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Hans Gál im Jahre 1914. 

Hans Gál Preis

Der neue Preis für junge Kammerensembles, benannt nach dem jüdischen Komponisten Hans Gál, gestiftet von Susanne und Andreas Barner, wird am 29.10. in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur verliehen. Erste Preisträgerinnen: das Esmé Quartett.

Hans Gál zu Ehren

Er war einer der gefeierten Komponisten der Zwischenkriegszeit: Hans Gál, der Wiener aus Ungarn, Komponist so erfolgreicher Opern wie Die heilige Ente und bis 1933 Direktor der Mainzer Musikhochschule, wie damals das Konservatorium hieß. Kaum waren die Nazis an der Macht, entfernten sie den jüdischen Freigeist aus seinem Amt. In seinen Erinnerungen hat Hans Gál genau beschrieben, wie Hitlers Schergen sich in jeden Wohnblock des liberalen Mainz einnisteten, um den notorischen Widerstand der goldenen Stadt am Rhein zu brechen. Um seine Freunde nicht zu gefährden, ging er zurück nach Wien, doch auch von dort musste er nach dem „Anschluss“ 1938 fliehen - nach England. Bei Kriegsausbruch kam der verfolgte Komponist in UK erst einmal in ein Internierungslager. Für die Engländer war er mehr Deutscher als Jude. Es war eine lange Irrfahrt, bis Gál in Edinburgh eine neue Heimat fand. Dort gründete er das Edinburgh Festival, schrieb seine wunderbar knappe, kluge Brahms-Biographie und komponierte weiter in jenem Stil der Wiener Zwanziger Jahre, gesättigt vom Brahms-Idiom, der ihn lebenslang auszeichnete. Villa Musica hat seine Kammermusik schon oft ins Programm genommen: seine Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie für Klaviertrio, sein a-Moll-Streichquartett, sein Divertimento für acht Bläser und seine Huyton-Suite für Flöte und zwei Geigen, 1940 in einem englischen Lager komponiert. Siehe die Artikel im Kammermusikführer der Villa Musica: https://www.kammermusikfuehrer.de/komponist?name=G%C3%A1l&vname=Hans

Hans Gál Preis

Nun gewinnt die Verehrung für den unvergessenen Wahl-Mainzer aus Wien eine neue Dimension: durch den Hans Gál Preis. Susanne und Andreas Barner stifteten das Preisgeld, um fünf Jahre lang Spitzensembles der jungen Generation auszuzeichnen. Diese ehrenvolle Aufgabe übernimmt die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gemeinsam mit der Landesstiftung Villa Musica. Am Donnerstag, 29.10., um 19 Uhr ist es soweit: 25 ausgewählte Ehrengäste kommen im Saal der Akademie zusammen, um der Preisverleihung an das junge Esmé Quartett beizuwohnen. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor und Juryvorsitzende des Preises, hält die Laudatio. Marianne Grosse, die Kulturdezernentin der Stadt Mainz spricht ein Grußwort, Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, der Präsident der Akademie, begrüßt. Und das Esmé Quartett rund um die Villa Musica Stipendiatin Wonhee Bae bedankt sich mit Musik - natürlich von Hans Gál und von Antonín Dvořák.

Damit aber auch alle anderen, die nicht in den Saal passen, zuschauen und zuhören können, wird die Veranstaltung live im Internet als Stream ausgestrahlt - auf http://www.adwmainz.de/startseite.html.

Esmé Quartett

Wonhee Bae, Violine

Yuna Ha, Violine

Jiwon Kim, Viola

Ye-Eun Heo, Violoncello

Das junge Streichquartett rund um die ehemalige Villa Musica-Stipendiatin Wonhee Bae hat sich 2016 an der Musikhochschule für Köln gegründet. Nachdem es den 1. Preis im jährlichen Kammermusikwettbewerb der Hochschule gewonnen hatte, beschlossen die vier Musikerinnen, dauerhaft zusammenzuarbeiten.Künstlerische Inspiration erhielten sie dafür in Meisterkursen bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett), Eberhard Feltz, Andraś Keller und Jonathan Brown (Cuarteto Casals). Zurzeit vervollständigt das Esmé Quartet seine Studien an der Musikhochschule Lübeck bei Heime Müller, dem früheren Geiger des Artemis Quartetts.Im April 2018 machte das junge Ensemble mit dem 1. Preis und vier Sonderpreisen bei der String Quartet Competition der Londoner Wigmore Hall auf sich aufmerksam. Zuvor hatte es bereits 2017 beim Kammermusikwettbewerb Trondheim den 3. Preis gewonnen und im Januar 2018 den Publikumspreis beim Irene-Steels Wilsing Wettbewerb, verliehen im Rahmen des Heidelberger Streichquartettfests. Dort gastierte das Quartett auch 2019, aufgrund eines Sonderpreises, den es sich beim Jeunesses Musicales International Chamber Music Campus in Weikersheim 2017 erspielt hatte.

Zu den jüngsten Erfolgen der jungen Musikerinnen zählen Auftritte in St. Martin in the Fields (London), im Kunstmuseum Villa Zanders und beim NDR. 2019 gaben sie ihr Debütkonzert beim Lucerne Festival, in der Wigmore Hall London und beim Lübecker Brahms-Festival. Ferner gingen sei auf Tournee durch Großbritannien und Italien. Zu vergangenen Highlights zählen Konzerte beim Musiq3 Festival 2018 in Brüssel und bei Classic Esterházy Eisenstadt. 2018 amtierten sie als Quartet in Residence beim Festival d’Aix en Provence und bei der String Quartet Academy in Montreal.

Verleihung des 1. Hans Gál Preises an das Esmé Quartett

Donnerstag, 29.10.2020, 19 Uhr - Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Mit Ansprachen von Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, Marianna Grosse und Prof. Alexander Hülshoff

Das Esmé Quartett spielt Fünf Intermezzi von Hans Gál und das Streichquartett G-Dur op. 106 von Antonín Dvořák