Archiv: Segeln auf den Saiten der Harfe

Manche Instrumente haben ihre festen Assoziationen. So verbindet man(n) die Harfe beispielsweise eher mit femininen Attributen – und der Laie wird als Interpreten allenfalls Harpo, jenes blond gelockte Mitglied der legendären Marx-Brothers nennen können. In Mainz wurde zum Sommerfest von Villa Musica der Harfenist Christoph Bielefeld, seit 2008 Stipendiat der Landesstiftung, mit dem Förderpreis von Villa Musica für die Saison 2009/2010 ausgezeichnet. Im Interview erzählt er von seiner Begeisterung für sein Instrument.

Frage: Was fasziniert Sie an der Harfe?

Christoph Bielefeld: Dass noch immer viele Menschen im Publikum von der Harfe nicht mehr erwarten als ein „nettes Engelsinstrument“ zu sein – also ein „Effektinstrument“, das sie höchstens mal im Orchester an den ganz leisen Stellen erleben. Mir macht es große Freude, die Vielseitigkeit des Instrumentes und der Solo- und Kammermusikliteratur für die Harfe dem Publikum nahe zu bringen und ihm dadurch einen anderen Eindruck zu verschaffen.

Frage: Warum fiel Ihre Wahl auf dieses Instrument?

Christoph Bielefeld: Als Bub war mein Traum Geige zu spielen. So begann ich mit fünf Jahren, das Geigenspiel zu erlernen. Aber wenig später konnte ich mich in einem Jugend musiziert-Abschlusskonzert von den Vorzügen der Harfe überzeugen: Man spielt und übt im Sitzen, muss kein Multitasking mit Geige und Bogen leisten und die Intonation ist wie beim Klavier schon vorgegeben. Die Harfe ist also das ideale Instrument für mich!

Frage: Bitte skizzieren Sie Ihre musikalische Karriere von ihren Anfängen bis heute.

Christoph Bielefeld: Bevor ich Musik studierte, konnte ich schon viele großartige Erlebnisse mit der Harfe erfahren: die Teilnahme an Jugend musiziert in verschiedenen Sparten, also solistisch, im Duo, in der Kammermusik und als Begleiter, das Mitwirken im Städtischen Jugendorchester, Solokonzerte oder das Spiel im Bundesjugendorchester. Seit dem Studium kamen immer neue Projekte dazu: Musizieren im Harfenquartett, Solokonzerte mit verschiedenen Orchestern, intensive Orchestererfahrung, die Teilnahme an Festivals, das Absolvieren eines Orchesterpraktikums und schließlich, neben regelmäßigen Solorecitals, die Kammermusikprojekte bei Villa Musica.

Frage: Wie kamen Sie zu Villa Musica?

Christoph Bielefeld: Meine damalige Lehrerin in München und Salzburg, Prof. Helga Stock, die heute in Salzburg und Katowice arbeitet, erzählte mir von der Einzigartigkeit der Villa Musica als Kammermusikakademie. Sie sagte, es gäbe kaum einen anderen Ort für Musikstudenten, an dem man Kammermusik auf so hohem Niveau kennenlernen könne. Und sie bereitete mich besonders intensiv auf das Probespiel vor.

Frage: Was haben Sie hier bislang erlebt? Was waren besonders beeindruckende Konzerte und andere Erlebnisse?

Christoph Bielefeld: Bislang durfte ich in einigen Projekten mitwirken. Glücklicherweise waren lauter „Harfenklassiker“ auf dem Programm wie z. B.: die Debussy-Sonate für Flöte, Viola und Harfe, die Conte Fantastique von Caplet für Harfe und Streichquartett, die Fantaisie von Saint-Saëns für Violine und Harfe und das Septett von Ravel. Diese Projekte gehören zu den wichtigsten Ergänzungen meines Studiums, da man als angehender Harfenist sonst nicht die Möglichkeit hat, diese Werke so kompakt einzustudieren und auch gleich in jeweils drei Konzerten die nötige Routine zu gewinnen. Des Weiteren spielte ich in einigen Werken moderner Komponisten, beispielsweise von Takemitsu. Außerdem bot mir die Villa Musica Gelegenheit zu anderen Projekten, darunter eine Fernsehaufnahme mit zwei Harfen.

