Archiv: Schubert und die Schwammerlsauce

Ein Kinderstück mit Musik von Karl Böhmer
für einen Schauspieler, einen Pianisten und einen Geiger

Moritz von Schwind Schauspieler
Josef von Spaun Pianist
Niklas / Marie Geiger/Geigerin

Uraufführung 24. Juli 2016, Villa Musica Mainz

Copyright: Villa Musica Rheinland-Pfalz

Schwind: Grüß Gott miteinand’! Ah, so viele liebe Kinder! Wie wunderbar. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Moritz, Moritz von Schwind. Hocherfreut! Mit wem habe ich die Ehre? (Gibt einem Kind die Hand.) Aha, das ist dein Vorname und weiter? Und wo bleibt das „von“? Kein „von“? Meine Freunde sind alle „vons“. Von Bauernfeld, von Spaun, von Schober, von Schwind. Wir sind alle adlig. So ist das halt in Wien. Und ihr seid alle bloß bürgerlich? Wie der Franzl, mein Freund Franz Schubert, der Komponist. Der ist auch bürgerlich. Sei’s drum: a Geld hamma alle nicht. Arm wie die Kirchenmäuse sammer, aber wenigstens adlig. Vornehm geht die Welt zugrunde …

I komm aus Wien, des hört ma, gell? Und Ihr kommt’s alle vom Rhein? Na, da wird ja ein komisches Deutsch geredet. Und Fastnacht gibt es hier: „Helau, wolle mer en roilosse?“ (Lokale Varianten für Neuwied, Koblenz, Trier und die Pfalz.) Wenigstens schaut’s Ihr lustig aus in Euern Kleidern. Ich muss Euch gleich zeichnen. (Holt den großen Zeichenblock und den Stift aus seiner Tasche. Setzt sich und fängt an zu zeichnen.) Ich bin nämlich Maler müsst Ihr wissen, und als Maler muss man ständig zeichnen! Malt Ihr auch? Was malt Ihr denn so? Ah, Tiere, Häuser, Eure Freunde … Seht ihr, das male ich auch. Aber erst muss alles genau gezeichnet werden. Sagt mein Lehrer an der Kunstakademie.

Habt Ihr auch einen Lehrer fürs Malen in der Schule? Wie lästig. Die Lehrer tun immer so schlau, dabei wissen sie vieles auch nicht so genau. Viel wichtiger ist die Begabung, finde ich, und die Übung. „Entweder ma konn’s oder ma konn’s net.“ Das sagt immer mein Freund Franzl, der Komponist, also der Schubert. Der hat schon mit elf Jahren sein erstes Stück komponiert, ohne jemals Unterricht gehabt zu haben. Und in der Schule hatte er immer eine 1 im Klavierspielen und eine 1 im Geigespielen. In Religion nur eine 2, da hat er nicht so aufgepasst. Passt ihr auch manchmal nicht auf in der Schule?

Also der Vatter vom Franzl, der Herr Schubert, der ist selbst Lehrer, und was für einer! Der arme Franz und seine Brüder. Immer so korrekt der Vater, und so streng. Das muss er auch sein, draußen in der Rossau. Das ist eine Vorstadt von Wien, da sind die Kinder doppelt so frech wie in der inneren Stadt. Alles Rabauken. Seid’s Ihr auch manchmal ungezogen in der Schule? Nein …. gewiss nicht. Ihr seid alle brav. Also der Vater vom Franzl, der Herr Schubert, wollte aus ihm partout einen Lehrer machen. Die beiden Brüder waren schon Lehrer, da hat der Franz auch hinein müssen, in die Schule vom Vater, als Hilfslehrer. Die frechen Kinder sind ihm nur auf der Nase herumgetanzt, nach zwei Jahren ist er wieder gegangen. „Lieber ein freier Komponist sein ohne Geld“, hat er gesagt. Das ist er jetzt auch: frei und arm.

So, jetzt werd ich langsam ungeduldig, der Franz sollte längst hier sein. Wo bleibt er denn wieder? … Ah, ich glaube da kommt er. Ihr müsst jetzt alle ganz genau auf die Mitte der Tür schaun, der Franz ist nämlich nicht groß, ungefähr 1,60. Also, alle mal da hinschauen … (Schaut auf die Mitte der Tür, der Pianist klopft) Herein!
Spaun (tritt ein): Grüß Gott! (Falls der Pianist groß gewachsen ist, muss Moritz seine Augen plötzlich erstaunt nach oben richten).

