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Michal Friedlander, Pianistin aus Israel, in Berlin zuhause und 1988 Stipendiatin bei Villa Musica im Herjesu-Kloster in Neustadt a.d.W.

Saisonstart mit Steffens in Mainz

Karl-Heinz Steffens im Trio mit Alexander Hülshoff und der Pianistin Michal Friedlander: schon beim Mainzer Musiksommer 2019 ein Ereignis. Am Samstag eröffneten sie die Mainzer Saison der Villa Musica, mit herbstlichem Brahms und US-amerikanischen Raritäten.

Saisonstart in der Villa Musica Mainz

Wenn Karl-Heinz Steffens in die Landeshauptstadt Mainz zurückkehrt, ist es immer ein Ereignis, gleichgültig, ob er den Baton oder seine Klarinette schwingt. Am vergangenen Samstag war er als Klarinettist in der Villa Musica in der Oberstadt zu erleben und eröffnete die neue Saison unserer Stiftung in Mainz. Vor zwei Mal 30 Zuhörern im gut gelüfteten Konzertsaal spielte er in perfekter Trio-Harmonie mit Alexander Hülshoff am sonoren Grancino-Cello und Michal Friedlander am Steinway-Flügel Brahms und Bernstein. Schon an Pfingsten 2018 in Schloss Engers und beim Mainzer Musiksommer 2019 in der Staaskanzlei trafen die Drei genau den melancholischen Ton des späten Brahms im Ischler Klarinettentrio. Die herbstlichen Klänge des Opus 114 entfalteten nun wieder ihren Zauber, aber intimer als in den größeren Sälen. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, fing gleich im ersten Cellosolo den verhaltenen Schmerz des späten Brahms ein. Karl-Heinz Steffens bewies, wie man mit unverwechselbar deutschem Klarinettenklang den Brahmsschen Kantilenen genau das rechte Maß an Süßigkeit und Schwermut verleihen kann - nie plärrend in der Höhe, stets weich und singend im Dialog mit dem Cello. Michal Friedlander saß am Flügel und ließ die reifen Klangtrauben des Brahmsschen Klaviersatzes in schönster Rundung am Weinstock leuchten. Die israelische Pianistin, die in Genf geboren wurde und in Berlin lebt, war vor 32 Jahren eine der ersten Stipendiatinnen der Villa Musica, damals noch im Herzjesu-Kloster Neustadt - umso schöner, dass sie nun hier musizieren konnte. Davor spielten die drei Meisterinterpreten Musik unserer Zeit aus den USA; die fantastische Klarinettensonate von Leonard Bernstein von 1941 und zwei Cellowerke des Komponisten Marc Neikrug, der als Klavierbegleiter von Pinchas Zukerman weltbekannt wurde und vor Jahren selbst einmal bei Villa Musica zu Gast war. Alexander Hülshoff und Michal Friedlander stellten sein frühes Continuum als wienerisch neutönendes Kompendium vor und schwelgten danach im satten Bouquet des Stückes Petrus, das nach einem berühmten Bordeaux-Wein benannt wurde. Wie ein Bordeaux im Glas leuchteten dunkel die hohen Cellokantilenen von Alexander Hülshoff. Schumanns romantisch verträumte Fantasiestücke Opus 73 in der Cellofassung eröffneten diese Kammermusikstunde zwischen Alter und Neuer Welt. Wie immer in der letzten Zeit war sie zwei Mal zu hören, um 17 und um 19 Uhr, wobei der zweite Durchgang noch freier und intensiver wirkte als der erste. 

Samstag, 19.9.2020, 17 und 19 Uhr - Villa Musica Mainz

Karl-Heinz Steffens, Klarinette

Alexander Hülshoff, Violoncello

Michal Friedlander, Klavier

Robert Schumann: Fantasiestücke, op. 73

Marc Neikrug: Continuum und Petrus für Cello und Klavier

Leonard Bernstein: Klarinettensonate

Johannes Brahms: Trio a-Moll, op. 114