Menschen: Alexander Hülshoff, Künstlerischer Leiter

Der neue Künstlerische Leiter der Villa Musica stammt aus der Pfalz. In Bad Bergzabern aufgewachsen, hat er seine cellistischen Anfänge in Mannheim absolviert, später bei Martin Ostertag in Karlsruhe studiert, aber auch bei Lynn Harrell in Los Angeles. Die große weite Welt der Musik ist ihm nicht fremd, und auch die Villa Musica kennt er schon seit Langem. Unser Autor Jan-Geert Wolff hat mit ihm gesprochen und den Menschen Alexander Hülshoff porträtiert.

Sehr geehrter Herr Hülshoff, Sie waren selbst Stipendiat der Villa Musica und ihr erster Förderpreisträger – wie lange ist das eigentlich her?

Ich war in der Zeit von 1993 bis 1996 Stipendiat der Villa Musica, und ich verbinde mit dieser Zeit eine Fülle an prägenden künstlerischen Eindrücken, die für meine Entwicklung mit entscheidend waren.

Wenn Sie die Vergangenheit mit heute vergleichen: wie unterscheidet sich das Arbeiten des Musikers im Jahr 2013 von der Situation damals?

Grundsätzlich glaube ich, dass sich in der Musikwelt vor 100 oder vor 20 Jahren im Vergleich zu heute die Aufgaben und Herausforderungen des Musikers nicht entscheidend verändert haben. Für uns Interpreten gilt es immer, im Augenblick, also im Jetzt, das Werk entstehen zu lassen. Schon in der Herkunft des Wortes Interpretation steckt ja auch „Übersetzen, oder Übersetzung“. Also die Aufgabe, etwas zu verinnerlichen, um es dann authentisch weiter zu geben, ist die gleiche geblieben. Natürlich verändern sich die Menschen und damit die gesellschaftlichen sowie politischen Bedingungen. Das Werk muss also in die jeweilige Zeit über(ge)setzt werden und dies geschieht nun mal nur durch den Interpreten. Ich denke, dass die heutige junge Generation von Musikern stark unterstützt werden sollte in der Entwicklung der „eigenen Stimme“, der eigenen Interpretation. Die Musik ist so universal, dass es nicht nur eine richtige Interpretation geben kann, aber dafür viele richtige Ansatzpunkte und Überlegungen zu einer eigenen Interpretation.

Was ist in Ihren Augen das Besondere an Villa Musica?

Villa Musica ist eine der faszinierendsten Einrichtungen in der ganzen Musikwelt. Die optimalen Probenmöglichkeiten, die wir in der Kammermusik-Akademie in Schloss Engers haben, sind eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches künstlerisches Arbeiten. Das Land Rheinland-Pfalz mit seiner Weinkultur, mit seinen schönen Konzertorten, mit seinen großartigen Veranstaltern und seinem wunderbaren Publikum empfinde ich wie eine große, klingende Philharmonie. Ich freue mich auf die Aufgabe, hier weiterhin junge Menschen auf den Beruf des Musikers – auf die Berufung, Musiker zu sein – vorzubereiten, die Neugierde auf Kammermusik im ganzen Land zu wecken und das Musikleben in Rheinland-Pfalz noch faszinierender, noch attraktiver zu machen.

Welches Hauptziel haben Sie sich für Ihr Wirken als Künstlerischer Leiter gesetzt?

Mein Ziel ist es, eine stärkere Bindung an die Stiftung zu erreichen, bei jedem einzelnen Stipendiaten und jeder Stipendiatin. Der Stiftungszweck „Aus-, Fort- und Weiterbildung junger Musiker“ soll in Form einer intensiveren Begleitung durch die Stiftung neu definiert werden. Daraus soll umgekehrt eine stärkere innere Verpflichtung der Stipendiaten gegenüber der Villa Musica entstehen. Als Künstlerische Leiter werde ich darüber hinaus Gespräche mit jedem und jeder Geförderten führen. Somit entsteht eine enge künstlerische Begleitung und Förderung durch die gesamte Stipendiaten-Zeit hindurch.

Ein Bereich, den Sie besonders aktiv angehen wollen, ist das Konzertangebot für junge Leute. Wie kann man denn Kinder für Kammermusik begeistern?

Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns so wie viele Kulturinstitutionen im Land auch für unseren jungen Zuhörer öffnen. Es geht mir gar nicht so sehr um einen pädagogischen Zeigefinger mit der Verpflichtung des Erlernens, sondern um das Ermöglichen eines sinnhaften Erfahrens von großartiger Musik.

Sie sind selbst Cellist. Was fasziniert Sie gerade an diesem Instrument?

Der Cello-Klang kommt nun mal der menschlichen Stimme am nächsten. Dazu ermöglicht es dieser warme samtige Klang auch, damit klar zu sprechen.

Und was sind für Sie Sternstunden der Kammermusik?

Für mich ist das schwer so zu begrenzen, die Stunden werden zu Tagen, die Tage werden zu Wochen, die Wochen werden…

Ergänzen Sie doch bitte folgenden Satz: Bei Villa Musica sollte sich derjenige um ein Stipendium bewerben, der …

… auf künstlerisch höchstem Niveau, mit weitem geistigem Horizont und viel Neugierde in einem wunderschönen Land an romantischen Spielorten konzertieren möchte.