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Zehn Stipendiatinnen und Stipendiaten mit ihren Meisterinstrumenten (von links): Nikita Geller (Violine Sanctus Serafin 1760), Stefan Zientek (Violine Vincenzo Panormo 1751), Joel Gjata Doraci (Violine Vuillaume 1869), Ariana Kashefi (Violoncello aus der Gagliano-Schule, ca. 1790), Naomi Shaham (Kontrabass Bernhard Fendt 1810), Clara Holdenried (Viola), Jannis Rieke (Viola, italienisch 18. Jahrhundert), Oleh Kurochkin (Violine Pietro Guarneri 1702), Charlotte Chahuneau (Violine Gianbattista Rogeri 1678). Foto: Barbara Harnischfeger.

Spitzenklänge 2020

Acht wertvolle Streichinstrumente aus dem Eigentum der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und die Rogeri-Violine aus der Privatsammlung Helga Dyckerhoff waren die Stars im Konzert am 29. Februar in der Villa Musica in Mainz. Neun fantastische junge Streicher(innen) und der Pianist Kenji Miura rissen das Publikum zu Bravos hin.

Das Konzert am Schaltjahrestag war der Auftakt zu einer neuen Reihe: Unter dem Titel "Spitzenklänge" sollen die Meisterinstrumente der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur fortan regelmäßig in eigenen Konzerten präsentiert werden, mithilfe der Villa Musica Rheinland-Pfalz und ihrer Konzert- wie Ausbildungserfahrung.

Dr. Katharina Popanda, die Geschäftsführerin der Kulturstiftung, lobte in ihrer Begrüßungsansprache die enge Zusammenarbeit der Schwester-Landesstiftungen für Kultur und für Kammermusik - stets im Dienst der jungen Musikerinnen und Musiker, die auf den fantastischen Streichinstrumenten hoch hinaus wollen. Das war auch der Tenor in der Villa Musica in Mainz: streicherische Höhenflüge auf Instrumenten, die buchstäblich schon seit Jahrhunderten ihre Spieler beflügeln. Etliche Bravos und ein restlos begeistertes Publikum waren die Belohnung.

Barbara Harnischfeger, die Vorsitzende von FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V., führte nach der Pause ein Gespräch mit allen auf der Bühne. Mit der ganzen Erfahrung der Journalistin lotete sie die besonderen Qualitäten der Instrumente aus. Der Wert eines Meisterinstruments lasse sich nicht nur nach seinem materiellen Wert bemessen. Der eigentliche Schatz sei die Palette an klanglichen und interpretatorischen Möglichkeiten, die ein solches Instrument dem Musiker oder der Musikerin eröffnet. Dies haben alle Solisten des Abends buchstäblich am eigenen Leib erfahren, als sie ersten Kontakt mit dem neuen Instrument herstellten, das ihnen da in die Hände gelegt wurde. Dafür sorgt die Villa Musica im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, die ihre Meisterinstrumente den besten Solisten kostenlos zur Verfügung stellt. Dies tut auch die private Sammlerin Helga Dyckerhoff. Was solche Instrumente bewirken, hatten im Vorfeld des Konzerts schon drei Violinstipendiaten der Landessammlung in Worte gefasst. Ihre Statements seien stellvertretend für das Gespräch in der Villa Musica zitiert:

Oleh Kurochkin über die Pietro Guarneri „Ex Schubert“ von 1702: „Seit einem Jahr habe ich das Glück, die Violine von Pietro Guarneri zu spielen. Es ist eine große Ehre und Inspiration für mich, ein solches Instrument Tag für Tag in der Hand zu haben. Der unverwechselbar schöne Klang und die einfache Spielbarkeit eröffnen mir die Möglichkeit, mich zu entwickeln und weitere Klangfarben zu entdecken. Dieses Instrument steht nach meiner Meinung in einer Reihe mit den besten Geigen der Welt, und ich bin sehr glücklich und dankbar, diese Möglichkeit zu bekommen.“

Nikita Geller über die Sanctus Seraphin von 1751: „Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Villa Musica Rheinland Pfalz für die Möglichkeit, dieses tolle Instrument spielen zu dürfen. Für mich ist das eine ganz besondere Erfahrung und ich freue mich sehr, dass die Seraphin-Violine sogar in dieser kurzen Zeit meine Klangvorstellung schon so erweitert hat. Jeder Tag, an dem ich sie spiele, ist ein besonderer für mich. Man lernt unheimlich viel von und mit solchen Instrumenten. Man findet seinen eigenen Klang und eröffnet sich dadurch neue Ideen in der Musik. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für junge Musiker, solche einzigartigen Instrumente spielen zu können, und ich bin sehr glücklich dazuzugehören.“

Stefan Zientek über die Vincent Panormo von 1760: „Das Instrument funktioniert als Vermittler zwischen Künstler und Publikum. Das besondere an einem Instrument dieser Qualität ist, dass die musikalische Idee, die man als Künstler hat, nahezu unverfälscht transportiert werden kann. Dazu kommt noch der eigene Charakter des Instruments, der für einen besonderen und einzigartigen Klang sorgt. Außerdem hat ein Instrument, welches 250 Jahre alt ist, ja eine Geschichte, die man ihm auch anmerkt. Insofern ist es eine große Ehre, dieses Instrument spielen zu können.” 

Damit sich unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten das Spielen auf so wertvollen Instrumenten auch leisten können, helfen die Freunde der Villa Musica seit Jahren mit, indem sie die Hälfte der hohen Versicherungssummen tragen.

Die übrigen Musikerinnen und Musiker und ihre Instrumente waren:

Joel Gjata Doraci, Violine von Jean-Baptiste Vuillaume (1869)

Charlotte Chahuneau, Violine von Gianbattista Rogeri (1678) aus der Privatsammlung Helga Dyckerhoff

Jannis Rieke, Viola (anonym, italienisch, 18. Jahrhundert

Clara Holdenried (Viola, nicht aus den Sammlungen)

Ariana Kashefi, Violoncello aus der Gagliano-Schule (ca. 1790)

Naomi Shaham, Kontrabass von Bernhard Fendt (ca. 1810)

Am Klavier begleitete Kenji Miura, der im Dezember 2019 beim Concours Long-Thibaud-Crespin in Paris nicht nur den 1. Preis gewann, sondern auch noch den Preis von Warner Classics (mit CD-Produktion) und den Preis der Agentur Harrison Parrott, bei der er nun unter Vertrag ist.