Schwind: Das ist gar nicht der Franz. Darf ich vorstellen: Mein Freund Josef von Spaun, „von“ Spaun, selbstverständlich. Wie nennen ihn nur Pepi. Was machst Du denn hier?

Spaun: Der Franz schickt mich.

Schwind: Wieso kommt er denn nicht selbst?

Spaun: Er drückt sich!

Schwind: Wie immer. Kennt ihr das auch? Freunde, die immer absagen. Die sind soooo lästig! Man wartet und wartet, beim Frühstück, beim Mittagessen, beim Spielen, in der Pause. Und wer kommt nicht? Der Franz. Was hat er denn wieder?

Spaun: Ihm ist heiß …

Schwind: Mir auch.

Spaun: Er komponiert

Schwind: Komponieren tut er doch ständig. Das hätt er auch hier können. (zu den Kindern.) Also der Franz komponiert überall und auf allem, was er finden kann: auf dem Tisch im Kaffeehaus, auf dem Bierdeckel im Lokal, sogar auf der Tischdecke, überall. Was sagt die Mama, wenn Ihr anfangt, auf der Tischdecke zu schreiben? Naja, der Franz hat keine Mama mehr, die ist schon früh gestorben. Das merkt man halt, leider. Hört nur immer gut auf eure Mama! (zu Spaun) Hat der Franzl dir wenigstens was mitgegeben für uns?

Spaun: Ja freilich, Walzer, ganz neue.

Schwind: Und wo sind die?

Spaun: Hier (zeigt eine Rolle Klopapier). Er hatte gerade nichts anderes zur Hand.

Schwind: Hat er etwa auf dem Klo komponiert? Schreibt er jetzt Toilettenwalzer, oder was? Und wie sollst Du das jetzt bitte spielen? Lass mal sehen (rollt die Klopapierrolle auf dem Notenpult des Klaviers aus und macht eine komische Szene daraus.) Na dann spiel mal …

Spaun: (Fängt an den Deutschen Tanz D-Dur, D 790 Nr. 1 zu spielen.)

Schwind: Ach, wie schön! Findet ihr nicht? Der Franzl schreibt immer die schönsten Tänze, dabei tanzt er gar nicht. Er schämt sich, weil er so klein und so dick ist. Lieber sitzt er am Klavier und spielt, wenn wir tanzen. Wollen wir das mal versuchen? Wer kann von euch schon einen Wiener Walzer tanzen? Keiner. Na dann aber sicher die Frau Mama, da hinten. Darf ich bitten? (Fordert eine Dame auf.) Und Ihr Kinder tanzt einfach mit, wie ihr wollt.

Sepperl, bitte Musik! (Walzereinlage zum Schubert-Walzer D 790 Nr. 1)
So, vielen Dank, Kinder. Küss die Hand, Gnädigste. (Geleitet die Dame wieder zu ihrem Platz.) Also mein Freund Schober, der hätte jetzt gleich mit dem Schnabulieren begonnen. Wisst ihr, was das ist, „Schnabulieren“? Na anbandeln, den Mädels gefallen, freundlich tun, damit man am Ende einen Kuss bekommt. Das ist gar nicht so leicht. Habt ihr das mal versucht? Also bei uns in Wien ist das sicherste Mittel, um einen Kuss zu bekommen: Singen. Am besten ein Lied vom Schubert. Die Wiener Mädels lieben Schuberts Lieder, die können gar nicht widerstehen. Soll ich mal eines singen?

(Singt das Ständchen aus dem „Schwanengesang“ D 957 Nr. 4 zu Klavierbegleitung: „Leise flehen meine Lieder, Liebchen komm zu mir.“)

Das ist ein schönes Lied: „Leise flehen meine Lieder, Liebchen komm zu mir.“ Das haben wir so oft gesungen und mit viel Erfolg. Zum Beispiel damals, als unser Pepi mit seiner Freundin Krach hatte (Pianist nickt), da haben sich Schubert und ich unter dem Fenster von ihr hingestellt und das gesungen. Schon war sie ihm wieder gut. Müsst ihr mal ausprobieren, klappt super! Nur einmal hatten wir Pech damit: Wir haben uns hingestellt, mitten in der Nacht, unter das Fenster von einem hübschen Madel, und das Ständchen gesungen. Doch wer kommt raus? Die hässliche Tante. Und was tut sie? Schüttet uns eiskaltes Wasser über den Kopf. Frechheit!

