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Daniel und Alexander Gurfinkel mit ihrem Klavierbegleiter Antonio Losa in der Villa Musica in Mainz (Foto: Robert Pfeifruk).

 

Klassik und Klezmer

Zwei Klarinettisten aus Israel und ein mitreißendes Programm: Daniel und Alexander Gurfinkel spielten Glinka und Gershwin, Anatevka und Klezmer in der Synagoge Schweich und der Villa Musica in Mainz.

Glinka, Gershwin und Fiddler on the Roof

Es waren ungewohnte Klänge in der Mainzer Villa Musica: Melodien aus dem Musical Anatevka und eine jazzig-fetzige Paraphrase über Gershwins Porgy and Bess, gespielt von zwei Klarinettisten, die sich seit ihrer Kindheit blind verstehen. David und Alexander Gurfinkel sind Zwillingsbrüder aus einer Klarinettistendynastie in Israel – optimale Voraussetzungen, um in den virtuosen Duos dieses Abends vollkommen zu verschmelzen und den authentischen jüdischen Ton zu treffen, in Fiddler on the Roof ebenso wie im Klezmer-Finale des Abends. Dass es manchen Zuhörer dabei kaum auf dem Sitz hielt, verstand sich beim rhythmischen Drive und den verschlungenen Fiorituren der beiden Klarinettisten fast von selbst. Bei Glinka und Saint-Saëns konnten sie aber auch klassisch schön und wunderbar weich ihre Kantilenen singen. Dabei hat sich Alexander Gurfinkel im Studium in Berlin für das deutsche Klarinettensystem entschieden und spielt mittlerweile im Orchester des Theaters Münster. Sein Bruder Daniel ist dagegegen dem französischen System treu geblieben, was ihm internationale Orchesterstellen eröffnet wie derzeit in Ungarn. Dennoch kamen beide an diesem Abend perfekt zusammen: Alexander stellte sich für das Duo-Trio-Programm aufs französische System um, und die beiden verschmolzen zur vollkommenen Einheit, zuverlässig gestützt von ihrem Klavierbegleiter Antonio Losa, der als junger Dirigent in Münster arbeitet. Das Programm war eine weite Reise vom Mailand des Jahres 1832, wo der junge Michail Glinka sein Trio Pathétique ganz im Stil von Bellini und Donizetti komponierte, über das Paris des Camille Saint-Saëns (Rondo capriccioso) bis hin zum Klezmer unserer Tage. Traveling to Cleyzmer hieß das ebenso anrührende wie mitreißende Finalstück, eine Suite des Ukrainers Yuri Povolotsky. Große Begeisterung beim Publikum in der voll besetzten Synagoge Schweich und in der Mainzer Villa Musica, wo die Mainzer Konzerte der Saison 2023-24 an diesem Frühlingsabend in geradezu lockerer Stimmung ausklangen.

Freitag, 24.5., 19 Uhr – Synagoge Schweich
Samstag, 25.5., 19 Uhr – Villa Musica Mainz
Daniel und Alexander Gurfinkel, Klarinetten | Antonio Losa, Klavier

Michail Glinka: Trio pathétique d-Moll
George Gerswin: Perlen aus Porgy and Bess (für zwei Klarinetten arrangiert von Rafael Feigelson)
G. Alamiro: Der Karneval von Venedig (für zwei Klarinetten arrangiert von Robert Mozes)
Uri Brener: Clarinets on the Roof für zwei Klarinetten
Camille Saint-Saëns: Introduction et Rondo capriccioso, op. 28

Yuri Povolotsky: Bilder der vergessenen Stadt für zwei Klarinetten
Yuri Povolotsky: Traveling to Cleyzmer für zwei Klarinetten und Klavier