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Beethoven! Volle Konzentration am Flügel: Fabian Müller im Dianasaal von Schloss Engers, fotografiert von Barbara Harnischfeger.

Fabian Müller in Trier

Der bevorstehende Klavierabend von Fabian Müller im Kurfürstlichen Palais Trier ist ein willkommener Anlass, wieder an seine grandiose Einspielung der Appassionata von Beethoven zu erinnern.

Fabian Müller im Karriere-Konzert mit Barbara Harnischfeger

Als Barbara Harnischfeger vor einem knappen Jahr beim Klavierwinter Schloss Engers auf den Pianisten Fabian Müller traf, fasste sie den unvergesslichen Abend in wenigen Worten zusammen: „Standing ovations für Fabian Müller nach seiner kraftvollen Darbietung von Schuberts später A-Dur-Sonate und Beethovens Appassionata beim Klavierabend in Schloss Engers. Durchdacht, reif, ausdrucksstark. Anschließend gab‘s spontan ein lockeres Gespräch vor Publikum. ‚Sympatisch natürlich‘ ist der 31jährige Bonner, so die Reaktionen. Das Publikum war rundum begeistert und vergaß, dass es draußen gefährlich stürmte.“ Wie stürmisch das Wetter in diesem Februar wird, bleibt abzuwarten. Immerhin aber bietet der Festsaal im Kurfürstlichen Palais Trier eine ebenso schöne Kulisse wie der Dianasaal in Schloss Engers. Am Freitag, 3. Februar, um 20 Uhr spielt Fabian Müller wieder Beethovens Appassionata, dazu ein wunderbar romantisches Programm aus Brahms, Schubert und Clara Schumann. Barbara Harnischfeger befragt den genialen jungen Pianisten zu seiner Karriere – in der Reihe KARRIEREN, unterstützt von den Freunden der Villa Musica.

Freitag, 3.2., 20 Uhr – Fabian Müller im Kurfürstlichen Palais Trier
Clara Schumann: Variationen über ein Thema von Robert Schumann, op. 20
Johannes Brahms: Zwei Rhapsodien, op. 79 (1879)
Franz Schubert: Drei späte Klavierstücke D 946
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate f-Moll, op. 57 (Appassionata, 1805)

Fabian Müller auf CD: Passionato

2021 erschien Fabian Müllers viel gepriesene Einspielung der Appassionata bei Berlin Classics. Die beiden Brahms-Rhapsodien wird er auch in Trier spielen:
Robert Schumann: Klaviersonate Nr. 2 g-Moll, op. 22 (mit dem ursprünglichen Finale, 1838)
Johannes Brahms: Zwei Rhapsodien, op. 79 (1879)
Wolfgang Rihm: Klavierstück Nr. 5 Tombeau (1975)
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate f-Moll, op. 57 (Appassionata, 1805)

Hier ein Video zur CD:

https://www.youtube.com/watch?v=DiupABd51ek

Und hier der Link zur Homepage des Pianisten:

http://www.mueller-pianist.com/

Barbara Harnischfeger begeistert

Beethovens f-Moll-Sonate Opus 57 ist für jeden Pianisten eine Herausforderung. Fabian Müller hat sie bravourös gemeistert. Unsere Freundeskreis-Vorsitzende Barbara Harnischfeger war ganz begeistert und hat dem jungen Pianisten eine enthusiastische Mail gesendet: „Ich bin hingerissen von Ihrem Spiel. Nicht so spitz und hämmernd wie ich die Appassionata in Erinnerung hatte, sondern bei aller Ekstase beherrscht im Anschlag und so warm im Klang. Im zweiten Satz so schön ruhig, und dann wieder enorm aufregend. Einfach toll! Auch der Rihm gefällt mir. Das ist spannend, man muss sich nur darauf einlassen. Der Schumann und der Brahms sind für mich der Weg zum Höhepunkt Beethoven.“

Die Freunde der Villa Musica e.V. haben diese neue Einspielung finanziell gefördert. 

Leidenschaft im schönen Klang

Passionato, „leidenschaftlich“, hat Fabian Müller nicht zufällig die ganze CD genannt, denn gleich mehrere Sätze sind mit Passionato überschrieben. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die vier Werke von Schumann, Brahms, Rihm und Beethoven quasi nahtlos ineinander übergehen zu lassen – als einen einzigen roten Faden des leidenschaftlich aufgewühlten Klavierklangs zwischen 1838 und 1975. Nirgends türmt er die Klangwogen zum zertrümmernden Orkan auf. Dazwischen lässt er den zarten Blumen der Seitenthemen so viel Raum zum Aufblühen, dass man ihn mit Fug und recht einen Klangpoeten nennen darf.

Schumanns Klaviersonate Nr. 2 g-Moll, op. 22, beendet Fabian Müller mit der Urfassung des Finales, einem Presto passionato aus rauschenden Klangwogen mit drängenden Bassaufgängen und aberwitzigen Arpeggios im Diskant. Erst nach Schumanns Tod wurde dieser fantastische Satz von Brahms veröffentlicht. Wie schon im berüchtigten Kopfsatz lässt sich Fabian Müller nicht zu brachialer Bravour verleiten, sondern betont das Schwärmerische in Schumanns Klangsprache. Den zart aufblühenden Seitenthemen lässt er eine unverwechselbar Schumannsche Innigkeit angedeihen.

