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Flötistin aus dem Veneto und Gastgeberin der Villa Musica in Italien: Luisa Sello.

Mendelssohn-Oktett

Vier Stipendiat*innen der Villa Musica reisen mit dem Pražák Quartett aus Prag nach Italien. Dort ist die Flötistin Luisa Sello ihre Gastgeberein. Auf Tournee durch den Veneto und Friaul spielen sie Mendelssohns Oktett und Mozarts D-Dur-Flötenquartett.

Beglückendes Mendelssohn-Oktett - brillante Mozart-Flöte

Die Aussicht, Mendelssohns geniales Oktett für Streicher zu hören, lockte rund hundert Zuhörerinnen und Zuhörer in die Steinhalle des Mainzer Landesmuseums. Es war auch ein Wiederhören und Wiedersehen mit der italienischen Flötistin Luisa Sello, die schon zum vierten Mal bei Villa Musica gastierte. Und es war ein Streicherfest, angerichtet von einem der renommiertesten Quartette aus unserem Nachbarland Tschechien: dem Pražák Quartett. Seit fast 50 Jahren ist es in den großen Konzertsälen der Welt zu Gast und hat sich in den letzten Jahren runderneuert: mit neuer Primaria und ganz frischen Kollegen an zweiter Geige und Cello. Im Zusammenspiel mit vier Stipendiat*innen unserer Stiftung entfalteten die Pražáks ihren ganzen Prager Klangzauber.

Weit mehr als nur ein Vorspann waren die drei Stücke vor dem Mendelssohn: Mozarts D-Dur-Flötenquartett in Luisa Sellos klanglich betörender Interpretation, ein Quartettsatz von Dvořák aus dem Jahr 1881 im tschechisch blühenden Streicherklang des Pražák Quartetts und stimmungsvolle Andenmusik des Argentiniers Alberto Ginastera für Flöte und Streichquartett. Im Mozart-Quartett erwiesen sich die Villa Musica-Stipendiatinnen Louisa Staples und Mabel Rodriguez als ideales Duo voll rhythmischer Verve, grundiert vom vorzüglichen Cellisten Joel Wöpke - ein geborener Kammermusiker. Schöner hat man das Pizzicato im h-Moll-Adagio noch nie gehört als an diesem Abend in der Steinhalle.

Krönung des Programms war die wahrhaft beglückende Aufführung des Mendelssohn-Oktetts. Es setzte bei allen Beteiligten Energien frei, die man zuvor nur erahnen konnte. Primaria Jana Vonášková leitete umsichtig im wahrsten Sinne des Wortes: Um das achstimmige Räderwerk des Streicherwunders am Laufen zu halten, gab sie Impulse nach allen Seiten und spielte selbst auf unverkennbar tschechische Weise den Quasi-Solopart der ersten Violine: weich und sehr romantisch, dann wieder mit voller Attacke und unbestechlich im Technischen. Bravissima! Ihre Kollegin Marie Fuxová an der zweiten Violine war ihr eine einfühlsame Partnerin. Die Funken sprangen auf die Villa Musica-Stipendiat*innen über: Gian Rossini und Louisa Staples blieben den Prager Geigerinnen an Präsenz nichts schuldig. Louisa Staples ließ an zwei besonders schönen Stellen der ersten beiden Sätze aufhorchen, wenn Mendelssohn unversehens der vierten Violine die rührendsten Melodien auf die Saiten legt. In dieser Geigerin steckt großes Potential. In der Mitte lenkte der souveräne Bratschist Josef Klusoň aus der Urbesetzung des Pražák Quartetts seine junge Mitspielerin aus Venezuela, die Stipendiatin Mabel Rodriguez. Rechts außen verstand sich der Cello-Stipendiat Joel Wöpke blendend mit dem tschechischen Cellisten Pavel Jonáš Krejčí. In jeder Nuance perfekt koordiniert und klanglich homogen, strahlten die Beiden die pure Lust an der Kammermusik aus. Mit solchen Cellisten ließ sich das zarte Spinngewebe des Scherzos bis in die letzte Nuance fein ziseliert ausmalen. Danach stürzten sich die Celli furchtlos in das stürmische Fugen-Finale. Hier steuerten die acht Beteiligten spielend durch alle Kontrapunkt-Klippen, bis sie mit vollen Segeln in den Hafen der Coda einliefen. Etliche Bravos für eine wahrhaft bravouröse Leistung. Sicher eine der besten Aufführungen des Mendelssohn-Oktetts, die man in 35 Jahren bei Villa Musica hören konnte.

Am Ende kam noch einmal Luisa Sello nach vorne und beschwor in der Zugabe das silbgrige Mondlicht in goldenen Flötentönen. Dieses Nonett für Flöte und Streicher wurde eigens für sie vom italienischen Komponisten Valter Sivilotti aus Pordenone geschrieben - unüberhörbar ein Spezialist für U-Musik mit einer besonderen Begabung, für italienische Liedermacher(innen) wie Milva zu schreiben. In seinen Filmmusik-Melodien konnte man die stürmischen Höhepunkte des Mendelssohn-Oktetts beruhigt ausklingen lassen.

Wahrhaft beseelt machte sich das Mainzer Publikum auf den herbstlichen Heimweg. Kobern-Gondorf an der Mosel darf sich heute auf diesen außergewöhnlichen Abend freuen. In zwei Wochen geht das gleiche Programm auf Torunee durch Norditalien: Venedig, Abano Terme, Udine, ein Gastspiel der Villa Musica auf Einladung von Luisa Sello.

Freitag, 12.11., 19:30 Uhr – Kulturhaus Oberwesel
Samstag, 13.11., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz
Sonntag, 14.11., 18 Uhr – Schloss von der Leyen Kobern-Gondorf
Luisa Sello, Flöte * Pražák Quartett * Junge Streicher der Villa Musica Rheinland-Pfalz
Dvořák: Quartettsatz F-Dur, B. 120
Ginastera: Impresiones de la puna für Flöte und Streichquartett
Mozart: Flötenquartett D-Dur, KV 285
Mendelssohn: Oktett Es-Dur, op. 20

Sonntag, 28.11. – Venedig
Montag, 29.11. – Abano Terme
Dienstag, 30.11. – Udine