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Dorothea Enderle (vierte von links), noch einmal im Kreis ihrer Kolleginnen und Kollegen von Villa Musica. Von links: Prof. Alexander Hülshoff, Staatssekretär Dr. Denis Alt, Prof. Dr. Karl Böhmer, Dorothea Enderle, Georg Rudolph May, Monika Fuhr, Dr. Heidrun Miller, Dr. Felix Hertel.

Abschied von Dorothea Enderle

Es war ein bewegender Abschied nach beinahe einem Vierteljahrhundert: Dorothea Enderle, Musikchefin von SWR2 in Baden-Baden, war seit März 1996 Mitglied im Vorstand der Villa Musica. Kurz vor ihrem Ruhestand beim Sender sagte sie auch ihren Kolleginnen und Kollegen von Villa Musica Adieu. Zugleich konnte sie ihren Nachfolger Dr. Felix Hertel im Vorstand vorstellen. Staatssekretär Dr. Denis Alt würdigte als Vorstandsvorsitzender die Verdienste von Dorothe Enderle für Villa Musica.

„Liebe Frau Enderle,

Exakt 23 Jahre und sechs Monate waren Sie als Mitglied im Vorstand der Villa Musica tätig – beinahe ein Vierteljahrhundert oder ein Drittel eines Lebens. Das ist eine sehr lange Zeit, für die ich an dieser Stelle meinen allerherzlichsten Dank sagen möchte.

Ihre Mitgliedschaft begann mit einem unscheinbaren Eintrag im Protokoll der Vorstandssitzung vom 22.3.1996: „Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßt der Vorstandsvorsitzende ganz herzlich Dorothea Enderle als neues Vorstandsmitglied.“ Vorstandsvorsitzender war damals Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig. Ihre weiteren Vorstandskollegen hießen: Prof. Klaus Arp, Alfons Moritz und Prof. Ulf Rödenhäuser. Es sollte nicht lange dauern, bis Sie in diesen Vorstand von Männern weibliche Klugheit und Sensibilität einbrachten. Es wurde ein Vorstand von Freunden, in dem Sie für den Südwestfunk entscheidende Impulse setzten.

Richtig: für den SWF. Denn damals war eines der großen Projekte in Ihrem Arbeitsleben noch nicht vollzogen: die Fusion mit dem Südfunk zum zukünftigen SWR. Also trug etwa das erste Wochenende „Alte Musik am Rhein“ 1998 noch den Stempel des SWF – und natürlich Ihren Stempel. So wie später das Festival RheinVokal. Sie haben es mit erfunden, ihm die Richtung und den Namen „RheinVokal“ gegeben. Und Sie haben immer wieder die Rolle der Musik und die Rolle des Radios bei Villa Musica hochgehalten.

Alles aufzuzählen, was Sie im Vorstand an künstlerischen Impulsen setzen konnten, würde hier zu weit führen. Deshalb bleiben wir noch einen Moment bei der Villa Musica von damals und vergleichen ein wenig mit Heute: Im März 1996 befand sich die Villa Musica in einer Phase des Aufbruchs. Viele Projekte standen noch in den Sternen: Noch hatte Villa Musica keine Betriebs-GmbH. Die Akademie für Kammermusik im Schloss Engers war ja gerade erst eröffnet worden, in einer Baustelle. An eine Landesmusikakademie war noch nicht zu denken, geschweige denn an ein Hambacher Schloss.

1996 hießen die aktuellen Themen der Villa Musica: Wolokolamsk, die erste Prüfung durch den Rechnungshof, der Aufbau einer Instrumentensammlung des Landes, die Gründung eines Freundeskreises für die Stiftung. Bei den Freunden gehörten Sie als Nr. 005 zu den Gründungsmitgliedern. Das Stiftungskapital der Villa Musica war damals bei satten 7,5 % angelegt, das Ensemble Villa Musica garantierte den hohen Standard der Nachwuchsarbeit. Der Vorstand konnte das zehnjährige Jubiläum der Stiftung im November 1996 vorbereiten – in aller Ruhe, aber mit der Ruhelosigkeit eines Prof. Hofmann-Göttig und eines Kurt Karst.

Sie haben noch einige weitere Jubiläen bei Villa Musica miterlebt. Alle waren Landmarken in der Geschichte der Stiftung: 2005: Zehn Jahre Schloss Engers unter Staatssekretär Roland Härtel und kurz danach die Premiere von „RheinVokal“. 2006: 20 Jahre Villa Musica unter dem zurückgekehrten Hofmann-Göttig mit SWR-Live-Übertragung aus der Mainzer Staatskanzlei.  2011: 25 Jahre Villa Musica unter Walter Schumacher, unmittelbar, bevor Prof. Alexander Hülshoff der Stiftung ein neues künstlerisches Profil gab. 2016: 30 Jahre Villa Musica unter Prof. Salvatore Barbaro vor einer begeisterten Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Wenn wir am 29. Mai nächsten Jahres 20 Jahre Schloss Engers feiern, werden Sie hoffentlich mit dabei sein, aber leider nicht mehr als Vorstandsmitglied.

Wie sich die Villa Musica zwischen diesen Jubiläen entwickelt hat, wissen Sie selbst am besten: dass die Zinsen von damals nicht mehr die von heute sind, dass sich die Aufgaben und Herausforderungen vervielfältigt haben. Sie haben das in weit mehr als 150 Vorstandssitzungen selbst mitgestaltet, mitgetragen und auch oft kritisch hinterfragt. Dafür sage ich Ihnen heute unseren ganz herzlichen Dank.

Wenn es so etwas wie die Verdienstmedaille der Villa Musica gäbe, würde ich sie Ihnen jetzt verleihen. Stattdessen haben wir uns für Wein aus Rheinhessen und der Pfalz entschieden, für ein schönes Buch über Ihr Lieblingsland und für einen klingenden Abschied vom Haus.“

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