Spielstätten-Portraits: Villa Ludwigshöhe oder auf Zeitreise in der Pfalz

von Jan-Geert Wolff

Seit nunmehr 23 Jahren veranstaltet Villa Musica gemeinsam mit dem SWR Konzerte in einem der schönsten Schlösser des Landes: in der Villa Ludwigshöhe hoch über Edenkoben an den Hängen der Haardt. Autor Jan-Geert Wolff begab sich auf eine Zeitreise in den Räumlichkeiten, die für König Ludwig I. von Bayern erbaut wurden und derzeit aufwendig renoviert werden.

Das, was den Stahlstich von Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807-1882), der (im Heimatmuseum Edenkoben hängend) die Villa Ludwigshöhe vom Nordwesten her zeigt, unterscheidet sich vom originalen Blick auf dieses Bauwerk einzig durch die Farbigkeit: Präsentiert sich jener Stich naturgemäß in Grauschattierungen, besticht das „Original“ aktuell durch frühherbstliche Farben. Und man kann sich gut vorstellen, wie Ludwig I. von Bayern, der Villa Ludwigshöhe als Sommerresidenz erbauen ließ, hier die warmen Tage des Jahres verbrachte – zwischen 1852 und 1866 immerhin acht Mal.

Heute befindet sich das Bauwerk im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz, beherbergt die vom Landesmuseum Mainz wissenschaftlich betreute Max-Slevogt-Galerie sowie eine Sammlung von Keramik des 20. Jahrhunderts und dient mit dem ehemaligen Speisesaal des Königs eben auch als Spielstätte von Villa Musica. Heute werden hier also eher akustische Leckerbissen gereicht, die von den optischen Reizen der Kronleuchter, der ornamentreichen Deckenkolorierung und der pompejanischen Wandbemalung – wie edle Speisen von einem frischen Wein – trefflich unterstrichen werden.

Doch zurück in der Zeit, zurück zu König Ludwig I. (1786-1868): Und der wählte die Lage seiner Villa Ludwigshöhe nicht von ungefähr. 1845 kaufte er die Grundstücke von den Gemeinden Edenkoben sowie Rodth und ließ sein Sommerschlösschen vom Architekten Friedrich von Gärtner beginnen. Als dieser starb und der König zwischenzeitlich abgedankt hatte, setzte Leo von Klenze die Arbeiten bis zum Herbst 1848 fort.

Wie Schloss Engers durchlief auch Villa Ludwigshöhe nach dem Krieg eine abenteuerliche Geschichte und diente zwischenzeitlich manch anderem Zweck: In Edenkoben war die Villa vor 1945 ein Lagerraum, beherbergte bis 1947 alliierte Truppen und ein Kinderheim. Nach der Instandsetzung und Ausstattung des Baus durch Kronprinz Ruprecht (1869-1955), einem Sohn des letzten bayerischen Königs Ludwig III., erwarb das Land Rheinland-Pfalz 1975 die Villa Ludwigshöhe und machte sie nach weiterer Restaurierung 1980 der Öffentlichkeit zugänglich.

Und so kommt auch das Publikum von Villa Musica in den Genuss, hier mehrmals im Jahr Konzerte zu hören. Doch nicht nur der berauschende Blick hinein in die Pfalz – und vom Zimmer der Königin aus bei guter Sicht bis zum Odenwald und sogar Schwarzwald – ist ein Grund, sich die Spielstätte anlässlich eines Konzertbesuches einmal näher anzuschauen. Fachkundige und vor allem kurzweilige Führungen, die (außer im Dezember) mehrmals täglich angeboten werden, lassen einen ein Stück weit in die gediegene Welt der Mitte des 19. Jahrhunderts eintauchen.

Äußerlich – Schlossführer Wilfried Vetter lädt stets dazu ein, einmal in Ruhe um den gesamten Gebäudekomplex herum zu laufen – repräsentiert die Villa Ludwigshöhe mit ihren strengen, schlichten Formen den Klassizismus ihrer Zeit. Innen kamen die Architekten dem königlichen Wunsch nach einer Villa „italienischer Art“ nach und ließen antike Vorbilder anklingen. Hier finden sich auch zahlreiche Meisterwerke der Möbelbaukunst, die Kronprinz Ruprecht unter anderem aus der Münchner Residenz bringen ließ – und somit handelte wie sein Urahn: Da Villa Ludwigshöhe Ludwig I. nur als Sommerresidenz diente, brachte der König sein Mobiliar stets mit in die Ferien…

Eine umfangreiche Gemäldesammlung zeigt das Umfeld Ludwigs I. und der Wittelsbacher, die über Jahrhunderte die Geschichte der Pfalz und Bayerns bestimmten. Doch nicht nur die Ölbilder sind beeindruckend. Die Wand- und Deckengemälde erinnern an das „Pompejanum“ in Aschaffenburg, das Ludwig I. von 1843 bis 1850 – übrigens ebenfalls von Friedrich von Gärtner – erbauen ließ. Die Wandbilder stammen hingegen wahrscheinlich vom Ende des 19. Jahrhunderts. Weitere antike Elemente sind die kostbaren Holzmosaike aus Eiche, Rosenholz, Palisander, Ahorn und Rothölzern.

All das zeigt die Führung, die in der original erhaltenen Küche beginnt, wo beispielsweise die Gebrauchsanweisung des Ofens mit einer „Belehrung“ eigens auf einer Kachel von Jos. Schmid sen., seines Zeichens Töpfermeister in München 1852, aufklärend unterhält. Und so gibt es viele Kleinigkeiten zu entdecken auf dem Weg durch den Korridor in den Speisesaal – die eigentliche Spielstätte von Villa Musica – und durch diverse Vor-, Empfangs-, Audienz-, Arbeits- und Wohnräume des Königs.

Auffallend an Villa Ludwigshöhe ist das Fehlen eines Gartens, das der Monarch selbst eindrucksvoll erklärt hat: „Ein besonderer Garten ist überflüssig“, sagte der Hausherr einst: „Alles Land rings herum, so weit das Auge reicht, ist ein großer Garten.“ Und noch heute erinnert die heimische Flora an den einstigen bayerischen Gast: Ludwig I. ließ seinerzeit 25.000 Esskastanienbäume pflanzen…

Die Führung endet im Obergeschoss, wo sich die Max-Slevogt-Ausstellung befindet. Auf Filzpantoffeln poliert man das feine Parkett der Galerie und kann vor allem das Frühwerk des Malers bewundern. Neben zahlreichen Portraits finden sich hier auch Landschaften und Stillleben aus dem Nachlass Slevogts (1868-1932). Der malte, inspiriert von den „Weltlandschaften“ der französischen Impressionisten, seine pfälzische Heimat mit ihren Weinbergen und Wäldern, womit er das einfing, was der erste Hausherr an dieser Landschaft so schätzte: ihren mediterranen Odem und die opulente Farbigkeit des Südens.

Und so schließt sich der Kreis, den man mit dem diesjährigen Saisonmotto begonnen hat: „Auf Reisen“ durch die Zeit, durch Stile und Stillleben, durch Bilder und Musik – und das alles in einem der schönsten Landstriche der Pfalz. Hierhin laden Villa Musica und der SWR in der laufenden Saison insgesamt elf Mal ein. Wer die Villa Ludwigshöhe zu einem dieser Anlässe oder einfach mal so besuchen möchte, dem bietet die Anschrift übrigens eine kommode Eselsbrücke: Villa Ludwigshöhe in Edenkoben liegt in der Villastraße…