Frage: Wer waren hier Ihre Dozenten?

Christoph Bielefeld: Einige meiner Dozenten waren Wenn Sinn Yang, Martin Ostertag, Ulf Rodenhäuser, Ingolf Turban, Christian Altenburger und Kersten McCall.

Frage: Sie musizieren sowohl solistisch als auch im Ensemble. Beides erfüllt Sie sicherlich auf seine ganz eigene Weise. Wie tut das das solistische Spiel und wie das im Ensemble?

Christoph Bielefeld: Solistisch oder kammermusikalisch aufzutreten sind wirklich zwei unterschiedliche Welten. Wenn man allein auf der Bühne ist, ist man nur sich selbst und der Musik verpflichtet und verantwortlich. Man kann in den Stücken verschiedene Effekte ausprobieren und die Raffinessen noch verfeinern. Bei solistischen Auftritten spiele ich meistens auswendig, denn das erlaubt mir, mich ganz frei nur auf die Musik zu konzentrieren. Sobald man aber im Ensemble musiziert, muss man sich an technische und musikalische Absprachen halten: Man interagiert mit anderen Musikern; jeder Einzelne muss seinen eigenen Part gestalten und trotzdem seine Interpretation der Gesamtheit anpassen. Und richtig gut wird es dann, wenn alle einen gemeinsamen Weg gehen, man sich sozusagen musikalisch auf eine Idee einigen kann und die Musik dadurch zum Blühen bringt.

Frage: Ein Grund für die Auszeichnung mit dem Förderpreis ist Ihre Teamfähigkeit. Warum ist das für Sie offenbar besonders wichtig?

Christoph Bielefeld: Teamfähigkeit ist für Musiker eine unverzichtbare Eigenschaft. Denn man muss nicht nur musikalisch zusammen wirken. Oft arbeitet man räumlich sehr eng miteinander. Und um gemeinsam Musik machen zu können, muss man sich auch menschlich kennen und zueinander passen. Außerdem bilden sich gerade auf Tourneen und eben auch bei Kammermusikprojekten für eine begrenzte Zeit neue menschliche Gefüge. Man verbringt dann beispielsweise bei Villa Musica eine Woche mit den gleichen Musikern und man ist nicht im gewohnten sozialen Umfeld. Damit nicht jeder eigenbrötlerisch seine Zeit verbringt halte ich es für wichtig, mit der Gruppe auch etwas anderes zu machen als Musik. Man kann etwa gemeinsam Sport machen oder Karten spielen. Das schweißt eine Gruppe zusammen und so kann man sich schlussendlich beim gemeinsamen Musizieren besser aufeinander einstellen.

Frage: Welchen Komponisten und welche Werke schätzen Sie sehr?

Christoph Bielefeld: Ich liebe die Musik der Spätromantik und des Impressionismus sowie aus deren Umfeld. Dazu gehören Werke von Debussy, Ravel, Saint-Saëns, Fauré, Strawinsky, Mahler, Rachmaninov und Wagner. Besonders gerne spiele ich das Ravel-Septett, die Tänze und die Sonate von Debussy sowie die beiden Solowerke von Fauré.

Frage: Was sind ihre Zukunftspläne und wo sehen Sie sich in fünf bis zehn Jahren?

Christoph Bielefeld: Ich stelle mir vor noch etwa ein Jahr weiterzustudieren, um mein Solo- und Kammermusikrepertoire etwas aufzufüllen. Dann werde ich beginnen Probespiele zu machen: Ich hoffe, in fünf bis zehn Jahren Mitglied eines großen Symphonieorchesters zu sein.

Frage: Was ist für Sie außer der Musik wichtig? Haben Sie – vielleicht ganz anders geartete – Hobbies?

Christoph Bielefeld: Ich liebe es, zum Segeln und zum Bergsteigen zu gehen und ich lese viel.