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Glückliche Preisträgerinnen vor dem Konterfei von Hans Gál in der Akademie der Wissenschaften: Cellistin Angèle Legasa, Pianistin Pauline Chenais, Geigerin Amanda Favier.

Hans Gál Preis 2021

Drei junge Französinnen mit Stil: Das Trio Sōra wurde in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur mit dem Hans Gál-Preis 2021 ausgezeichnet.

Verleihung des 2. Hans Gál-Preises an das Trio Sōra

Dienstag, 30.11.2021, 19 Uhr - Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Da waren sie also, die drei zauberhaften jungen Frauen aus Paris mit der makellosen Technik und dem ganz eigenen Zugang zu Beethoven, der ihnen den 2. Hans Gál-Preis beschert hatte. Die beiden Stifter, Dr. Susanne Barner und Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, lauschten ebenso ergriffen wie die übrigen Gäste der beeindruckenden Aufführung zweier Beethoven-Trios durch das Trio Sōra: dramatisch zugespitzt in den dynamischen Kontrasten und furiosen Tempi das c-Moll-Trio aus Opus 1, lyrischer und sanglicher das Es-Dur-Trio aus Opus 70 mit dem brillanten Finale. Dazwischen nahmen die Preisträgerinnen ein Werk des jungen Hans Gál neu in ihr Repertoire auf: die köstlichen Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie von 1914. Langer dankbarer Applaus für alle drei Werke vom ausgewählten Publikum.

Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl begrüßte als Präsident der Akademie rund 30 Gäste im Festsaal des Hauses – auf Abstand und mit Mund-Nase-Schutz sogar am Platz, dem Gebot der Stunde gehorchend. Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck hob in seinem Grußwort die Bedeutung des Hans Gál-Preises im Zusammenhang zweier Jubiläen hervor: 75 Jahre Rheinland-Pfalz und 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Als Juryvorsitzender und Künstlerischer Direktor der Villa Musica untermauerte Prof. Alexander Hülshoff die Entscheidung der Jury, die Prof. Claudia Eder und Prof. Peter Gülke mit ihm zusammen gefällt hatten: „Für den Hans Gál Preis 2021 haben wir junge Klaviertrios aus vielen Ländern angehört. Das Trio Sora aus Frankreich hat uns am meisten überzeugt. Es repräsentiert die Klarheit des französischen Stils auf einem sensationell hohen Niveau. Besonders bei Beethoven haben mich diese drei jungen Frauen durch ihren ganz eigenen, sehr französischen Ansatz beeindruckt. Ihr Zusammenspiel ist perfekt. Man spürt, dass sie sich entschieden haben, ihr Leben der Gattung Klaviertrio zu widmen. Dafür bringen sie technisch und musikalisch die besten Voraussetzungen mit. Ich sage ihnen eine große Zukunft voraus.“

Der Hans Gál Preis wird gestiftet von Dr. Susanne Barner und Prof. Dr. Dr. Andreas Barner.

Das Trio Sōra spielte die Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie von Hans Gál und zwei Klaviertrios von Beethoven: c-Moll, op. 1 Nr. 3 und Es-Dur, op. 70 Nr. 2.

Die Preisverleihung fand in Kooperation mit Villa Musica Rheinland-Pfalz statt und erfolgte live vor geladenen Gästen. Sie kann auf der Homepage der Akademie der Wissenschaften im Live-Stream mitverfolgt werden: www.adw.mainz

Hans Gál zu Ehren

Susanne und Andreas Barner stifteten das Preisgeld, um fünf Jahre lang Spitzensembles der jungen Generation Klassischer Musik auszuzeichnen. Diese ehrenvolle Aufgabe übernahm die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gemeinsam mit der Landesstiftung Villa Musica. Den Namen des Preises erfand die unvergessene Dr. Gabriele Buschmeier. Hans Gál war einer der gefeierten Komponisten der Zwischenkriegszeit, ein Wiener aus ungarisch-jüdischer Familie, Komponist so erfolgreicher Opern wie Die heilige Ente. Von 1929 bis 1933 wirkte er als Direktor an der Mainzer Musikhochschule, wie damals das Konservatorium hieß. Kaum waren die Nazis an der Macht, entfernten sie den von Wilhelm Furtwängler empfohlenen, international hoch renommierten Komponisten und Pädagogen aus seinem Amt. In seinen Erinnerungen hat Hans Gál genau beschrieben, wie Hitlers Schergen sich in jeden Wohnblock des liberalen Mainz einnisteten, um den notorischen Widerstand der goldenen Stadt am Rhein zu brechen. Um seine Freunde nicht zu gefährden, ging er zurück nach Wien, doch auch von dort musste er nach dem „Anschluss“ 1938 fliehen - nach England. Bei Kriegsausbruch kam der verfolgte Komponist in UK erst einmal in ein Internierungslager. Für die Engländer war er mehr Deutscher als Jude. Es war eine lange Irrfahrt, bis Gál in Edinburgh eine neue Heimat fand. Dort gründete er das Edinburgh Festival, schrieb seine wunderbar knappe, kluge Brahms-Biographie und komponierte weiter in jenem Stil der Wiener Zwanziger Jahre, gesättigt vom Brahms-Idiom, der ihn lebenslang auszeichnete. Villa Musica hat seine Kammermusik schon oft ins Programm genommen: seine Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie für Klaviertrio, sein a-Moll-Streichquartett, sein Divertimento für acht Bläser und seine Huyton-Suite für Flöte und zwei Geigen. Durch den Hans Gál-Preis gewinnt die Verehrung für den unvergessenen Wahl-Mainzer aus Wien eine neue Dimension. 

