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Ein großer Schostakowitsch-Moment im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Dmytro Udovychenko und Anica Stark an den Violinen links; Annika Treutler am Flügel dahinter; in der Mitte Sào Soulez Larivière an der Viola und rechts vorne als primus inter pares Daniel Müller-Schott am Cello (Foto: Barbara Harnischfeger).

Daniel Müller-Schott in Rolandseck

Es war ein grandioser Auftakt für den Klassiksommer im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Beethovens Cellosonate Nr. 4 und das Schostakowitsch-Quintett mit dem Weltklasse-Cellisten Daniel Müller-Schott und Villa Musica-Stipendiaten.

Festlicher Auftakt

Allen Jüngeren WidriGkeiten zum Trotz konnte sie endlich beginnen: die gemeinsame Reihe der Villa Musica und des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. Was Mitte März durch den Lockdown in letzter Sekunde verhindert wurde, nahm nun endlich Gestalt an: Die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica hielten im Foyer des Richard-Meier-Baus ihren Einzug, nicht als Zaungäste, sondern im Mittelpunkt des Interesses. Geführt wurden sie von einem grandiosen Cellisten: Daniel Müller-Schott. Dieser festliche Augenblick war eine doppelte Begrüßung wert: Claudia Seiffert sprach für das Arp Museum, Alexander Hülshüff für die Villa Musica. Der Künstlerische Direktor und Vorsitzende des Direktoriums unserer Landesstiftung hatte das Programm mit dem Rolandseck-Direktor Oliver Kornhoff ausgedacht. Von ihm stammte auch die Idee zum spontanen Klassiksommer anstelle des ausgefallenen Frühjahrs. Dass man so auch den Faden des unterbrochenen Beethoven-Jahres wieder aufgreifen konnte, war vor den Toren der Stadt Bonn eine Erwähnung wert. Umso mehr sprachen danach Beethovens Töne.

Beethovens späte Cellosonate in C

Von Beethovens später Cellosonate in C meinte ein Zeitgenosse, man könne sie „beim ersten Hören ohnmöglich verstehen.“ Am vergangenen Sonntag im Arp Museum Bahnhof Rolandseck konnte davon keine Rede sein. Meistercellist Daniel Müller-Schott kostete den lyrischen Beginn ebenso subtil aus wie das fantastisch freie Adagio. Im ruppigen Marsch-Allegro setzte er ganz auf scharfe Akzente und vollen Ton, im Finale auf kapriziösen, fein ausgehörten Kontrapunkt. Dies alles in vollendeter Übereinstimmung mit der Pianistin Annika Treutler: „Freje Sonate für Klavier und Violonschell“ hat Beethoven auf seine Partitur geschrieben, und diese Freiheit nahmen sich auch Daniel Müller-Schott und seine Partnerin am Flügel. Besonders das „heitere, lebensfrohe, kindliche Allegro vivace aus C-Dur" war „ganz des großen Genius würdig.“ So hätten es Beethovens Zeitgenossen gesagt. Das maßvoll auf Abstand gesetzte Publikum lauschte ergriffen.

Schostakowitschs Klavierquintett in g

Schon mehrfach in der 35-jährigen Geschichte der Villa Musica konnten große Streicher das Publikum im Klavierquintett von Dmitry Schostakowitsch nachhaltig erschüttern, im perfekten Zusammenspiel mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung. Man denke zurück an die unvergessliche Interpretation mit Vadim Gluzman im Mai 2015 in einer siedend heißen Villa Musica in Mainz. Wenige Wochen später trug Maxim Rysanov mit anderen Villa Musica-Stipendiaten die ganze Erschütterung dieses Vorkriegsquintetts von 1940 auch ins Schloss Herrnsheim nach Worms. An diese großen Villa Musica-Momente knüpfte nun auch Daniel Müller-Schott an. Die restlichen Streicher waren internationale Preisträger aus der kammermusikalischen Schulung der Villa Musica, allen voran der Joseph-Joachim-Preisträger Dmytro Udovychenko aus der Ukraine. Schon jüngst  beim Mainzer Musiksommer zeigte er sich als idealer, subtiler, wandlungsfähiger Schubert-Kammermusiker mit wunderschönem Ton. Im Schostakowitsch-Quintett konnte er dagegen ganz seine Ausbildung in der russischen Geigentradition ausspielen. Hinzu kamen die Berlinerin Annika Starc an der zweiten Violine und der Franzose Sào Soulez Larivière an der Bratsche, ebenso aufgeweckte wie tonlich präsente Young Professionals. Am Flügel saß wieder Annika Treutler. Die Erschütterung im Foyer des Arp Museums war mit Händen zu greifen.