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Junge Cellisten mit perfekter Technik und dem Händchen fürs virtuose Fach: Moritz Klauk (links) und Timothy Hopkins (Foto: Barbara Harnischfeger).

Junge Cellisten auf der Festung

Junge Cellisten geben bei der Villa Musica derzeit den Ton an. Gestern waren Timothy Hopkins und sein Duopartner Moritz Klauk an der Reihe, bei der Klassikserenade auf der Festung Ehrenbreitstein.

Klassikserenaden auf der Festung Ehrenbreitstein

Genau so hätte sich das weiland Jacques Offenbach anno 1849 vorgestellt: Zwei junge, schon sehr reife Cellisten greifen zum dritten seiner fünf Hefte des Methodischen Kurses in Celloduos, publiziert beim Schottverlag in Mainz, und holen das Letzte aus seinen Marsch- und Walzerthemen heraus. So geschehen bei der gestrigen Klassikserenade auf der Festung Ehrenbreitstein. Grancelli nennen sich der Villa Musica-Stipendiat Timothy Hopkins und sein Duopartner Moritz Klauk, und großes Cellospiel konnte man wahrhaft hören, etwa in einer Sonate des Pariser Rokoko-Virtuosen Jean Barrière. Was der junge Haydn für Nikolaus "den Prachtliebenden" von Esterházy als Duo-Imbiss mit Paritono komponiert hat, gehört zwar nicht zu den Sternstunden seiner Kunst. Umso verwegener kommt alles daher, was sich Virtuosen der Rossini-Zeit zu den Arien des Schwans von Pesaro einfallen ließen. Unversehens verwandelte sich Timothy Hopkins in den Barbier von Sevilla: "Figaro hier, Figaro dort". Gleich darauf stimmten die beiden Cellisten das feierliche Gebet aus Rossinis Moses an - natürlich mit den Variationen von Paganini. Für einen vergnüglichen Sommernachmittag ohne Gewitterwolken, dafür mit donnernden Cello-Klangsalven war damit gesorgt - sehr zum Vergnügen der vollzähligen Zuhörerschar. 

Mittwoch, 29.7.2020, 17 Uhr (Kuppelsaal) 

Duo Grancelli: Timothy Hopkins und Moritz Klauk, Violoncello

Jean-Baptiste Barrière: Sonate für zwei Celli G-Dur (Livre IV, No 2)

Joseph Haydn: Duetto per Paritono D-Dur, Hob. X:11

Jacques Offenbach: Duo für zwei Violoncelli, op. 52 Nr. 3

Gioachino Rossini: Potpourri aus Il Barbiere di Siviglia

Niccolò Paganini: Mosè-Variationen über ein Thema von Rossini

Timothy Hopkins, Violoncello, geboren 1995, begann mit dem Cellospiel im Alter von zehn Jahren. Als Dreizehnjähriger wurde er Jungstudent an der Musikhochschule in Münster und mit 17 Jahren in Leipzig bei Peter Bruns. Seit 2013 studiert er bei Bruns an der Felix Mendelssohn Hochschule Leipzig. Er ist mehrfacher 1. Preisträger bei Jugend musiziert als Solist, in der Streicherkammermusik und im Klavierquintett. Mit diesem wurde er auch zu Aufnahmen für Saltarello - Ausnahmetalente im Sendesaal in Bremen und in den Sendesaal des NDR Funkhauses in Hannover für die Reihe Konzerte junger Künstler eingeladen.  Bei WESPE in Rostock erspielte er sich 2013 dem Trouvaille Quartett einen Sonderpreis der Landeshauptstadt Schwerin sowie zweimal den Musikpreis Note um Note der Sparda-Bank Stiftung-Hannover. Sein Sieg beim Wettbewerb der SINFONIMA-Stiftung ermöglichte ihm, für zwei Jahre auf einem Cello von Nicolas Vuillaume aus dem Jahr 1860 zu spielen. Er konzertierte u.a. bei den Musiktagen Hitzacker, Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, Mendelssohn-Festtagen Leipzig, Brandenburgischen Sommerkonzerten, im Leipziger Gewandhaus, beim HARMOS Kammermusikfestival in Portugal sowie im Konzerthaus Berlin. 2016 war er mehrmals anlässlich der Max Reger Festtage in Leipzig zu Gast, außerdem bei Fernsehauftritten, Konzerten, u.a. im Bremer Sendesaal, sowie bei CD-Aufnahmen mit Kammermusikwerken von Reger. Er nahm am 60. Jeunesses Musicales Chamber Music Campus in Weikersheim teil (Dozenten: Heime Müller, Ferenc Rados, Eberhardt Feltz, Mitglieder des Quarteto Casals). Weitere Meisterkurse besuchte er bei Wolfgang Boettcher, Viviane Hagner, Norman Fischer, Wen-Sinn Yang und seinem Lehrer Peter Bruns. Timothy Hopkins ist Stipendiat der Villa Musica Rheinland-Pfalz, des Yehudi Menuhin Live Music Now Leipzig e.V. und wird durch das Deutschlandstipendium gefördert.

Moritz Klauk, 1993 in Berlin geboren, erhielt seinen ersten Cellounterricht im Alter von fünf Jahren bei Rolf Fischer. Zu seinen Lehrern zählten Matias de Oliveira Pinto, Katarzyna Polonek und Bogdan Jianu. Zur Zeit ist r Student der Celloklasse von Peter Bruns an der Musikhochschule Leipzig. Weitere Impulse erhielt er durch zahlreiche Meisterkurse, u.a. bei Stanislaf Firley, Markus Nyikos, Norman Fischer und Wolfgang Emanuel Schmidt.. Er war langjähriger Stipendiat des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now Berlin, der Pradé- Stiftung, sowie Mitglied der Musikakademie Reuter Berlin. Seine besondere Leidenschaft gilt der Kammermusik. Hier engagierte er sich bereits in diversen Ensembles, u.a. den 12 Cellisten des Julius-Stern-Instituts Berlin, dem Ensemble Experimente Berlin sowie dem Grancelli Quartett und spielt regelmäßig Konzerte verschiedener Kammermusikbesetzungen. Diese Vielseitigkeit führte ihn 2015 im Rahmen eines Austauschs nach Houston (Texas). Kammermusik-Workshops belegte er bei Michael Erxleben, Erich Wolfgang Krüger, Roland Glassl, Frank Reinecke, Erich Höbarth, Caspar Frantz und Jacques Ammon. Sein Debüt gab er 2007 mit der „Potsdamer Orchesterwoche“, seitdem folgten verschiedene solistische Konzertauftritte und nationale sowie internationale Preise. Er war Preisträger beim internationalen Wilkomirski- Cellowettbewerb in Posen (2008, 2010). 2015 wurde er eingeladen, beim Gustav Mahler Jugend Orchester mitzuwirken, nachdem er bereits Substitutenstellen im Gewandhausorchester Leipzig und der Staatskapelle Halle innehatte. Er spielt ein Instrument von Robert König.