Menschen: Menahem Pressler bei Villa Musica

Mit dem “Beaux Arts Trio” wurde er zur Legende, mit seinen Schubert-Interpretation zur Autorität, seinen 90. Geburtstag hat die Musikwelt mit ihm gefeiert. Doch bei Villa Musica trat Menahem Pressier in äußerster Bescheidenheit hinter seinen jungen Mitspielern zurück.

Standing Ovations, restlose Begeisterung beim Publikum nach einem beglückenden Klavierquintett von Brahms – so zart und feinfühlig, wie man es noch nie gehört hatte, mindestens nicht bei Villa Musica. Menahem Pressler tritt mit dem “Schumann Quartett” aufs Podium und sagt zum Publikum: “Das ist ein so feines junges Quartett, Ihr müsst Euch darum kümmern!”

Dem strengen Urteil des Pianisten aus Bloomington stellten sich der Geiger Erik Schumann und seine Brüder Ken und Mark mit der Bratschistin Liisa Randalu. Letztes Jahr mit dem ersten Preis im Quartettwettbewerb von Bordeaux ausgezeichnet, war es ein ebenso ehrenvoller Ritterschlag, von Pressler so uneingeschränkt gelobt zu werden. Das Zusammenspiel der vier jungen Streicher mit dem Altmeister am Klavier war eine Lehrstunde in Sachen “zärtlicher Brahms”. Keine Spur von Tauziehen zwischen Klavier und Streichern, sondern ein Geben und Nehmen in zartesten Nuancen der Dynamik. Nie deckte das Klavier die Streicher zu, immer blieb Pressler “primus inter paares” und ein Stichwortgeber für seine jungen Partner, die seine feinen, singenden Brahmstöne aufgriffen und in der gleichen, sensiblen Manier beantworteten. Ein Brahms, der an die Magelonen-Lieder erinnerte, an Schubert und Schumann, kein Brahms der donnernden Quasi-Sinfonik, sondern der sprechenden, blühenden Kantilene.