Aktuell: Barock bei RheinVokal

Im Italien des Barock wurde der virtuose Sologesang erfunden. Von dort hat er sich unaufhaltsam in ganz Europa ausgebreitet. Das Festival RheinVokal 2017 zeigt diese Entwicklung in acht wunderschönen Programmen von Monteverdi über Purcell bis zu Bach und Hasse.

TELEMANN MIT KLAUS MERTENS
Samstag, 1.7., 19 Uhr – St. Pankratius, Boppard-Herschwiesen
Er ist der Garant für grundsolide Basstöne in deutscher Barockmusik: Klaus Mertens. Unter Ton Koopman hat er alle geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach eingespielt. Bachs Passionen und Oratorien hat er hunderte Male gesungen. Seine besondere Liebe aber gilt den Kantaten von Georg Philipp Telemann. In der wunderschönen Barockkirche Sankt Pankratius auf den Höhen des Hunsrück oberhalb von Boppard singt Klaus Mertens seine Lieblingsarien von Telemann. Dazwischen erklingen Choräle in Telemann-Sätzen und einige der jüngst wieder entdeckten Gambenfantasien – eine lutherische Andachtsmusik, geordnet wie eine Hausandacht von Martin Luther.

BACHFAMILIE MIT MANFREDO KRAEMER
Sonntag, 9.7., 17 Uhr – Sayner Hütte, Bendorf-Sayn
Junge Stimmen von Barock Vokal sind die unaufdringlichen Stars, wenn in der Sayner Hütte die Hochzeitsglocken läuten: Eine Hochzeitskantate von Bachs Onkel Johann Christoph ist das Hauptstück im Programm der Camerata Villa Musica, das von Manfredo Kraemer geleitet wird. Der Barockgeiger aus Argentinien war einst Goebels zweiter Konzertmeister bei Musica Antiqua Köln und wirkt heute als erster Konzertmeister bei Jordi Savall. Neben dem halbstündigen Hochzeitsstück “Meine Freundin, du bist schön” für Sopran, Bass, Chor und Streicher spielen Kraemer und die Villa Musica virtuose Streicherwerke: Bachs 3. Brandenburgisches Konzert, die h-Moll-Sinfonie seines Sohnes Carl Philipp Emanuel und die g-Moll-Ouvertüre seines Vetters Johann Bernhard.

GESANG DER JUNGFRAUEN AUS FRANKREICH
Samstag, 15.7., 20 Uhr – Basilika St. Martin Bingen
Dass es in den Klöstern des Barock keusch zuging, ist ein Märchen, zumindest aber die Gesänge waren von anrührender Keuschheit. Dies beweist das Ensemble Correspondences in der Binger Basilika St. Martin. Die jungen Musiker aus Lyon singen Solo-Motteten aus Frauenklöstern rund um Paris, komponiert von den Organisten des Sonnenkönigs für adlige junge Damen aus den besten Familien Frankreichs. Diese inbrünstigen Andachtsmusiken zu Ehren der Gottesmutter und des Heilands erklingen im Wechsel mit prunkvoller barocker Orgelmusik – ein Programm im Glanz des Sonnenkönigs.

BACH UND ZELENKA MIT TOMÁS KRAL
Sonntag, 16.7., 17 Uhr – Herrnhuter Brüdergemeine Neuwied
Wo einst die Herrnhuter ihren Glauben gegen Anfeindungen der Lutheraner verteidigen mussten, singt im Juli ein junger Bariton aus Tschechien Bachs schönste Basskantate “Ich habe genug”, BWV 82. In der Barockszene gilt Tomás Kral aus Brno in Mähren als Geheimtip. Subtil kostet er die tierschürfenden Dissonanzen in der ersten Lamentation von Jan Dismas Zelenka aus. Die ergreifende Musik des Dresdner Kirchenkomponisten hat er in vielen preisgekrönten Aufnahmen gesungen. In Neuwied musiziert er mit Michael Bosch, dem Solo-Oboisten der Akademie für Alte Musik Berlin, und ausgewählten Streichern der Berliner Barockszene.

