Hintergrund: Camerata Villa Musica auf Sendung

So furios klingen Sinfonien der Mannheimer Schule nur, wenn junge Virtuosen unter der Leitung eines leidenschaftlichen Dirigenten agieren: Werner Ehrhardt leitete die Camerata Villa Musica im Rokoko-Theater des Schwetzinger Schlosses.

Camerata Villa Musica
Leitung: Werner Ehrhardt

Eine Kooperation zwischen Villa Musica, den Schwetzinger Festspielen und der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Niccolò Jommelli: Sinfonia zur Oper Cajo Fabrizio (Mannheim 1760)
Carlo Giuseppe Toeschi: Sinfonie Es-Dur, op. 1 Nr. 6 (Paris 1762)
Johann Stamitz: Sinfonie Es-Dur, op. 4 Nr. 4 (Paris 1758)
Anton Stamitz: Simphonie concertante C-Dur für Oboe, Fagott und Orchester
Carl Stamitz: Flötenkonzert G-Dur, op. 29 (Amsterdam 1789)
Franz Xaver Richter: Sinfonie D-Dur, op. 2 Nr. 6

Auf der Höhe der Aufführungspraxis

Siebzehn junge Streicher und acht Bläser spielten unter der Leitung von Werner Ehrhardt. Der langjährige Konzertmeister von Concerto Köln entdeckte seine Liebe zur Musik der Mannheimer Schule, als er vor 20 Jahren seine legendäre Einspielung der g-Moll-Sinfonie von Fils vorlegte. Nun schwelgt er in den üppigen Streicher-Crescendi und herrlichen Bläser-Farben der jungen Villa Musica-Virtuosen. Sie spielen zwar auf “modernen” Instrumenten, aber mit Darmsaiten in der Streichermanier der galanten Zeit, auf Holzflöten und Naturhörnern. Nicht nur Werner Ehrhardt sorgt dafür, dass es stilgenau und mitreißend zugeht. Auch Konzertmeisterin Andrea Keller bringt ihre gesamte Erfahrung als langjährige Konzertmeisterin zahlloser Barockorchester ein.

Junge Virtuosen

Zu den Bläsern des Schwetzinger Nachmittags gehörten der phänomenale koreanische Flötist Sunghyun Cho, 28 Jahre jung und schon 1. Soloflötist im Gürzenich Orchester Köln. Ihm ist das bekannte G-Dur-Flötenkonzert von Carl Stamitz wie auf den Leib geschneidert. Ebenso eindrucksvoll agierte der junge Koblenzer Theo Plath am Fagott. Bei Villa Musica brillierte der junge Koblenzer bereits im Monet Bläserquintett und als Vivaldi-Virtuose an der Seite von Sergio Azzolini. Nun durfte er beweisen, wie makellos bei ihm ein Konzert der Klassik klingt: Am 14. Mai brilliert er in einer Sinfonia concertante von Anton Stamitz, zusammen mit dem Oboisten Martin Broede.

Genaue Editionen

Damit es zu dem prachtvollen Sinfoniekonzert kommen konnte, mussten Forscherinnen und Forscher in die Archive gehen. Seit Jahren bereitet die „Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften die Editionen vor, die es ermöglichen, unbekannte Werke der Mannheimer Schule bei den Schwetzinger Festspielen vorzustellen. Was am Musenhof des Kurfürsten Carl Theodor zwischen 1750 und 1780 komponiert und musiziert wurde, wird hier erst sorgfältig ediert und dann zum Klingen gebracht. 2017 fällt diese ehrenvolle Aufgabe zum ersten Mal der Camerata Villa Musica zu, dem Kammerorchester der Villa Musica. Heike Hoffmann, die neue Geschäftsführerin der Schwetzinger Festspiele, lud die Villa Musica dazu ein. In Schwetzingen erklang nun die erste Hofmusikakademie unter der Ägide der Villa Musica am 14. Mai im Rokoko-Theater. Die Werke wurden von Bärbel Pelker, Sarah-Denise Fabian und Santa Aleksic ediert, die auch das Programm zusammenstellten: