Hintergrund: Die FREUNDE DER VILLA MUSICA feierten Geburtstag

Jubiläumskonzert 20 Jahre FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V.
Sonntag, 5.11., 11 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers
Es war ein wahrhaft festlicher Vormittag, an dem viel gelacht und brillant musiziert wurde: der 20. Geburtstag der FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V. Kaum zu glauben, dass es schon 20 Jahre her ist: Ein Dutzend begeisterte Anhänger der Villa Musica gründeten im November 1997 den Freundeskreis der Stiftung. Dafür, dass er auch heute noch wächst und gedeiht, sorgt der Vorstand mit der Vorsitzenden Barbara Harnischfeger. Sie hat natürlich auch das Festprogramm wesentlich mutgestaltet und diesen Text zum Programmheft beigesteuert.

Aus Bewunderung für die Künstler
Aus Freude an der Hochleistung
Aus Begeisterung für die Musik

„20 Jahre FREUNDE der Villa Musica e.V“

Musik ist schön, macht aber viel Arbeit, das kommt mir in Abwandlung eines Zitats von Karl Valentin in den Sinn. Wir Konzertgänger der Villa Musica erkennen was hinter musikalischer Höchstleistung steckt und lassen uns doch auch rein emotional gefangen nehmen vom Zauber des Gebotenen, ohne an die Arbeit zu denken, an das harte Üben, das jeder Künstler zu absolvieren hat.

Wenn wir im Konzert die jungen Profies mit den alten Hasen der Zunft in schönstem Geben und Nehmen erleben, erscheint alles leicht, denn die Geiger, Cellisten, Klarinettisten, die zu Villa Musica eingeladen werden, alle beherrschen ihr Handwerk als Voraussetzung. Bei einer Villa Musica-Akademiewoche in Schloss Engers geht es dann um die Kunst. Die Kunst, aus Noten Musik zu machen, sprechende Musik, die an die Seele geht und uns erhebt. Ob es gelingt, ob der Funke überspringt, hängt nicht nur von den Agierenden ab, sondern auch von unserer Tages-Konstitution und der inneren Bereitschaft, auf Empfang zu gehen. Meist können wir uns nicht entziehen. Meist werden wir erreicht. Mehr als irgendwo sonst im Konzertgeschehen.

Kammermusikliebhaber sind kein Massenphänomen, werden es nie sein. Aber
in der Kammermusik steckt die Essenz jeder musikalischen Schöpfung. Das begreift mancher Konsument klassischer Musik erst in fortgeschrittenem Alter.
Junge Menschen, die ein Instrument professionell spielen, erkennen das sehr schnell und sehen die Kammermusik als die Hohe Schule ihres Berufes, ihrer Berufung an. Die Villa Musica bietet diese Hohe Schule, fördert die Elite. Damit in der Bevölkerung klar wird, dass Eliteförderung nicht gleich gesetzt ist mit Abschottung, hat vor 20 Jahren der damalige Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig als Vorstandsvorsitzender der Landesstiftung Villa Musica den Freundeskreis gegründet – der solle „die Villa Musica in der Bevölkerung verankern“ und – prosaisch gesagt – Reklame dafür machen. Heute ist Villa Musica eine ganz große Nummer im Land, viel beneidet und das Maß, an dem sich andere messen müssen. Das liegt an der Leistung der Künstlerischen Leitung, den hochklassigen Dozenten und an der kleinen, schlanken, aber hoch effizienten Management-Einheit im Betrieb der Landesstiftung. Das Prinzip Villa Musica, das Probieren und Konzertieren von jungen Könnern Pult an Pult mit Größen der Zunft, wird inzwischen regelrecht kopiert, aber nirgends so beständig praktiziert wie seit 30 Jahren in Rheinland-Pfalz. Wir Freunde erzählen davon und verbreiten den guten Ruf , ebenso wie es die Alumni in der ganzen Welt tun, wo sie zu Konzerten unterwegs sind.

Sich zu Villa Musica zu bekennen, Anerkennung zu zollen, ist einfach: durch Mitgliedschaft im Freundeskreis. 666 Mitglieder sind wir heute. Viele treue Freunde haben wir aus Altergründen verloren, niemals aus Unzufriedenheit. Den Mindest-Jahresbeitrag haben wir in zwanzig Jahren nicht erhöht. Unser Vereinsbeitrag soll – wie auch die Konzerte – für Viele erschwinglich sein. Freiwillig gespendet werden darf natürlich immer.

