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Das Esmé Quartett mit Prof. Alexander Hülshoff vor dem Konterfei von Hans Gál.

Hans Gál-Preis

Der neue Kammermusikpreis, gestiftet von Susanne und Andreas Barner, wurde am Donnerstag, 29.10. in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz an das Esmé-Quartett verliehen. Prof. Alexander Hülshoff hielt die Laudatio.

Verleihung des 1. Hans Gál Preises an das Esmé Quartett

Donnerstag, 29.10.2020, 19 Uhr - Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Mit Ansprachen von Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, Marianna Grosse und Prof. Alexander Hülshoff sowie einem Video-Grußwort von Eva Fox-Gál

Das Esmé Quartett spielte Fünf Intermezzi von Hans Gál und das Streichquartett G-Dur op. 106 von Antonín Dvořák.

Der Stream, den die Akademie der Wissenschaften gestern Abend von der Hans-Gál-Preisverleihung gesendet hat, steht jetzt auf You Tube online.

https://www.youtube.com/watch?v=ffd5PFSFN_8&feature=youtu.be 

Hans Gál: Fünf Intermezzi (25'50-44'09), Laudatio Alexander Hülshoff (45'10-57'10), Dvořák: Quartett Opus 106 (58'50-1:38'30)

Hans Gál zu Ehren

„Er war einer der gefeierten Komponisten der Zwischenkriegszeit: Hans Gál, Wiener aus ungarisch-jüdischer Familie, Komponist so erfolgreicher Opern wie Die heilige Ente und bis 1933 Direktor der Mainzer Musikhochschule, wie damals das Konservatorium hieß.“ So begann Prof. Alexander Hülshoff seine Laudatio auf den Komponisten, nach dem der neue Hans Gál-Preis benannt ist. Und er erzählte weiter vom Schicksal eines Vertriebenen: „Kaum waren die Nazis an der Macht, entfernten sie den von Wilhelm Furtwängler empfohlenen, international hoch renommierten Komponisten und Pädagogen aus seinem Amt. In seinen Erinnerungen hat Hans Gál genau beschrieben, wie Hitlers Schergen sich in jeden Wohnblock des liberalen Mainz einnisteten, um den notorischen Widerstand der goldenen Stadt am Rhein zu brechen. Um seine Freunde nicht zu gefährden, ging er zurück nach Wien, doch auch von dort musste er nach dem „Anschluss“ 1938 fliehen - nach England. Bei Kriegsausbruch kam der verfolgte Komponist in UK erst einmal in ein Internierungslager. Für die Engländer war er mehr Deutscher als Jude. Es war eine lange Irrfahrt, bis Gál in Edinburgh eine neue Heimat fand. Dort gründete er das Edinburgh Festival, schrieb seine wunderbar knappe, kluge Brahms-Biographie und komponierte weiter in jenem Stil der Wiener Zwanziger Jahre, gesättigt vom Brahms-Idiom, der ihn lebenslang auszeichnete. Villa Musica hat seine Kammermusik schon oft ins Programm genommen: seine Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie für Klaviertrio, sein a-Moll-Streichquartett, sein Divertimento für acht Bläser und seine Huyton-Suite für Flöte und zwei Geigen. Durch den Hans Gál-Preis gewinnt die Verehrung für den unvergessenen Wahl-Mainzer aus Wien eine neue Dimension.“ Dr. Susanne Barner und Prof. Andreas Barner stifteten das Preisgeld, um fünf Jahre lang Spitzensembles der jungen Generation in der Klassischen Musik auszuzeichnen. Diese ehrenvolle Aufgabe übernahm die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gemeinsam mit der Landesstiftung Villa Musica.

