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Immer einen Ausflug wert: Der Große Garten in Dresden, wo die Schumanns 1849 Ostern feierten.

Ostern in Dresden

Das Osterfest 1849 feierte Clara Schumann mit Mann und Kindern in Dresden – ein Ostern der Kammermusik, mit Klaviertrio und Cellostücken, und die Ruhe vor dem Sturm des Dresdner Maiaufstands.

Ostersonntag im Großen Garten

Noch war alles ruhig in Dresden. Nur wenige hätten ahnen können, dass schon vier Wochen später die Revolution über das Elbflorenz hereinbrechen würde. Noch waren alle Straßen rings um Frauenkirche und Hofkirche mit Osterspaziergängern gefüllt, nicht mit Leichen. Auch die Familie Schumann feierte ein heiteres Osterfest: 

Erster Osterfeiertag. – Mit Klara und den Kindern im großen Garten vergnügt.

So notierte Robert Schumann am 8. April 1849 in seinem Tagebuch. Das Palais im Großen Garten und die weiten Wege ringsum luden zum Osterspaziergang ein. Schon die Osternacht hatten die Schumanns zu einem „schönen Abendspaziergang“ genutzt. Besuche bei Freunden und ein Ausflug zum Waldschlößchen in der Karwoche künden von einem unbeschwerten Osterfest im Kreis der Familie. 

Musikalisch hatte es denkbar prachtvoll begonnen: Hofkapellmeister Richard Wagner hatte am Palmsonntag Beethovens Neunte Sinfonie und Mozarts Oratorium Davide penitente dirigiert. Natürlich waren die Schumanns anwesend. Es war das letzte Konzert, das jemals im riesigen alten Opernhaus am Zwinger stattfand, bevor es im Dresdner Maiaufstand ein Raub der Flammen wurde – nur einen Monat nach „Freude, schöner Götterfunken“ unter Wagners Leitung. 

Ostermontag mit Klaviertrio

Den Schumanns stand der Sinn nicht nach großen Chorwerken: Sie feierten ein Ostern der Kammermusik. Schumann nahm die beiden Klaviertrios wieder vor, die er schon 1847 in Dresden komponiert hatte. Am Ostermontag, 9. April, war diese „Triodurchsicht beendet“. Sie betraf vor allem das F-Dur-Trio, das er zur Drucklegung vorbereitete. Zwei Wochen nach Ostern kam es zur ersten Aufführung („Trio in F-Dur Ia"). Clara saß am Flügel. Mit ihr musizierten der Dresdner Konzertmeister François Schubert und sein Cello spielender Bruder Fritz. Die Drei waren ein perfekt eingespieltes Klaviertrio, seit Clara mit den Dresdner Brüdern im Winter 1848/49 eine höchst erfolgreiche Soireen-Reihe im Hôtel de Saxe bestritten hatte. Entsprechend vollendet erklang das F-Dur-Trio an jenem 24. April. Für unser Horbeispiel haben wir den langsamen Satz mit dem Trio Sora aus Paris ausgewählt, das in diesem Jahr die Osternacht in der Villa Musica in Mainz und das Festkonzert am Ostersonntag in Schloss Engers gespielt hat:

Robert Schumann: Klaviertrio F-Dur, op. 80, 2. Satz: Mit innigem Ausdruck, Trio Sora

https://www.youtube.com/watch?v=h2ONgPy6Dbw

Neue Cellostücke nach Ostern

Am selben Nachmittag des 24. April 1849 kamen Schumanns neue Cellostücke zur Uraufführung. Die Fünf Stücke im Volkston waren die eigentliche Neuheit jenes glücklichen Osterfestes 1849. Schumann hatte die ersten vier Sätze an den Tagen nach Ostern geschrieben und das fünfte Stück am 17. April nachgeschoben. Schon eine Woche später wurden sie von Clara am Klavier und dem Cellisten Fritz Schubert aus der Taufe gehoben. Das Glück eines herrlichen Frühlingstags hat Schumann im zart schwebenden Adagio der Nr. 2 eingefangen. Man höre nur die wundervolle Aufnahme mit Steven Isserlis und Christoph Eschenbach. Zur Belohnung für die gelungene Premiere lud Robert seine Frau am folgenden Tag ins Waldschlößchen ein. Man feierte den sechsten Geburtstag von Töchterchen Lischen (Elise Schumann) – genau dort, wie die Dresdner heute noch ihre Familienfeiern begehen.

Robert Schumann: Fünf Stücke im Volkston, op. 102, Nr. 2 Langsam (Steven Isserlis, Christoph Eschenbach)

https://www.youtube.com/watch?v=BYDz379BNhQ

Revolution in Dresden

Wie anders lesen sich Robert Schumanns Tagebucheinträge eine Woche nach dem Kindergeburtstag und nur vier Wochen nach dem schönen Osterfest:

3. Mai: Die Revolution hier. – 4. Die Revolution. Spaziergang mit Klara – die Todten – die Brühlsche Terrasse – Abends durch die Stadt – Revolutionszustand – 5. Sonnabend. Die Suchenden - unsre Flucht - die Eisenbahn – nach Dohna - überall unheimlich - nach Maxen.

Die Schumanns wurden von der Wucht der Kämpfe in der zuvor so friedlichen Stadt völlig überrascht. Sie flohen aufs Land, wo Robert voller Bangen ausharrte, während sich Clara in die Höhle des Löwen wagte, um die Kinder und Habseligkeiten zu holen. Als die Schumanns wieder nach Dresden zurückkehrten, bot sich ihnen das „Bild einer schauerlichen Revolution" dar. Schumanns Werke aus jenem Frühling stehen dazu in einem seltsam anmutenden Kontrast: Klangbilder des Friedens und der Frühlingsidylle gegen die zerstörerische Gewalt von Kampf und Verwüstung. (Karl Böhmer)