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Spontanes Benefizkonzert: Wolfgang Niedecken und Mike Herting mit ihrem Bob Dylan-Programm auf dem Schlosshof Engers.

Niedecken singt in Engers für die Flutopfer

Große Summe für ein gutes Werk: Wolfgang Niedecken hat mit seinem Benefizkonzert in Schloss Engers 30.689,54 Euro für die Flutopfer eingespielt. Ein großer Dank an ihn und alle Unterstützer, Helfer, Spender*innen!

Mehr als 30.000 Euro für die Flutopfer

Das Benefizkonzert von Wolfgang Niedecken auf dem Schlosshof in Neuwied-Engers war ein voller Erfolg. Eine Spendensumme von mehr als 30.000 Euro kam zusammen, durch den Ticketverkauf an rund 600 Zuhörerinnen und Zuhörer, durch spontane Spenden aus dem Publikum und weitere Spenden von Institutionen und Privatpersonen zu Gunsten der Flutopfer. Ermöglicht haben den Auftritt viele Kooperationspartner: die Villa Musica Rheinland-Pfalz als Hausherrin in Schloss Engers, der Kultursommer Rheinland-Pfalz, der die Technik-Kosten übernahm, SWR1, die Stadt Neuwied und das Kulturministerium. Wolfgang Niedecken hatte kurz vor dem Start seiner Bob Dylan-Tournee die Bilder aus dem verwüsteten Ahrtal im Fernsehen gesehen: „Das ist so unfassbar. Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen,“ sagte er im SWR-Interview. Mit seinem Bob Dylan-Programm kam Niedecken in den Schlosshof Engers und setzte im Duo mit Mike Herting ein Zeichen für Solidarität und politisches Umdenken. Innenminister Roger Lewentz begrüßte im Namen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und fand die rechten Worte für die Katastrophe in der Eifel und an der Ahr. Er legte eine Schweigeminute für die Opfer ein. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, spielte bewegende Cellotöne zu einem Dylan-Song. Das Publikum war begeistert von dem 150-Minuten-Abend.

So war's beim Konzert am 15.8. in Schloss Engers

Wenn Wolfgang Niedecken von seiner Jugend erzählt, kommt nicht nur Köln ins Spiel. Hörbar bewegt berichtete er, wie es zu seinem Benefizkonzert in Schloss Engers kam: Kurz vor dem Start seiner Bob-Dylan-Tour erfuhr er, wie die Flut in jenen Regionen gewütet hat, die er seit Kindertagen liebt: im Ahrtal, rund um Köln, im Bergischen Land. Hochwasser am Rhein sei für ihm ja vertraut, doch im Hinterland? Seine Fassungslosigkeit war immer noch zu spüren, und sie mündete in einen politischen Appell an alle, die da waren: Der Paradigmenwechsel muss kommen, wir müssen die Klimakatastrophe aufhalten! Nicht Jeder und nicht Jede applaudierte bei so viel direkter Botschaft, doch das ist Niedecken. Wie immer hat er es bei starken Worten nicht bewenden lassen: Mit seinen Tönen sorgte er an diesem Abend ganz praktisch für Hilfe und Abhilfe. Rund 30.000 € dürfte er im schönen Schlosshof von Engers für die Flutopfer eingesungen haben – durch die Ticketeinnahme von rund 600 Zuhörerinnen und Zuhörern, aber auch durch Einzelspenden. In nur 24 Stunden war der erste Schwung Tickets verkauft, und immer mehr Stühle mussten angebaut werden, damit auch die Abstände zum Coronaschutz gewahrt werden konnten. Am Ende war der Schlosshof restlos ausverkauft, es war eine prachtvolle Kulisse und ein perfekter Sommerabend - alles für die Solidarität mit den Flutopfern. Innenminister Roger Lewentz begrüßte im Namen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und fand die rechten Worte - für die Katastrophe in der Eifel und an der Ahr, für das Leid, aber auch die Hilfsbereitschaft. Und er legte eine halbe Schweigeminute für die Opfer ein. Alexander Hülshoff begrüßte im Namen der Hausherrin Villa Musica. Später glänzte er mit einem Cellosolo zu Dylans Musik und fand genau die richtigen Klassik-Töne für diesen bewegenden Abend.

Niedecken liest & singt Bob Dylan

Die Überschrift des Konzerts war denkbar schlicht: Niedecken liest und singt Bob Dylan. Was sich dahinter verbarg, war komplex: eine Parallelbiographie in Worten und Tönen. In seinem Buch über Bob Dylan hat Wolfgang Niedecken seine eigene Musikerbiographe anhand seines Idols erzählt: in Begegnungen mit der Musik, mit dem Nimbus und mit dem Performer Dylan – an den unterschiedlichsten Schauplätzen, von einer Schulaula im Kölner Umland über New York City bis in den Süden der USA. So baute er lesend um jeden Song eine Welt, zusammengesetzt aus seiner eigenen Lebensgeschichte und der seines Idols. Niedecken erzählte, wie er als Schüler mit Dylans Musik vom Band-Bassisten zum Sänger mutierte; wie er am Lincoln Memorial in Washington DC endgültig zu Dylan bekehrt wurde; wie er das umstrittene Deutschland-Debüt seines Idols 1978 in Dortmund erlebte; und wie hautnah er die Verwüstungen der großen Hurricanes in den USA erfahren hat. Was sich nach jeder dieser Episoden musikalisch abspielte, lässt sich kaum in Worte fassen: Niedecken lieferte sich mit Alleskönner Mike Herting am Piano einen Schlagabtausch der Töne, vollgesogen mit Lebenserfahrung, Dylan-Mania, Rockgeschichte und kritischer Weltbetrachtung, mit Kölsch und American English. Alles drin in diesen 150 Minuten fantastisch authentischer Performance! Und doch kamen sie immer wieder zurück: die Naturkatastrophen, die Hurricanes und Waldbrände, die durch viele Geschichten ihre grausame Spur zogen. So stand Wolfgang Niedecken an diesem Abend hörbar unter dem Zeichen der Not, die zu lindern er versprochen hatte. Doch immer wieder durchbrach er die andächtige Stimmung durch rheinländischen Humor. Als leidgeprüfter Fan konnte er kaum glauben, dass der 1. FC Köln die neue Bundesliga-Saison mit einem Sieg über Hertha begonnen hat, und schon hatte er alle Lacher auf seiner Seite. Falsche Pietät ist nichts für Wolfgang Niedecken: erzählen, singen, anpacken. Den schönen Sommerabend genießen und trotzdem helfen. In Dylan schwelgen für einen guten Zweck. Das ist Wolfgang Niedecken. Dass ihm die Winzer von der Ahr eine Kiste Wein zum Dank für sein Engagement in seine Künstler-Garderobe schickten, spricht Bände und hat ihn sehr gefreut. (Karl Böhmer)