Apropos Wasser: Der Schubert hat ganz viele Lieder über das Wasser geschrieben. Es gibt ja auch so viel davon bei uns in Österreich: die Donau, die Traun, die Mur, den Inn, die Salzach, die Seen. Da plätschert es ständig und rauscht. Wie beim Schubert. Hört mal: Das ist einer unserer schönsten Seen in Österreich.

(Pianist spielt die Klavierbegleitung vom Lied „Am See“, D 746)

Also das ist das Lied „Am See“. Ich versuche das jetzt mal zu singen. „In des Sees Wogenspiele“ (singt so lange er möchte) Gar nicht so leicht, ddieses Lied vom Franzl. Ist ja auch nicht so leicht, auf dem See ein Boot zu rudern. Habt Ihr das mal versucht? Wir probieren das gleich mal aus zusammen. Aber dann muss jemand anders die Musik machen. Singen und rudern zusammen ist zu schwierig.

Spaun: Wir könnten den Niklas bitten, dass er uns was geigt.

Schwind: Gute Idee, Kinder. Wir rufen mal alle ganz laut den Niklas! Eins, zwei, drei: Niklas!

Niklas: Grüß Gott!

Schwind: Ah Niklas, schön, dass du da bist. Ich muss jetzt gleich mit den Kindern rudern. Könntest du für mich das Lied „Am See“ spielen. Aber genauso schnell, wie wir rudern bitte.

(Geiger und Pianist spielen „Am See“ D 746. Schauspieler und Kinder machen dazu Ruderbewegungen.)

Ganz schön anstrengend, so ein Tag am See! Wie gesagt: Bei uns in Österreich gibt es viel Wasser, vor allem Bäche. Die sind ganz hell in den Alpen. Da kann man viele Fische sehen. Dicke Fische wie die Karpfen (Musiker spielen ein Karpfen-Motiv), ganz winzig kleine Fische (Musiker spielen ein ganz hurtiges Motiv). Und dann gibt es da die Forellen (Pianist spielt den Anfang der „Forelle“). Habt ihr schon mal eine Forelle beobachtet? Also die zischt so vorbei, mit Tempo Hundert vermutlich. Ein langer, eleganter Fisch, mit gleitenden Bewegungen, sehr schön anzuschauen. (Musiker spielen den Anfang der Forelle.) Leider ist sie auch sehr lecker, wenn man sie brät oder kocht. Und deshalb haben es die Angler immer auf die Forellen abgesehen. Dazu hat der Franzl ein Lied geschrieben: „Die Forelle“. Hört mal, wie das anfängt! (singt die erste Strophe)

In einem Bächlein helle,
Da schoss in froher Eil,
Die launige Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh
Des muntern Fisches Bade
Im klaren Bächlein zu.

Also die Melodie ist ganz leicht. Wollen wir die mal zusammen singen? Nehmt mal Eure Liedblätter vor, auch die Eltern, und wartet auf mein Zeichen. (wiederholt die erste Strophe mit einfacher Begleitung.) So, das war jetzt die Melodie. Aber der Franzl hat dazu ja auch eine besondere Klavierbegleitung geschrieben: Da hat er die Forelle nachgemacht, wie sie schwimmt, schnell wie ein Pfeil. Hört mal genau hin (Pianist spielt die Klavierbegleitung)! Gar nicht leicht für das Klavier. Applaus für unseren Pianisten!

Wollt ihr wissen, wie die Geschichte von der Forelle weitergeht? Also. Da steht ein kleiner Bub am Bach und sieht, wie ein Angler die Forelle fangen möchte. Der Junge denkt sich: naja, im hellen Wasser hat der Angler keine Chance, da ist die Forelle schnell weg. Aber dann macht der Angler den Bach ganz trüb, die Forelle sieht nichts mehr und beißt an. Der arme Fisch ist gefangen, und der Bub ist ganz traurig. So ist das meistens beim Schubert. Die Sache geht schlecht aus, aber die Musik dazu ist wunderbar. Ich finde die Geschichte zu traurig, um sie zu singen. Deshalb sollen mal Niklas und Pepi die „Forelle“ spielen. Und wir hören einfach zu. Bitteschön die Herren!

