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Leidenschaft im schönen Klang: der meisterliche Pianist Fabian Müller, ehemaliger Stipendiat der Villa Musica. geförfert von den Freunden der Villa Musica e.V.

Fabian Müller auf CD

Schon als Stipendiat der Villa Musica beeindruckte Fabian Müller durch subtile Klavierkunst. Nun hat der Kölner Pianist seine neue CD vorgelegt, gefördert von den FREUNDEN DER VILLA MUSICA: Beethovens Appassionata und Schumanns zweite Klaviersonate umrahmen Klavierstücke von Brahms und Rihm.

Fabian Müller: Passionato

CD, erschienen 2021 bei Berlin Classics

Robert Schumann: Klaviersonate Nr. 2 g-Moll, op. 22 (mit dem ursprünglichen Finale, 1838)

Johannes Brahms: Zwei Rhapsodien, op. 79 (1879)

Wolfgang Rihm: Klavierstück Nr. 5 Tombeau (1975)

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate f-Moll, op. 57 (Appassionata, 1805)

Hier ein Video zur CD:

https://www.youtube.com/watch?v=DiupABd51ek

Und hier der Link zur Homepage des Pianisten:

http://www.mueller-pianist.com/

Barbara Harnischfeger begeistert

Beethovens f-Moll-Sonate Opus 57 ist für jeden Pianisten eine Herausforderung. Fabian Müller hat sie bravourös gemeistert. Unsere Freundeskreis-Vorsitzende Barbara Harnischfeger war ganz begeistert und hat dem jungen Pianisten eine enthusiastische Mail gesendet: „Ich bin hingerissen von Ihrem Spiel. Nicht so spitz und hämmernd wie ich die Appassionata in Erinnerung hatte, sondern bei aller Ekstase beherrscht im Anschlag und so warm im Klang. Im zweiten Satz so schön ruhig, und dann wieder enorm aufregend. Einfach toll! Auch der Rihm gefällt mir. Das ist spannend, man muss sich nur darauf einlassen. Der Schumann und der Brahms sind für mich der Weg zum Höhepunkt Beethoven.“

Die Freunde der Villa Musica e.V. haben diese neue Einspielung finanziell gefördert. Sie können sich auf Fabian Müller auch beim Jahrestreffen 2021 freuen, zu dem er den Konzertbeitrag gestalten wird. Wann und wo die Mitgliederversammlung stattfinden kann, bleibt angesichts der Corona-Lage noch abzuwarten.

Leidenschaft im schönen Klang

Passionato, „leidenschaftlich“, hat Fabian Müller nicht zufällig die ganze CD genannt, denn gleich mehrere Sätze sind mit Passionato überschrieben. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die vier Werke von Schumann, Brahms, Rihm und Beethoven quasi nahtlos ineinander übergehen zu lassen – als einen einzigen roten Faden des leidenschaftlich aufgewühlten Klavierklangs zwischen 1838 und 1975. Nirgends türmt er die Klangwogen zum zertrümmernden Orkan auf. Dazwischen lässt er den zarten Blumen der Seitenthemen so viel Raum zum Aufblühen, dass man ihn mit Fug und recht einen Klangpoeten nennen darf.

Schumanns Klaviersonate Nr. 2 g-Moll, op. 22, beendet Fabian Müller mit der Urfassung des Finales, einem Presto passionato aus rauschenden Klangwogen mit drängenden Bassaufgängen und aberwitzigen Arpeggios im Diskant. Erst nach Schumanns Tod wurde dieser fantastische Satz von Brahms veröffentlicht. Wie schon im berüchtigten Kopfsatz lässt sich Fabian Müller nicht zu brachialer Bravour verleiten, sondern betont das Schwärmerische in Schumanns Klangsprache. Den zart aufblühenden Seitenthemen lässt er eine unverwechselbar Schumannsche Innigkeit angedeihen.

Aus dem lakonischen Schluss der Schumann-Sonate geht nahtlos das Agitato der Rhapsodie h-Moll, op. 79 Nr. 1 von Brahms hervor. Wieder berühren hier besonders die lyrischen Nebengleise: das wehmütige Lied ohne Worte über Brahmsschen Klangtrauben im Hauptteil und das verschattete Wiegenlied des Mittelteils. Auf das Agitato der ersten Rhapsodie folgt das Molto passionato der zweiten. Die Rhapsodie g-Moll, op. 79 Nr. 2, beginnt schwer lastend und klangsatt, wie so oft bei Brahms, doch ohne die berüchtigte Kantigkeit des Hanseaten. Fabian Müllers runder, weicher Klavierklang lässt keine Härten aufkommen, sondern hüllt den leidenschaftlichen Brahms in orchestrale Farben.

