Hintergrund: Adventskalender 2017 – Schumann in Dresden

Robert und Clara Schumann in Dresden 1849
Weihnachten 1849 verbrachten die Schumanns in Dresden – ihr letztes Weihnachtsfest im „Elbflorenz“, was sie damals noch nicht ahnen konnten. Ausdrücklich vermerkte Robert Schumann in seinem Tagebuch, wie vergnügt alle an jenem Heiligabend gewesen seien. Dresdner Freunde fanden sich in der Wohnung ein: Claras Schülerin Emilie Steffens, der Jurist Felix Günz und die Schriftstellerin Marie von Lindemann, ein höchst aktives Mitglied im Dresdner Chorgesangverein. Man kann sich leicht vorstellen, wie in geselliger Runde Weihnachtslieder gesungen wurden, begleitet von Clara Schumann am Klavier. Die Damen Lindemann und Steffens bekamen jeweils einen Kalender geschenkt, Herr Günz ein Buch. Seiner geliebten Clara machte Schumann ein musikalisches Geschenk in Form der Romanzen für Oboe und Klavier, op. 94. Daneben bekam sie Lebkuchen und Apfelsinen, „6 Stück Seife“ und ein nicht näher bezeichnetes großzügiges Geschenk, das Schumann bei den Kaufleuten Müggenburg & Barteldes in der Rosmaringasse für stolze 17 Taler kaufte. Was die Kinder erhielten, ist im Tagebuch leider nicht vermerkt. Immerhin gab es einen echten Dresdner Christstollen.

Am 27. Dezember kam es dann endlich wieder zu häuslichem Kammermusizieren, und zwar mit den Gebrüdern Schubert. Der damals 41-jährige Dresdner Geiger Franz Schubert, genannt „François Schubert“, war seit 1847 zweiter Konzertmeister der Hofkapelle, in der auch sein Bruder Friedrich Cello spielte. Seit 1848 veranstalteten die Gebrüder zusammen mit Clara Schumann die viel beachteten Kammermusik-Soiréen im Hôtel de Saxe. (An gleicher Stelle hatte Mozart 1789 sein einziges Dresdner Kammerkonzert gegeben). Das Weihnachtskonzert im Hause Schumann am 27. Dezember 1849 hatte freilich mehr privaten Charakter. Neben dem 1. Klaviertrio d-Moll, op. 63, wurden Schumanns neue Oboen-Romanzen aufgeführt, mit Violine statt Oboe. Ob auch Friedrich Schubert die Fantasiestücke op. 73 bei dieser Gelegenheit auf dem Cello spielte, ist leider nicht überliefert, aber wahrscheinlich. Für die Dresdner Bläserstücke, die Schumann im Laufe des Jahres 1849 geschaffen hatte, blieb die Aufführungsart mit Streich- statt Blasinstrument vorerst die Regel. Erst die Renaissance der Bläserkammermusik im 20. Jahrhundert brachte diese Juwelen in ihren Originalbesetzungen zurück in die Konzertsäle. In den Konzerten und Projekten der Villa Musica kann man sie mal in den Originalfassungen für Oboe bzw. Klarinette und Klavier hören, mal in den Streicherversionen, die Schumann selbst freigegeben hat.

Hörtip
Die zweite der drei Romanzen für Oboe und Klavier, die Schumann seiner Frau Clara zu Weihnachten 1849 schenkte, mit Céline Moinet und dem Pianisten Florian Uhlig, der diese Werke auch schon bei Villa Musica mit Stipendiaten unserer Stiftung aufgeführt hat:
Opus 94,2

Karl Böhmer, 2017