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Maria Franz, Cello-Stipendiatin der Villa Musica, begeistert sich für Beethovens Appassionata.

Mein Beethoven: Maria Franz

Die Cellostipendatin Maria Franz schreibt über ihre Zeit im Lockdown und über ihr liebtes Beethovenstück: die Klaviersonate f-Moll, op. 57, die Appassionata

Mir geht’s ganz gut. Ich habe mich langsam an den Gedanken gewöhnt, dass wahrscheinlich dieses Jahr keine oder kaum Probespiele stattfinden werden. Mein Wunsch, dieses Jahr eine Akademie- oder feste Stelle antreten zu können, fällt also höchstwahrscheinlich ins Wasser, was ziemlich enttäuschend ist, aber auch kein Drama. Ich denke, viele in meinem Alter und am Ende ihres Studiums sind gerade in dieser Situation ...

Ich vermisse das Musizieren mit anderen Menschen total. Die Motivation, jeden Tag Tonleitern zu spielen ohne Perspektive auf ein Konzert oder Probespiel, ist sehr klein. Aber langsam kommt sie wieder zurück, da ich zum Glück im August meinen Abschluss spielen kann! 

Mein Lieblings-Beethoven ist kein Cellostück, sondern die Appassionata, also die f-Moll-Klaviersonate Opus 57, insbesondere in der Aufnahme mit Alfred Brendel. Ich habe bei Beethoven oft das Gefühl, dass er in seiner Musik Momente schafft, die jeder kennt und nachempfinden kann, aber die schwer in Worte zu fassen sind. Vor allem im zweiten Satz fühle ich immer eine gewisse Ernsthaftigkeit, Klarheit, Wehmut, Akzeptanz, unerfüllte Liebe, Träumerei ... Ich habe immer geglaubt, dass diese Sonate zwar Franz von Brunsvik gewidmet wurde, aber insgeheim vielleicht doch für Josephine von Brunsvik bestimmt war. Für mich klingt der zweite Satz wie eine Unterhaltung, in der sich zwei Menschen eine tiefe Liebe gestehen, die sie für immer für sich behalten müssen.