Die Leidenschaft im Klavierstück Nr. 5 von Wolfgang Rihm ist zwar eine Heutige, doch auch sie scheint aus Brahms förmlich herauszuwachsen. Dem Ruf des „jungen Wilden“ wurde Rihm anno 1975 durch wuchtig-dissonante Akkorde und wild-flirrende Eruptionen gerecht. Mit dem Titel Tombeau aber und mit den Formen von Chaconne und Choral griff er bedenkenlos auf die Barockmusik zurück. Das Ergebnis ist ein modernes Trauerstück, das schon fast 50 Jahre alt ist und doch noch ganz aktuell wirkt.

Mit den Grabesklängen von Rihms Choral im Ohr lässt sich der düster-schweifende Beginn von Beethovens Appassionata noch viel besser verstehen: Herumirrend zwischen Gräbern, kreist das lyrische Ich um sich selbst, ausgeliefert dem Labyrinth der Leidenschaften. Keine scharfe Attacke trübt diesen berühmten Anfang bei Fabian Müller. Er spielt die Sonate als Klangrede aus dem Geist der Klassik, als „freie Fantasie“, vagierend zwischen den ständig wechselnden, stets rund und voll gespielten Klangfeldern. Das Finale ist mitreißend vom ersten bis zum letzten Ton.

Karl Böhmer

Biographie

Fabian Müller konnte sich als einer der bemerkenswertesten deutschen Pianisten seiner Generation etablieren. Großes Aufsehen erhielt er 2017 beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München, bei dem er nicht nur den 2. Preis in der Gesamtwertung belegte, sondern gleich vier Zusatzpreise erhielt: den Publikumspreis, den Brüder-Busch-Preis, den Sonderpreis Genuin classics sowie den Henle-Urtextpreis. Beim Internationalen Ferruccio-Busoni-Klavierwettbewerb in Bozen 2013 wurde er mit dem Internationalen Pressepreis, einem Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werkes von Ferruccio Busoni sowie mit dem Sonderpreis für die Interpretation zeitgenössischer Klaviermusik ausgezeichnet.

Seither trat er u.a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem hr-Sinfonieorchester und dem Beethoven Orchester Bonn auf. Zukünftige Engagements beinhalten u.a. Auftritte mit dem SWR Symphonieorchester und der Deutschen Radio Philharmonie. Darüber hinaus gastiert er u.a. im Rahmen der SWR2-Reihe „Internationale Pianisten“ in Mainz, beim Beethovenfest Bonn und beim Mozartfest Augsburg. Im Frühjahr 2018 gab er sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall.

Neben seinen solistischen Projekten widmet sich Fabian Müller auch intensiv der Kammermusik. Zu seinen Partnern auf diesem Gebiet zählen u.a. Albrecht Mayer, Julian Bliss, Sarah Christian, Niklas Liepe, Daniel Müller-Schott, Maximilian Hornung, das Aris Quartett sowie das Vision String Quartet. Er ist darüber hinaus Künstlerischer Leiter der von ihm initiierten Kammermusikreihe „Bonner Zwischentöne“.

Neben der regulären Konzerttätigkeit engagiert sich Fabian Müller auch im Bereich der Musikvermittlung und Kinder- und Jugendarbeit. Als Festival-Pianist beim Education Projekt des Klavier-Festivals Ruhr arbeitet er jedes Jahr mit über 300 Kindern zusammen, die sich auf schöpferische Weise mit moderner Musik auseinandersetzen. Dieses Projekt wurde 2014 mit dem Junge Ohren Preis und 2016 mit einem Echo Klassik ausgezeichnet. Desweiteren gibt er häufig Moderationskonzerte, bei denen er die Musik dem Publikum auf interessante und anschauliche Weise näherbringt. 2015 erhielt er dafür den 1. Preis beim Frankfurter Wettbewerb Ton und Erklärung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

2016 veröffentlichte Fabian Müller seine Debüt-CD „Out of Doors“ beim Label Ars. 2018 erschien eine Brahms-Einspielung (Balladen op. 10, Klavierstücke op. 76 und Intermezzi op. 117) beim Label Berlin Classics. Nun hat er bei demselben Label seine neue CD Passionato vorgelegt.