Trio Sōra

Pauline Chenais, Klavier / Amanda Favier, Violine / Angèle Legasa, Violoncello

Das junge Klaviertrio aus Frankreich zog die Jury des Hans-Gál-Preises sofort in seinen Bann. Prof. Alexander Hülshoff als Jury-Vorsitzender und Prof. Claudia Eder als Akademie-Mitglied waren restlos angetan vom Spiel der jungen Französinnen. „Sie haben etwas ganz Besonderes, einen ganz eigenen Klang und Stil, ganz abgesehen von ihrer Perfektion in Technik und Zusammenspiel. Sie sind absolut preiswürdig.“ (Alexander Hülshoff)

Seit mehreren Jahren profitieren die drei Musikerinnen von der Zusammenarbeit mit großen Meistern der Kammermusik wie Mathieu Herzog, András Schiff, Menahem Pressler, dem Ebony Quartet oder dem Artemis Quartet. Bei ihnen haben sie das ganz genaue Arbeiten gelernt: „Wenn wir uns einem neuen Werk nähern, lesen wir das Stück zunächst harmonisch. Für uns hat jeder Akkord seine eigene Farbe, seine eigene Geschichte. Das Interessanteste dabei ist, es wieder so zusammenzufügen, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben, basierend auf dem, was der Komponist uns bietet: Das macht das Musizieren magisch."

Auftritte in der Londoner Wigmore Hall und dem Southbank Centre, im Beethoven-Haus Bonn und beim Verbier Festival, in der Philharmonie de Paris, dem Auditorium du Louvre, der Folle Journée de Nantes und dem Festival d'Aix-en-Provence machen das charismatische Ensemble zu einem der meistgefragten Klaviertrios in Mittel- und Westeuropa.

Der Hans Gál Preis fügt sich in die glänzende Reihe ihrer bisherigen Auszeichnungen: Borletti-Buitoni Trust Fellowship (2020), Spezialpreis der Verbier Festival Academy (2018), Académie du Festival d'Aix-en-Provence (2017), Parkhouse Award (2017), um nur einige zu nennen.

Im Herbst 2020 veröffentlichte das Trio Sōra sein erstes Album mit Beethovens sechs Klaviertrios auf dem Label Naïve (Op. 1, 70 und 97), das von der Kritik hoch gelobt wurde (CHOC Classica, The Times Best Classical Album of the Year, Top Mezzo, Takt1 Gold). 

Das Ensemble setzt sich intensiv für Komponistinnen und ihre männlichen Kollegen ein. Darunter sind Dieter Ammann, Camille Pépin, Wolfgang Rihm, Éric Tanguy und Kelly-Marie Murphy, die ein Tripelkonzert für die Drei geschrieben hat (Uraufführung 2022 in Paris). Ein weiterer Höhepunkt der Saison ist ein Konzertzyklus „La Belle Saison“ rund um Komponistinnen, die ihnen am Herzen liegen. 

Das Trio Sōra ist Ensemble in Residence bei der Fondation Singer-Polignac, bei den Dimore Del Quartetto in Italien und bei ProQuartet-CEMC. Es wird unterstützt von der Boubo-Music Foundation, der Günther Caspar Foundation, Spedidam, Pleyel, dem CNM, der Region Ile de France als Teil des FoRTE-Programms und durch das Musikpatronat der Swiss Life Foundation.

Amanda Favier spielt eine Violine von Matteo Goffriler (1723), Angèle Legasa ein Cello von Giulio Cesare Gigli (1767), das ihr großzügig von der Boubo-Music Foundation geliehen wurde.