HASSE MIT REINHARD GOEBEL
Samstag, 22.7., 19 Uhr – Stadthalle Boppard
Goebel und Hasse, diese Paarung verheißt ein Feuerwerk an brillanter Orchestermusik und virtuosen Arien im “galanten Stil”. Schon vor Jahren entdeckte Reinhard Goebel seine Liebe zur ersten neapolitanischen Oper von Johann Adolph Hasse von 1725. “Marc’Antonio e Cleopatra” erzählt das tragische Ende der großen Liebe zwischen Marcus Antonius und Cleopatra. Der Tod der Beiden nach der Niederlage gegen Octavian wurde vom jungen Hamburger Hasse in so anrührende, galante Melodien gefasst, dass ganz Neapel zu Tränen gerührt war – auch deshalb, weil Farinelli als Cleopatra und Vittoria Tesi als Antonius so wundervoll sangen. Dies übernehmen in Boppard Sibylla Rubens in der Rolle der Ägypterin und Franziska Gottwald als ihr “latin loser” aus Rom. Die Streicher der “Camerata Villa Musica” spielen mit dem Feuereifer junger Virtuosen, streng geführt vom Meister des barocken Klangs: Reinhard Goebel.

BACHKANTATEN MIT MARIE-FRIEDERIKE SCHÖDER
Samstag, 5.8., 19 Uhr – St. Laurentius, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bachs Solokantaten für Sopran gehören zum Schönsten, was es an Barockmusik gibt – nicht zufällig, war Bach doch mit einer Sopranistin verheiratet. Brieflich bescheinigte er seiner Anna Magdalena, dass sie “gar einen sauberen Soprano singet”. Einen solchen hat auch Marie Friederike Schöder: Ihre Koloraturkünste bescherten ihr als erster Sängerin überhaupt den Leipziger Bachpreis. Einmal im Leben alle Soprankantaten von Bach zu singen, ist ihr großer Traum. RheinVokal ist Teil dieses Projekts. Für Bad Neuenahr hat sie zwei besonders lange und anspruchsvolle Werke ausgesucht: “Falsche Welt, dir trau ich nicht”, BWV 52, und “Mein Herze schwimmt im Blut”, BWV 199. Michael Hofstetter steht am Pult. Er bringt seine Erfahrung als Bachdirigent auch im 1. Brandenburgischen Konzert ein, wo Christian Binde auf dem Naturhorn glänzt, zusammen mit seinem Barockorchester “Compagnia di Punto”.

MONTEVERDI MIT WOLFGANG KATSCHNER
Samstag, 19.8., 19 Uhr – St. Severus Boppard
Am 15. Mai ehrt die Stadt Cremona ihren großen Sohn Claudio Monteverdi, am 19. August ist seine Musik beim Festival RheinVokal zu hören. Der größte Komponist des Frühbarock wurde vor 450 Jahren in der Geigen-Metropole der Po-Ebene geboren. Als Hofkapellmeister in Mantua revolutionierte er das Madrigal und gehörte zu den Erfindern der Oper. In seinen Sologesängen und Madrigalen kostete er alle Gemütsregungen des Menschen aus. Als Markuskapellmeister in Venedig übertrug er diesen neuen Stil auch auf die Kirchenmusik – wie erfolgreich, das zeigt Wolfgang Katschner in einem hinreißenden venezianischen Programm mit Kirchenmusik von Monteverdi und seinen Zeitgenossen. Solistin ist die junge Sopranistin Hanna Herfurtner. Die Lautten Compagney Berlin wartet mit allem auf, was den Klang des Frühbarock so aufregend macht: Lauten, Gamben, Barockgeigen, Flöten, Cembalo. Der Zauber Venedigs im suggestiven Kirchenraum von Sankt Severus.

PURCELL MIT LA REVEUSE
Sonntag, 20.8., 19 Uhr – Liebfrauenkirche Oberwesel
Das Schlusskonzert von RheinVokal 2017 kommt mit drei Sängern, Gambe, Orgel und Theorbe aus, um dem unsterblichen Henry Purcell ein Denkmal zu setzen. Wenn das französische Ensemble “La Reveuse” seine geistliche Musik singt, sorgt der englische Tenor Jeffrey Thompson für die authentische Aussprache. Unter William Christie glänzte er als Solist in den großen Vokalwerken von Rameau, im Ensemble “La Reveuse” setzt er seinen hellen, leuchtenden Tenor für die Musik Purcells ein. Zu hören sind einige der schönsten geistlichen Gesänge des unerschöpflichen Genies aus Westminster im gotischen Kirchenraum von Liebfrauen in Oberwesel.

Tickets unter 02622 / 9264250 und auf dieser Homepage
Weitere Infos www.rheinvokal.de