(Geiger und Pianist spielen „Die Forelle“, Applaus)

Schwind: Also „Die Forelle“ ist nicht das einzige Lied vom Schubert über die Natur. Der ist ganz viel wandern gegangen in Österreich. Also hat er auch viel gesehen und gehört. Wartet, ich suche noch ein Lied aus für euch (nimmt einen gedruckten Schubertliederband und blättert.) Wie wär’s mit dem „Heidenröslein“? (Singt kurz, ohne Begleitung, den Anfang) „Sah ein Knab ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden…“ Nein, zu fad. „Der Lindenbaum“ (singt mit vollem, feierlichem Ton) „Am Brunnen vor dem Tore das steht ein Lindenbaum.“ Na, wo gibt’s denn sowas heute noch, einen Brunnen vor dem Tor mit einem Lindenbaum? Habt ihr das mal gesehen? Also ich nicht. Alles Quatsch. (blättert weiter) Ah, hier habe ich was: „Das Lied im Grünen“? Ja, das ist schön, das könnten wir nochmal zusammen versuchen, Kinder.
Also das geht so: Ihr müsst singen „Im Grünen, im Grünen“. Immer dann, wenn ich Euch den Einsatz gebe. Ich singe erst mal die erste Strophe, dann wisst Ihr gleich wie es geht. (singt die erste Strophe.) Jetzt kommt die zweite Strophe, am Ende singt ihr „Im Grünen, im Grünen“, wenn ich Euch den Einsatz gebe.

(Singt die zweite und dritte Strophe mit Echo der Kinder und Eltern.)

Schwind: So, jetzt haben wir aber genug gesungen. (zu den Musikern) Könnt ihr nicht mal eine Sonate spielen? Der Schubert hat doch so schöne Sonaten geschrieben? (zu den Kindern) Wisst ihr was das ist, eine Sonate? Das kommt vom italienischen Wort „Suonare“, „klingen“. Also in der Sonate klingt alles, aber keiner singt. Wenn einer singt, nennt man das „Kantate“ vom italienischen Wort „Cantare“, singen. Also man sagt „Sonate“, wenn eine Geige spielt und ein Klavier, man sagt Kantate für ein langes Lied. Hier also ein Satz aus einer Schubert-Sonate. Applaus für unsere Musiker:

(Sonate D-Dur, D 384, erster Satz)

Schwind: Sehr schön, Ihr beiden, besten Dank. Was der Franzl auch sehr gut schreiben kann, sind übrigens Variationen. Wisst ihr, was das ist? Ein Thema wird vorgestellt und dann immer wieder anders wiederholt. Könnt ihr mal was spielen, Pepi?

(Pianist und Geiger spielen das Thema von „Trockne Blumen“, D 802.)

Aber doch nicht so was Trauriges? Wie heißt denn das Thema?

Spaun: „Trockne Blumen“.

Schwind: Na, kein Wunder. Habt Ihr nicht was Heiteres? Wie wäre es mit den Variationen über die „Forelle“.

Spaun: Geht nicht. Dafür wir brauchen wir noch drei Musiker und drei Instrumente. Eine Bratsche, ein Cello, einen Kontrabass.

Schwind: Stimmt ja. Also Musiker hätten wir genug, stimmt’s Kinder? Ihr könnt doch mitspielen? (Jaaaa) Ich brauche genau drei Freiwillige. (Wählt aus.) Du bekommst die Triangel, du das Glockenspiel, und du die Melodika.

Spaun: Aber das sind die falschen Instrumente! Wenn das der Franz wüsste …

Schwind: Wer nicht kommt, soll sich auch nicht beschweren. Wir spielen jetzt eine Variation über „Die Forelle“. Ich dirigiere. (Musizieren alle zusammen.)

Gut habt Ihr das gemacht, Applaus! Das war schon ein richtiges Quintett. Wisst Ihr, was das ist, ein Quintett? Das ist schon wieder Italienisch, in der Musik ist immer so vieles Italienisch, wie bei der Pizza und bei der Pasta ist auch bei der Musica. Also im Italienischen heißt das „Quintetto“ und bedeutet ein Stück für fünf Musiker. Schade, dass der Franzl nicht da ist. Dem hätte seine „Forelle“ sicher auch so gefallen.

Spaun: Oh je, ich hab ja ganz auf die Forelle vergessen.

Schwind: Welche Forelle denn?

Spaun: Na, der Franzl lässt dir ausrichten, du sollst ihm für heute Abend eine Forelle mit Schwammerlsoße kochen.