380 Tausend Euro haben wir seit 1998 aufgebracht – aus den Beiträgen und gelegentlichen Spenden. Was haben wir mit dem Geld gemacht? Stipendiaten, die kein reiches Elternhaus haben und die finanzielle Hilfe brauchen, stehen im Fokus. Wir haben zinslose Kredite und Zuschüsse für die Anschaffung teurer Streich-Instrumente gegeben. Wir haben eine Piccolo-Flöte gekauft, eine Klarinette, einen Cellobogen. Wir haben monatliche Hilfe zum Lebensunterhalt gezahlt. Sehr häufig angefragt wurde eine Finanzspritze fürs Produzieren der ersten CD, als Visitenkarte beim Einstieg in den Konzertmarkt. Wir haben die Reise zu einem Wettbewerb gezahlt, wobei wir besonderes Augenmerk legen auf junge Ensembles, die schon in fester Formation zur Villa Musica kommen und die zusammen bleiben wollen. Zuletzt dem Notos-Quartett, dem Schumann Quartett, dem Aris-Quartett haben wir den Coach in Vorbereitung auf einen oder mehrere Wettbewerbe finanziert. Die jungen Leute, die oft entfernt voneinander studieren und leben, durften in Engers übernachten und proben, in aller Ruhe intensiv arbeiten. Es hat gewirkt. Diese Ensembles haben Preise gewonnen, bekommen hervorragende Kritiken, werden international engagiert und machen ihren Weg als Kammermusiker. Marc Bouchkov startet als Solist. Andere Ex-Stipendiaten, die auch wir als Freunde unterstützt haben, bringen in großen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern ein, was sie bei der Villa Musica gelernt haben: das aufeinander Hören, das im Ensemble Kommunizieren.

Haben wir in den Anfangsjahren nur Stipendiaten direkt gefördert, so tun wir dies heute auch über Umwegfinanzierung. Wir zahlen seit 2010 jährlich den Förderpreis der Villa Musica. Wir helfen der Villa Musica, ihren Kernauftrag, die Akademieprojekte von Kurs und Konzert zu erfüllen. So übernehmen wir vielfach Dozentenhonorare. Wir unterstützen die Villa Musica bei Akademieprojekten in Vorbereitung auf neue Konzertkooperationen wie Mainzer Musiksommer oder Schwetzinger Festspiele. Wir haben uns an der neuen Reihe „Burgenklassik“ beteiligt. Wir unterstützen „RheinVokal“. Immer sind Stipendiaten im Spiel, geht es um die Hochbegabtenförderung.

Oftmals sind wir besonders beachtete Konzertbesucher und Nutznießer der Zusammenarbeit zwischen Verein und Stiftung. Prof. Dr. Karl Böhmer, der Geschäftsführer und Musikwissenschaftler dankt es uns mit Einführungen in die Musik und hat uns schon auf mancher Konzertreise inspiriert. Dr. Heidrun Miller beteiligt uns an RheinVokal. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter, achtet die Freunde sehr, arbeitet eng mit dem Vorstand zusammen und bezieht uns in viele Aktionen ein – hat den Freunden mit „Karrieren“ sogar eine eigene Konzertreihe im regulären Jahresprogramm der Villa Musica überlassen. Kai Link, der Manager der Kammermusikakademie Schloss Engers ist aufmerksamer Gastgeber und stets kompetenter Möglichmacher für die Freunde – außerdem führt er die Geschäfte unseres Vereins vorbildlich.

Am Anfang der Vereinstätigkeit „Freunde der Villa Musica“ habe ich nicht viel auf die Mitgliederzahl gegeben. Denn auch wer eine Eintrittskarte zum Konzert kauft ist ja eigentlich schon ein Freund der Villa Musica. Heute ist das anders. Heute möchte ich den Verein nicht nur im Gemeinschaftsgefühl sondern auch zahlenmäßig stark machen – als Interessengemeinschaft für die Landesstiftung gegenüber Politik und Gesellschaft. Denn der Erlös aus dem Stiftungskapital sinkt rapide und muss künftig aus dem staatlichen Haushalt ausgeglichen werden, wenn die Villa Musica weiterhin Rheinland-Pfalz flächendeckend mit hochkarätigen Konzerten versorgen soll.

Der Vorstand unseres Vereins hat sich seit 2016 an die Lobby-Arbeit gemacht. Und ich höre gelegentlich, es macht bei Politikern Eindruck, dass es Menschen gibt, die Kammermusik zum Leben brauchen und die das durch ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis und in persönlichen Gesprächen mit Entscheidern bekunden – auch durch freiwilliges Erhöhen ihres Mitgliedsbeitrages und Spenden.

Je mehr Mitglieder wir sind, um so stärker ist das Zeichen, welches wir setzen.
Freunde der Villa Musica sind ein Statement für die Kammermusik, für den Bedarf an Höchstqualität in der Musik überhaupt.

Also lassen Sie nicht nach im Werben neuer Mitglieder unter den Konzertbesuchern, unter Klassikliebhabern allgemein, wenn Ihnen die beglückenden Erlebnisse bei Villa Musica wichtig sind. Sogenannte Festivals kommen und gehen, machen viel Wind. Villa Musica ist solide und glänzt auch mit Nachhaltigkeit, wie man heute sagt. Nebenbei: Villa Musica erhält für die Allgemeinheit das Denkmal Schloss Engers.

Heute wollen wir wieder einmal in unserem „Wochenendhaus“ Schloss Engers gemeinsam froh sein.

Ihre
Barbara Harnischfeger

p.s.
Was alles den FREUNDEN geboten wurde und was sie schon erlebt haben, das sehen Sie in Wort und Bild unter
www.freundedervillamusica.de
es ist die moderne Form der Vereinschronik ☺
Darauf können Sie auch Außenstehende verweisen, denn es ist frei zugänglich.