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Ein lächelnder Dozent unter jungen Kolleg*innen (von links): Rosa Neßling (Violine I), Dorothea Stepp (Violine II), Nils Mönkemeyer (Viola), Timothy Hopkins (Violoncello). Foto: Herbert Piel.

Mönkemeyer in Mainz

Ein Energiebündel an der Bratsche: Nils Mönkemeyer spielte mit Villa Musica-Stipendiat*innen eine perfekte Serenade aus sommerlichem Mozart und besinnlichem Bach.

Sommerserenade im Landesmuseum

Dieser Abend bot alles, was zu einer perfekten Serenade hinzugehört: wolkenlosen Himmel, windstille, laue Luft, ein wundervolles Ambiente und eine stimmungsvoll ausgeleuchtete Bühne, auf der mitreißend vital musiziert wurde. Das Publikum durfte sich mit Getränken versorgen und 90 Minuten lang andächtig den edlen Streicherklängen von Nils Mönkemeyer und seinem jungen Villa Musica-Streichquartett lauschen.

Der Weltklasse-Bratschist mit dem Lächeln im Gesicht und auf den Bratschensaiten erklärte zu Beginn, wie es zu dem Gastspiel in Mainz gekommen ist. Auf der Suche nach Kooperationspartnern für sein Festival Klassik für alle in Bonn erinnerte er sich an seine schöne Zeit als Stipendiat bei der Villa Musica. Mit unserem Künstlerischen Leiter Alexander Hülshoff war die Kooperation schnell besprochen: drei Konzerte in Mainz, Remagen und Bonn.

Die Programme hat Nils Mönkemeyer selbst gestaltet - bei der Serenade im Mainzer Landesmuseum ein Glücksfall. Denn die Gegenüberstellung von italienischen Jugendquartetten Mozarts und strengeren Streichersoli Bachs funktionierte hervorragend. Zwei Choräle aus Bach-Kantaten fungierten als besinnlicher Rahmen für einen Abend, bei dem das Publikum gespannt lauschte und die Augen kaum vom Hauptakteur abwenden konnte: Nils Mönkemeyer agierte so ansteckend vital, gut gelaunt und stilsicher, dabei warm und klangreich auf seiner wundervollen Bratsche, dass es eine reine Freude war.

Seine jungen Mitspieler*innen animierte er zu Höchstleistungen. Rosa Neßling war im Streichquartett eine souveräne Primaria an der ersten Geige: kraftvoll führend, aber auch zart und delikat in Mozarts Cantabile, besonders im Duo KV 423 mit Nils Mönkemeyer. Dorothea Stepp beeindruckte solistisch in zwei Sätzen aus Bachs d-Moll-Partia und agierte im Streichquartett als ideale zweite Geige. Das hohe Geigenduett in Mozarts allererstem Streichquartett KV 80 hat man noch nie so himmlisch verzückt und zuckersüß im Klang gehört wie hier, dabei frei ausgeziert und angemessen agogisch. Timothy Hopkins am Cello war mit Mönkemeyer eines Sinns, wenn es darum ging, Mozarts schöne Geigenkantilenen in einen kernigen Klanggrund einzubetten. Besonders originell war das Bach-Duo der beiden: Die Sarabande und die Bourrés aus Bachs dritter Cellosuite spielten sie abwechselnd. Cello und Bratsche einmal so im direkten Vergleich zu hören, war an sich schon aufregend genug. Dazu der Kontrast zwischen kernigem Marcato beim Cellisten Hopkins und butterweicher Inégalité à la française beim Bratschisten Mönkemeyer – mehr lässt sich zu Bach in wenigen Minuten nicht sagen.

Dass Nils Mönkemeyer des frühen Mozart liebt und für ganz große Musik hält, wurde spätestens im C-Dur-Quartett KV 157 deutlich. Was Mozart hier mit knapp 17 Jahren in Mailand zu Papier brachte, ist weder ein bloßes Jugendwerk noch harmlose Vorklassik. Es ist ein voll gültiges Werk mit Vorahnungen von Schubert im traurigen c-Moll-Andante. Das wird freilich nur deutlich, wenn man das Stück so kraftvoll zupackend, differenziert und lebendig gestaltet wie die Quartettisten dieses Abends. Kaum zu glauben, dass sie erst seit wenigen Tagen zusammenspielen – Villa Musica macht's möglich. Das Mainzer Publikum applaudierte dankbar beglückt nach einem perfekten Sommerabend. Der Veranstalter von Fenster zum Hof, Moritz Eisenach, konnte sich über sein gelungenes allererstes Klassik-Konzert freuen und Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide konnte einmal ganz entspannt ihren schönen Innenhof genießen, wie alle Gäste an diesem Abend.

Donnerstag, 12.8.2021, 20 Uhr – Landesmuseum Mainz (Innenhof)

Nils Mönkemeyer & Junge Streicher*innen der Villa Musica

Rosa Neßling, Dorothea Stepp, Violine | Nils Mönkemeyer, Viola | Timothy Hopkins, Violoncello

Bach: Choral für Streichquartett
Mozart: Streichquartett G-Dur, KV 80
Bach: Solosonaten für Violine (Auszüge)
Mozart: Streichquartett C-Dur, KV 157
Bach: Sarabande für Viola solo aus BWV 1009
Mozart: Adagio für Violine und Viola aus KV 423