Schwind: Forelle mit Schwammerln? Das passt doch gar nicht.

Spaun: Er wünscht sich ein ganzes Menü und hat Dir alles aufgeschrieben. Schau her! (gibt ihm einen Menüzettel)

Schwind: (liest laut vor) Als Vorspeise einen Vogerlsalat, danach Forelle mit Eierschwammerln, Erdäpfeln und Karfiol. Etwas Kukuruz wäre auch wunderbar. Und zur Nachspeise einen Topfenknödel mit Marillen-Sterz-Füllung. Sonst noch was? Spinnt der? Es ist Sonntag, wo soll ich denn das alles herbekommen? Kinder, dreht mal Euren Zettel rum. Da steht das Menü, das der Franz haben möchte. Aber auf Österreichisch. Bei uns in Österreich heißen fast alle Speisen anders. Also, ich erklär’s euch:

Vorspeise: Vogerlsalat, bei Euch Feldsalat
Hauptspeise: Forelle mit Eierschwammerln. Schwammerln heißen bei uns in Österreich alle Arten von Pilzen. Eierschwammerln sind Pfifferlinge.
Beilagen: Erdäpfel sind Kartoffeln, Karfiol heißt bei uns der Blumenkohl, und Kukuruz ist Mais.
Nachspeise: Topfenknödel mit Sterz-Marillen-Füllung, ihr würdet sagen (spricht betont hochdeutsch): „Quarkklöße mit einer Füllung aus Maisgries und Aprikosen“.

Der spinnt, der Schubert. Bin ich das Hotel Sacher? Und dann diese Schwammerln. Immerzu Pilze. Ständig muss er „Schwammerln“ essen. Deshalb nennen wir ihn ja auch „das Schwammerl“. Nicht, weil er aussieht wie ein Pilz, sondern weil er besonders viele zu sich nimmt. Ein anderer Freund von uns, der Anselmo, hat den Spitznamen „Der Schilcherl“, weil er immer so gerne Schilcher trinkt, das ist ein Wein aus der Steiermark. Und der Schubert isst für sein Leben gern Pilze, deshalb heißt er „das Schwammerl“. Er möchte im Frühjahr Pilze, im Sommer Pilze, im Winter Pilze. Aber wann gibt es Pilze? Nur im Herbst! Wo soll ich also jetzt Schwammerl herbekommen?

Spaun: Aus der Dose!

Schwind: Gute Idee, und wo kriege ich jetzt eine Dose Pilze her?

Spaun: Na, such doch mal, vielleicht findest du eine?

Schwind: Kinder, helft mir mal, seht ihr etwa eine Dose mit Pilzen? (Er kriecht auf dem Boden herum unter dem Flügel. Derweil zieht Pepi Spaun eine Dose Pilze aus der Tasche und hält sie hoch. Die Kinder rufen „Daaaa!“). Wo? (Moritz schaut hoch zu Pepi, aber der versteckt die Dose hinter sich.) Na, wo denn jetzt? (Die Kinder rufen: Daaaaa! Moritz geht um Pepi herum und findet die Dose.) Na, du Schlingel! Das hättest ja gleich sagen können, dass du eine Dose Schwammerln bei dir hast. Dann fehlt nur noch der Dosenöffner …

Spaun: Hier (reicht ihm den Dosenöffner).

Schwind: Und die Forelle. Wo kriegen wir die denn her?

Spaun: Tiefkühltruhe.

Schwind: Ja, wo denn?

Spaun: Hier im Haus, unten in der Küche.

Schwind: Ah, hier hat’s eine Küche? Mit Töpfen und Schüsseln und Löffeln und einem Herd? Na dann, können wir ja alles für den Franzl kochen. Hoffentlich sagt er nicht wieder ab. Aber zum Kochen brauche ich noch eine Inspiration! Bitte spielt’s mir doch die Schwammerl-Sonate vom Schubert!

Spaun: Welche Schwammerl-Sonate?

Schwind: Na, wenn er ein Forellenquintett geschrieben hat, wird er doch wohl auch eine Schwammerlsonate komponiert haben!

Niklas: Ach, ja, die Schwammerlsonate! Hier sind die Noten, Pepi, lass uns spielen.

(Spielen das Scherzo aus der A-Dur-Violinsonate, D 574. Während des Scherzos versucht Moritz die Dose Pilze zu öffnen und macht daraus einen komischen Lazzo.)