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Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck am 19. Mai im Konzertsaal der Villa Musica in Mainz. Foto: Barbara Harnischfeger.

Jürgen Hardeck

Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck begrüßte das Publikum beim Konzert zum Landesjubiläum in der Villa Musica. 

Konzert „Spitzenklänge“ in der Villa Musica Mainz

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

nicht zufällig feiern wir den Vorabend des Rheinland-Pfalz-Tages und den Abend nach unserem Landesjubiläum mit einem Kooperationskonzert zwischen der Villa Musica und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur. Beinahe die Hälfte der Geschichte unseres Bundeslandes wird von diesen beiden wichtigen Kulturstiftungen begleitet: Von 75 Jahren Rheinland-Pfalz hat die Villa Musica schon 36 Jahre miterlebt, die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur ähnlich viele. Als Kulturstaatssekretär und Vorstandsvorsitzender der Villa Musica vertrete ich heute Abend beide Stiftungen, und zwar in Bezug auf ein Projekt, bei dem sie besonders eng miteinander kooperieren: die Landessammlung wertvoller Streichinstrumente.

Unter dem Musikreferenten Alfons Moritz wurde in den Neunziger Jahren damit begonnen, wertvolle Meisterinstrumente zu erwerben und sie an junge hochbegabte Musikerinnen und Musiker zur Nutzung weiterzugeben. Denn auf einem solchen Instrument zu spielen, bringt für die Karriere, für die Strahlkraft des Tons und für die Erfahrung der jungen Talente unendlich viele Pluspunkte. Davon haben schon viele Nachwuchskünstlerinnen und –künstler auch aus Rheinland-Pfalz profitiert, Ich erwähne nur die Geigerin Erika Geldsetzer aus Betzdorf, die auf der Guarneri ihre große Karriere begann. Und ich erwähne den Ludwigshafener David Schultheiß, Konzertmeister im Bayerischen Staatsorchester, der gleich mehrere Violinen der Sammlung gespielt hat. 

Dies sind nur zwei Namen aus der Erfolgsgeschichte dieser Sammlung. Die insgesamt neun Instrumente aus dem 18. und 19. Jahrhundert befinden sich im Eigentum der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und werden von der Landesstiftung Villa Musica in die richtigen Hände gebracht. Die Auswahl findet in der Regel bei einem Probespiel statt, wobei am Ende nicht immer Landeskinder die Nase vorn haben. Unsere beiden Musikerinnen heute stammen nicht aus Rheinland-Pfalz, sind aber Stipendiatinnen der Villa Musica. Die Beiden können sich das Spiel auf so wertvollen Instrumenten übrigens nur deshalb leisten, weil die Freunde der Villa Musica die horrenden Versicherungsgebühren tragen. Das Ganze ist also ein Joint venture im schönsten Sinne.

Wie schön es am Ende klingt, wird das heutige Programm zeigen. Die junge Geigerin Laura Handler aus Bayern spielt die Guarneri-Violine, die junge Bratschistin Yuri Yoon aus Korea unsere italienische Bratsche. Erika le Roux begleitet am Klavier. Alle Details zu den Stücken und die Biographien unserer Musikerinnen stehen im Programmheft. Deshalb möchte ich nur aus der Geschichte der beiden Instrumente noch zwei Episoden erzählen. Sie zeigen, dass man es mit durchaus eigenwilligen Instrumenten zu tun hat.

Laura Handler spielt das Prunkstück der Sammlung: eine Violine von Pietro Guarneri, erbaut 1702 in Mantua. Sie ist auch bekannt als die „Ex Schubert“, weil sie einst dem Dresdner Konzertmeister François Schubert gehörte. Dieser hat auf seiner Guarneri in Dresden zusammen mit Clara Schumann Kammerkonzerte gegeben. Es ist also ein besonders ehrwürdiges Instrument in Sachen Kammermusik, aber auch ein echtes Solisteninstrument.

Yuri Yoon spielt eine italienische Viola aus dem 18. Jahrhundert, die im Instrumentenhandel lange als die „Cavalleri-Bratsche“ bekannt war. Als aber vor etlichen Jahren die Expertisen der Instrumente neu geschrieben wurden, stellte sich heraus, dass es einen Geigenbauer namens Cavalleri nie gegeben hat. Diese pikante Geschichte tut der Qualität des Instruments keinen Abbruch. Von 2001 bis heute haben so viele geniale Bratschisten auf diesem Instrument mit Begeisterung gespielt, dass die Qualität für sich spricht.

Mein besonderer Dank heute Abend geht an die jungen Musikerinnen, die sich für dieses Konzert am Vorabend unseres Landesjubiläums kurzfristig Zeit nahmen. Wir werden diese Serie „Spitzenklänge“ natürlich fortsetzen und die Landesinstrumente immer wieder für Sie zum Klingen bringen, was in den letzten beiden Jahren wegen Corona leider nicht möglich war.

Ich danke Prof. Hülshoff und dem ganzen Team der Villa Musica für die Betreuung der Sammlung und die Vorbereitung dieses Abends. Ich danke der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, dass sie einen so wertvollen Schatz des Landes so gewissenhaft hütet. Und ich danke den Freunden der Villa Musica für die finanzielle Unterstützung. Mit dem heutigen Konzert werden wir in sehr rheinland-pfälzischer Weise auf den Rheinland-Pfalz-Tag eingestimmt. Dabei wünsche ich viel Vergnügen.

Prof. Dr. Jürgen Hardeck