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Denker, Lenker und Gestalter auf den Spuren von Beethoven und Dalí: Der spanische Komponist Pedro Halffter brachte sein Klavierquintett im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zur Uraufführung. 

Uraufführung im Arp Museum

Es war ein großer Moment im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Pedro Halffter brachte sein neues Klavierquintett zur Uraufführung, ein Auftragswerk der Villa Musica zum Thema Dalí und Beethoven. Das junge Adelphi Quartett aus Salzburg erwies sich als ebenbürtiger Partner des Komponisten am Klavier. 

Pedro Halffters Klavierquintett uraufgeführt

Hommage an Salvador Dalí und Ludwig van Beethoven. So hat der spanische Pianist, Dirigent und Komponist Pedro Halffter sein neues Klavierquintett genannt. In der kurzen Einführung vor der Uraufführung sprach er von einem klingenden Spaziergang durch die Gemälde von Dalí, die man zwei Stockwerke höher im Arp Museum mit eigenen Augen bewundern kann. Hier wurden sie packend in Klang umgesetzt: „Die Musik ist als sinnlicher Spaziergang durch eine typische Dalí-Landschaft zu verstehen, in der ich mir vorstellte, die unfassbaren Figuren zu berühren. Es entstand etwas Meditatives und doch Kontrastreiches in einer surrealen Welt der Klänge und Gedanken." Der Komponist am Flügel und das junge Adelphi Quartett aus Salzburg waren überzeugende Anwälte dieses klanggewaltigen, melodisch teilweise berückend schönen, bildreichen Quintetts.

Quintett zwischen berückend schönen Adagios und surrealen Allegros

Auch ganz ohne Dalí-Assoziationen ist das neue Halffter-Quintett eine Bereicherung des Repertoires für Klavier und Streichquartett. Nach dem Prinzip der Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit vereint es berückend schöne Adagio-Teile mit surrealen Allegros zu einem zwingenden Verlauf. Das Adelphi Quartett hatte zuvor Beethovens Große Fuge gespielt. Aus deren dissonantem Kontrapunkt kommend, wirkte die langsame Einleitung des Halffter-Quintetts wie eine Hommage an den späten Beethoven. Danach eröffneten die Streicher im Tremolo ein packendes Allegro in h-Moll, das sich unter wogenden Klavier-Arpeggi bis zu Wagnerschem Pathos auftürmte. Wagner war erklärtermaßen der Lieblingskomponist von Dalí, weshalb Halffter in sein Quintett Wagner-Zitate als "kleine Biographie-Tupfer" eingestreut hat. Das erste Allegro endet auf einem reinen D-Dur-Klang, dem Scharnier zum nächsten Adagio. Dort erhebt sich aus mysteriösen Klavierarpeggi plötzlich ein wunderschönes es-Moll-Thema des Streichquartetts, gefolgt von einem expressiven Klavier-Adagio mit Geigensolo. Man wurde an feierlich schreitende Gestalten in den weiten Landschaften Dalís erinnert, jene große Weite und Leere, die Halffter beim Komponieren seines Quintetts vorschwebte. Ein Allegro aus perkussiven Akkorden in d-Moll zerstört diese Idylle und geht in rasende Tremoli über. Nicht zufällig erwähnte Halffter in seiner Einführung die brennende Giraffe und andere berühmte surreale Dalí-Gestalten. Ihnen tritt im Quintett eine weitere, wunderschöne Halffter-Melodie gegenüber, ein C-Dur-Andante, das man "filmreif" nennen könnte. Es wird vom nächsten Allegro, einem Scherzo im 6/8-Takt, unterbrochen, bevor es noch schöner wiederkehrt. Das Alternieren quasi sakraler Andantes und Adagios mit grotesken Allegros gipfelt im vielgestaltigen Finale: erst ein h-Moll-Allegro aus ruppigen Zweierbindungen der Streicher, dann ein Trauermarsch in as-Moll, ganz im Beethovenstil, schließlich der Choral Ein feste Burg ist unser Gott, von den Streichern im Dreiertakt in reinstem F-Dur feierlich intoniert, aber vom Klavier mit leisen Dissonanzen quasi "verschmutzt" (Halffter). In einem weiten Bogen nähert sich der Choral dem Ende des Quintetts, das quasi morendo ausklingt, mit einem letzten Wagnerschen Bratschensolo und einem reinen F-Dur-Akkord im vierfachen Piano. Die Absicht das Komponisten, "die vereinzelt dastehenden, isolierten Gestalten in einer weiten Dalí-Landschaft allmählich zusammenzuführen zum abschließenden Choral", wurde ebenso deutlich wie seine Vorstellung, dass "wir als moderne Menschen keinen festen Grund kennen, schon gar keine feste Burg". 

Bravos für das Adelphi Quartett

Große Zustimmung stand am Ende dieser bewegenden Uraufführung am 16. August im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Das Adelphi Quartett aus Salzburg erntete zuvor laute Bravos für seine furiose Aufführung der Großen Fuge von Beethoven und zu Beginn einen noch zögerlichen Applaus für das a-Moll-Quartett des achtzehnjährigen Ernesto Halffter aus dem Jahr 1923. Diese leise, zarte spanische Musik auf den Pfaden des französischen Impressionismus muss in Deutschland ihre Hörer erst noch finden. Dabei passte die Klangmalerei des jungen Halffter mit ihrer schillernden Farbpalette so gut ins Arp Museum. Wo konnte man derlei schöner genießen als in Rolandseck mit Blick auf den im Sonnenlicht flutenden Rhein?