Preisverleihung in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Am gestrigen Donnerstag war es soweit: 25 ausgewählte Ehrengäste konnten im Plenarsaal der Akademie der Preisverleihung beiwohnen. Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, der Präsident der Akademie, begrüßte. Marianne Grosse, die Kulturdezernentin der Stadt Mainz, sprach sehr persönliche Worte über Hans Gál in Mainz und die Bedeutung des neuen Preises. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, hielt eine Laudatio auf den Komponisten und die ersten Preisträger. Und das Esmé Quartett rund um die Villa Musica Stipendiatin Wonhee Bae bedankte sich mit Musik. Die Stifter konnten in der ersten Reihe genau verfolgen, wie souverän, fein austariert und wahrhaft stimmungsvoll die vier jungen Koreanerinnen jene Fünf Intermezzi für Streichquartett interpretierten, die Hans Gál 1914 im Alter von 24 Jahren in Wien komponiert hat. Alle Stilzitate, die er darin meisterlich verborgen hat – von Brahms über Mendelssohn bis hin zu Dvořák –, brachten sie mit zupackender Frische zur Geltung. Zum Abschluss des Abends bewies das Esmé Quartett seine Extraklasse mit einer fulminanten Interpretation des grandiosen G-Dur-Quartetts Opus 106 von Dvořák. Besonders berührend wurde diese Interpretation durch die Worte, die Eva Fox-Gál in einer Video-Einspielung zuvor gesprochen hatte. Die Tochter von Hans Gál hatte erzählt, wie sie als Zwölfjährige mit Schulfreunden begonnen hatte, Quartett zu spielen, einmal wöchentlich unter der milden Aufsicht ihres Vaters, so lange, bis sich die Wege der achtzehnjährigen jungen Leute trennten. Dvořáks Opus 106 gehörte sicher auch zum Repertoire dieser Quartett-Nachmittage. 

Esmé Quartett

Wonhee Bae, Violine / Yuna Ha, Violine / Jiwon Kim, Viola / Ye-Eun Heo, Violoncello

Das junge Streichquartett rund um die ehemalige Villa Musica-Stipendiatin Wonhee Bae hat sich 2016 an der Musikhochschule für Köln gegründet. Nachdem es den 1. Preis im jährlichen Kammermusikwettbewerb der Hochschule gewonnen hatte, beschlossen die vier Musikerinnen, dauerhaft zusammenzuarbeiten.Künstlerische Inspiration erhielten sie dafür in Meisterkursen bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett), Eberhard Feltz, Andraś Keller und Jonathan Brown (Cuarteto Casals). Zurzeit vervollständigt das Esmé Quartet seine Studien an der Musikhochschule Lübeck bei Heime Müller, dem früheren Geiger des Artemis Quartetts.Im April 2018 machte das junge Ensemble mit dem 1. Preis und vier Sonderpreisen bei der String Quartet Competition der Londoner Wigmore Hall auf sich aufmerksam. Zuvor hatte es bereits 2017 beim Kammermusikwettbewerb Trondheim den 3. Preis gewonnen und im Januar 2018 den Publikumspreis beim Irene-Steels Wilsing Wettbewerb, verliehen im Rahmen des Heidelberger Streichquartettfests. Dort gastierte das Quartett auch 2019, aufgrund eines Sonderpreises, den es sich beim Jeunesses Musicales International Chamber Music Campus in Weikersheim 2017 erspielt hatte.

Zu den jüngsten Erfolgen der jungen Musikerinnen zählen Auftritte in St. Martin in the Fields (London), im Kunstmuseum Villa Zanders und beim NDR. 2019 gaben sie ihr Debütkonzert beim Lucerne Festival, in der Wigmore Hall London und beim Lübecker Brahms-Festival. Ferner gingen sei auf Tournee durch Großbritannien und Italien. Zu vergangenen Highlights zählen Konzerte beim Musiq3 Festival 2018 in Brüssel und bei Classic Esterházy Eisenstadt. 2018 amtierten sie als Quartet in Residence beim Festival d’Aix en Provence und bei der String Quartet Academy in Montreal.