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Hoch, schlank und fast versteckt in der Mainzer Fußgängerzone: die Antoniuskapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Mainzer Musiksommer

Es war eine Sternstunde in der Antoniuskapelle zu Mainz: Boris Garlitsky und Alexander Hülshoff als ideales Duo bei Kodály und im mitreißenden Brahms-Zusammenspiel mit Stipendiat*innen.

Streichsextette in der Antoniuskapelle

Unter den gotischen Gewölben der Antoniuskapelle klang dieser Brahms fast so prachtvoll wie eine Sinfonie: Das zweite Streichsextett Opus 36 wurde beim dritten Villa Musica-Konzert im Mainzer Musiksommer zum Klangfest – mit dem Pariser Geigenprofessor Boris Garlitsky, mit dem Meistercellisten Alexander Hülshoff und mit zwei Paaren von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica. Wie Moritz Weigert am ersten Cello die satt-süßen Kantilenen des jungen Brahms aufblühen ließ, wie Garlitsky mit Pauline van der Rest den Geigenschmelz Brahmsscher Melancholie ins weite Gewölbe hauchte, wie Clara Holdenried mit Yunil Yang wendig und lebendig die Bratschenmittelstimmen gestaltete - das war schlicht meisterhaft. Alexander Hülshoff lenkte vom zweiten Cello aus diese Sinfonie für sechs Streicher souverän und klangsatt durch alle Klippen und Untiefen Brahmsscher Verschachtelungen – wie der Steuermann eines Luxusschiffs der Kammermusik. Am Ende blieb nur noch pure, mitreißende, bewegende Kammermusik übrig blieb. Eine Welle von Bravos antwortete auf die Klangwogen des Finales. Und auch zuvor, im Duo von Zoltán Kodály, ließen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer mitreißen - vom unfassbar schönen Klang der zarten Stellen und vom virtuosen Auftrumpfen im ungarischen Stil. Boris Garlitsky spielte den Geigenpart so jugendlich gespannt und blitzblank, dass von „altmeisterlich“ keine Rede sein konnte, und Alexander Hülshoff hielt mit – in ebenso weichen Pizzicati, ebenso zarten Kantilenen, in blind vertrautem Dialog. Wenn dann ein Abend auch noch mit dem wehmütigen Sextett aus Capriccio von Richard Strauss beginnt, ist das Streicherglück perfekt. Am Samstagabend wiederholte sich die Sternstunde auf Burg Trifels – wieder unter mittelalterlichen Gewölben.

Fr., 12.8., 19:30 Uhr – Antoniuskapelle Mainz
Sa., 13.8., 20 Uhr – Burg Trifels Annweiler
Boris Garlitsky, Violine | Alexander Hülshoff, Violoncello | Junge Streicher*innen der Villa Musica: Pauline van der Rest, Violine | Clara Holdenried und Yunil Yang, Viola | Moritz Weigert, Violoncello
Zoltán Kodály: Duo für Violine und Violoncello, op. 7
Richard Strauss: Streichsextett aus der Oper Capriccio
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 2 G-Dur, op. 36