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Im Arp Museum Bahnhof Rolandseck hängen derzeit manche Dalí-Schätze aus den Museen der Welt, auch der große Beethoven-Kopf aus Figueres, der das Teatro Museo des Meisters zum ersten Mal überhaupt verlassen hat.

Mein Beethoven: Oliver Kornhoff

Der Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck hat derzeit seinen ganz persönlichen Beethoven im Museum hängen: die große Zeichnung von Salvador Dalí, angefertigt mithilfe eines Tintenfischs:

Zwei Jahre hat es gedauert, ihn zu einem Besuch in seiner alten Heimat zu überreden. Er hat sich sehr geziert. Superstar halt. Mehrfach habe ich ihn persönlich in Figueres besucht. Bei seinen katalanischen Gastgebern habe ich mit immer neuen Argumenten vorgesprochen. Stets habe ich dabei von der Hoffnung seiner auch hiesigen Verehrer*innen berichtet und von den gemeinsamen Anstrengungen, die diese für ihn zu unternehmen bereit wären.  

In diesen Tagen gehe ich manchmal die Treppe im Arp Museum hinauf in die oberste Etage, um mich zu vergewissern, dass er wirklich da ist. Mit jedem Schritt wird meine innere Eroica lauter. Denn zu unserer großen Freude ist er wirklich gekommen. Knapp zwei Meter Beethoven. Eine große Zeichnung von Salvador Dalí. Eines der zentralen Exponate unserer Ausstellung „Salvador Dalí & Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung“.

Ich glaube, der Komponist litt schlicht unter Reisefieber. Bekanntermaßen keine Krankheit, die durch ein Virus ausgelöst wird. Es ist das allererste Mal, dass er sein angestammtes Haus verlassen hat. Salvador Dalí hat dieses Werk als so wichtig erachtet, dass er es in die Erstausstattung seines eigenen Museums einbezog. Seitdem hing der Beethoven Kopf genau dort. Seine Fahrt hierher hat die spanische Nation berührt. Radio, Fernsehen und die wichtigsten Zeitungen haben darüber berichtet.

Zu Recht. Dieses Beethovenporträt ist außergewöhnlich. Es ist nicht nur eine der künstlerisch besten Darstellungen des Komponisten. Es bündeln sich darin wie in einem Brennglas auch zahlreiche Aspekte von Dalís Künstlerpersönlichkeit und seines surrealistischen Schaffens.

Da ist die scheinbare Widersprüchlichkeit von Gesagtem „Musik ist Wahrheit im Schleimzustand“ (Dalí) und Getanem (gleich zwei Beethoven Porträts von seiner Hand und zahlreiche Verwendung von Musik in seinem Schaffen). Da ist Dalís Behauptungsgeste, sich durch das monumentale Konterfei eines (anderen) Jahrhundertkünstlers selbst in eine diesbezügliche Ahnenreihe zu positionieren. Und postwendend gibt es die selbstironische Brechung dieses Statements durch eine geteilte Autorenschaft. Denn Dalí hat diese Zeichnung nicht allein geschaffen. Er hat sich eines künstlerischen Assistenten bedient. Für die reiche musikalische und charakterliche Dynamik Beethovens brauchte es einen Mitarbeiter mit acht Armen. Einen lebenden Tintenfisch. Dalí setzte ihn auf den oberen Blattteil und mit dessen verspritzter Tinte und den hinterlassenen Spuren fertigte er das Haupt.

„Beethovens Kopf“ ist Dalí in Reinkultur. Stets der Wirklichkeit verhaftet und doch nur den inneren Visionen, Träumen und Traumata verpflichtet. Noch viel mehr gäbe es über „meinen Beethoven“ zu schreiben. Doch ich will hier enden. Es locken nicht nur das Bildnis, sondern auch die Klänge Beethovens. Ich höre Alexander Hülshoff, der sich einspielt für unseren Konzert Kurzfilm. Cello Solo vor, für und von Beethoven. Welch unverhoffter Höhepunkt in der ansonsten erstmal verschobenen großartigen Konzertreihe „Dalí und Beethoven“, die unser Museum mit unserem musikalischen Partner Villa Musica ins Leben gerufen hat. Auf dem Titelbild des Programmhefts: Salvador Dalís Hommage an Ludwig van Beethoven.