Hintergrund: Das große Sommerfest der Klassik

Es war ein wunderschöner Spätsommertag im Landesmuseum Mainz, umgarnt von Musik zwischen Brahms und Brasilien. Die Kinder hatten ihre Freude wie die Erwachsenen – am Museum und seiner Kunst, an der Villa Musica und ihren Musik-Künstlern, am Kinderprogramm und vielem mehr. Mehr als 2000 Menschen stürmten das Landesmuseum an diesem musikalischen Tag. Hier ein paar Impressionen.

Streicherklänge im Innenhof
Als Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro das Fest eröffnete, war der Hof schon prall gefüllt. An seiner Seite: Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter der Villa Musica und musikalische Gestalter des Programms. Sieben Stunden hochkarätige Klassik non stop mit insgesamt 22 Musikerinnen und Musikern – das war eine logistische und künstlerische Meisterleistung. Kai Link hatte die Fäden für die Proben gezogen, der Pariser Geigenprofessor Boris Garlitsky leitete souverän die Hauptstücke des Programms: das Oktett von Max Buch zu Beginn und das von Felix Mendelssohn zum Abschluss. Um 15 Uhr war Boris Garlitsky auch Primarius im Klarinettenquintett von Brahms: Herbstklänge zur Frühherbst-Stimmung im Hof des Landesmuseums. Hunderte von Zuhörerinnen und Zuhörern lauschten gebannt dem Klarinettenspiel der jungen Spanierin Laura Mañez Miralles.

Junge Virtuosen in der Steinhalle
Die französische Klarinettistin Lauriane Maudry brillierte mit Rossini in der Steinhalle des Landesmuseums, denn nicht nur auf dem Hof wurde musiziert, sondern auch in den Sammlungen. Für manche Mainzer war es die erste Begegnung mit dem neuen Foyer des Landtags: Die renovierte und verkürzte Steinhalle bietet eine fantastische Akustik und eine faszinierende Atmosphäre zwischen den römischen Monumenten aus Mogontiacum – einer der schönsten Konzertsäle der Landeshauptstadt. Dort veranstaltet Villa Musica in der neuen Saison fünf Konzerte in Kooperation mit dem Freundeskreis des Landesmuseums Mainz. Kostproben davon konnte man beim Sommerfest hören, etwa die Gebrüder Liepe mit Violinsonaten von Beethoven und Fazil Say. Oder die Uraufführung des faszinierenden Sextetts “Mitläufer” von Benjamin Scheuer. Charmante Moderatorin hier wie draußen im Hof: Barbara Harnischfeger, die Vorsitzende von FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V.

Gäste aus Brasilien in der Sammlung
Weil die Kirchenglocken von St. Peter den musikalischen Einstieg zum Fest leicht verzögerten, fanden die ersten Konzerte vor den Kunstwerken der Sammlung zur Mittagsstunde statt: Der brasilianische Geiger Daniel Guedes spielte Auszüge aus Bachs Solosonaten zwischen den Flügeln eines Altars aus dem Spätmittelalter. Der Cellist Fabio Presgrave hatte Musik aus seiner Heimat Brasilien mitgebracht und spielte sie mit vollem Ton zwischen Kunstwerken der frühen Renaissance. Zwischen Gemälden und Möbeln aus dem Biedermeier spielte der Essener Gitarrenprofessor Tomasz Zawierucha die Chaconne von Bach. Alle Besucherinnen und Besucher waren begeistert von dieser Begegnung zwischen Kunst und Klassik, zumal die Museumsräume in Mainz vorzüglich klingen.

Bläser vor den Kurfürsten
Wie voll sich der Klang im Landesmuseum entfalten kann, konnten am Nachmittag auch die Bläser um den Klarinettisten Thorsten Johanns beweisen. Der Weimarer Professor leitete drei junge Kollegen in Bläserquartetten von Rossini und Gambaro – Bella Italia vor den Kurfürstenreliefs vom alten Mainzer Kaufhaus. Der Klang durchströmte die gesamte Arkade des Museums bis hin zum Café, das gegen 16 Uhr besonders prall gefüllt war. Derweil swingten die Streicher auf dem Hof im zweiten Teil des Programms „Brazil“. Schon vor dem “Girl aus Ipanema” kam echtes Rio-Feeling auf – Copacabana im Landesmuseum Mainz.

Familienmusical im Forum
Damit auch die Kinder auf ihre Kosten kamen, spielten Boris Weber und Tammy Sperlich ihr Familienmusical “Auf der Spukburg sind die Geister los”. Die beiden Verwandlungskünstler von der Freien Bühne Neuwied bauten den Vortragssaal des Landesmuseums in eine düstere Burg mit Gemälde und Standuhr um. Dort spielen sie gleichzeitig sich selbst, den Hund Lord Buffel und dessen Gespensterdame. Viel Applaus von Groß und Klein, zumal sich die Kinder auch auf dem Hof und im Museum noch Stunden lang tummeln konnten.

Viele Förderer für ein Fest
Viele Hände trugen zum Gelingen des Festes bei, vor allem Dr. Birgit Heide und Annette Boegl vom Landesmuseum Mainz mit ihrer gesamten Mannschaft, ideal ergänzt vom Team der Villa Musica. Beide Fördervereine unterstützten großzügig: der Freundeskreis des Landesmuseums und die Freunde der Villa Musica, die auch mit einem eigenen Stand auf dem Hof vertreten waren. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe stellte die Bühne der Festung Ehrenbreitstein zur Verfügung – dank der Initiative von Generaldirektor Thomas Metz. Last but not least waren es die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica, die durch ihr fantastisches Können diesen Tag zum Erlebnis machten. Hier noch einmal alle Akteure im Überblick:

DIE VIER PROFESSOREN
Boris Garlitsky, Violine (Paris)
Thorsten Johanns, Klarinette (Weimar)
Alexander Hülshoff, Violoncello (Köln, Mainz. Dortmund)
Tomasz Zawierucha, Gitarre (Essen)

DIE GÄSTE AUS BRASILIEN
Daniel Guedes, Violine
Fabio Presgrave, Violoncello

DER PIANIST
Nils Liepe (Deutschland)

DER KOMPONIST
Benjamin Scheuer (Deutschland)

DIE JUNGEN BLÄSER
Francesco Camuglia, Flöte (USA)
Lauriane Maudry, Klarinette (Frankreich)
Laura Mañez Miralles, Klarinette (Spanien)
Moritz Schneidewendt, Klarinette (Deutschland)
Lidia Favaretto, Fagott (Italien)
Johanna Mix, Horn (Deutschland)

DIE JUNGEN STREICHER
Verena Chen, Violine (Deutschland)
Niklas Liepe, Violine (Deutschland)
Clara Mesplé, Violine (Frankreich)
Akihiro Takeda, Violine (Japan)
Dimo Udovichenco, Violine (Ukraine)
Lilya Tymchyshyn, Viola (England)
Alba González i Becerra, Viola (Spanien)
Nuala McKenna, Violoncello (Deutschland)
Yomoon Youn, Kontrabass (Südkorea)

FREIE BÜHNE NEUWIED
Boris Weber und Tammy Sperlich