Aus dem lakonischen Schluss der Schumann-Sonate geht nahtlos das Agitato der Rhapsodie h-Moll, op. 79 Nr. 1 von Brahms hervor. Wieder berühren hier besonders die lyrischen Nebengleise: das wehmütige Lied ohne Worte über Brahmsschen Klangtrauben im Hauptteil und das verschattete Wiegenlied des Mittelteils. Auf das Agitato der ersten Rhapsodie folgt das Molto passionato der zweiten. Die Rhapsodie g-Moll, op. 79 Nr. 2, beginnt schwer lastend und klangsatt, wie so oft bei Brahms, doch ohne die berüchtigte Kantigkeit des Hanseaten. Fabian Müllers runder, weicher Klavierklang lässt keine Härten aufkommen, sondern hüllt den leidenschaftlichen Brahms in orchestrale Farben.

Die Leidenschaft im Klavierstück Nr. 5 von Wolfgang Rihm ist zwar eine Heutige, doch auch sie scheint aus Brahms förmlich herauszuwachsen. Dem Ruf des „jungen Wilden“ wurde Rihm anno 1975 durch wuchtig-dissonante Akkorde und wild-flirrende Eruptionen gerecht. Mit dem Titel Tombeau aber und mit den Formen von Chaconne und Choral griff er bedenkenlos auf die Barockmusik zurück. Das Ergebnis ist ein modernes Trauerstück, das schon fast 50 Jahre alt ist und doch noch ganz aktuell wirkt.

Mit den Grabesklängen von Rihms Choral im Ohr lässt sich der düster-schweifende Beginn von Beethovens Appassionata noch viel besser verstehen: Herumirrend zwischen Gräbern, kreist das lyrische Ich um sich selbst, ausgeliefert dem Labyrinth der Leidenschaften. Keine scharfe Attacke trübt diesen berühmten Anfang bei Fabian Müller. Er spielt die Sonate als Klangrede aus dem Geist der Klassik, als „freie Fantasie“, vagierend zwischen den ständig wechselnden, stets rund und voll gespielten Klangfeldern. Das Finale ist mitreißend vom ersten bis zum letzten Ton.

Karl Böhmer

Biographie

Fabian Müller konnte sich in den letzten Spielzeiten als einer der bemerkenswertesten Pianisten seiner Generation etablieren. Für großes Aufsehen sorgte er 2017 beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München, bei dem er gleich fünf Preise erhielt, darunter den Publikumspreis. Bereits 2013 machte er erstmals vor einem großen Fachpublikum von sich Reden, als er beim Busoni-Wettbewerb in Bozen mit dem Internationalen Pressepreis und zwei Sonderpreisen ausgezeichnet wurde.

Seither entwickelt sich seine Konzerttätigkeit auf hohem Niveau: Im Frühjahr 2018 gab er sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall, im Herbst 2018 folgte sein Debüt-Recital in der Elbphilharmonie. Inzwischen musiziert er mit Klangkörpern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem hr-Sinfonieorchester, dem SWR Symphonieorchester, der Deutschen Radio Philharmonie und dem Beethoven Orchester Bonn.

Er gastiert regelmäßig bei Festivals wie dem Klavier-Festival Ruhr, dem Rheingau Musik Festival, dem Heidelberger Frühling, den Schwetzinger SWR Festspielen, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und dem Aldeburgh Festival sowie in Sälen wie dem Konzerthaus Berlin, dem Münchner Herkulessaal, der Kölner Philharmonie, der Tonhalle Düsseldorf, der Bremer Glocke und dem Bonner Beethovenhaus.

Fabian Müller ist Künstlerischer Leiter der von ihm initiierten Kammermusikreihe Bonner Zwischentöne. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Albrecht Mayer, Daniel Müller-Schott, Maximilian Hornung, das Schumann Quartett, das Aris Quartett und das vision string quartet. Diese drei Streichquartette gehörten wie Fabian Müller zum Kreis der Villa Musica-Stipendiaten.

Neben der regulären Konzerttätigkeit engagiert sich Fabian Müller auch im Bereich der Musikvermittlung und Kinder- und Jugendarbeit. Als Festival-Pianist beim Education Projekt des Klavier-Festivals Ruhr arbeitet er jedes Jahr mit über 300 Kindern zusammen, die sich auf schöpferische Weise mit moderner Musik auseinandersetzen. Dieses Projekt wurde 2014 mit dem Junge Ohren Preis und 2016 mit einem Echo Klassik ausgezeichnet.

Fabian Müller verbindet eine exklusive Zusammenarbeit mit Berlin Classics. Seine erste CD bei dem Label erschien im Herbst 2018 mit Werken von Johannes Brahms. Zwei Jahre später folgte seine Einspielung von Beethovens Appassionata, gepaart mit Schumanns zweiter Klaviersonate, Brahms‘ Rhapsodien Opus 79 und Klavierstücken von Rihm. Am 4. März wird seine neueste Doppel-CD erscheinen: Schuberts letzte drei Klaviersonaten.