoff stürmte mit dem exzellenten Villa Musica-Stipendiaten Oleh Kurochkin an der Guarneri-Violine durch dieses furiose Sinfonie-Arrangement, geprägt vom „Elan terrible“ der Revolutionszeit. Am Flügel saß wieder Pedro Halffter und holte als Dirigent ein ganzes Orchester aus seinen Klavierpart heraus.

Konzert V: Beethovens Zweite

Sonntag | 6. September 2020 | 11 und 15 Uhr

Alexander Hülshoff Violoncello

Pedro Halffter Klavier

Oleh Kurochkin Violine

Ernesto Halffter: Klavierwerke: Hommage an Ricardo Viñes, Marche Joyeuse

Rodolfo Halffter: Cellosonate, op. 26 (1959/60)

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 36 (Klaviertriofassung)