News

Die Acht vom Mendelssohn-Oktett im DIanasaal (von links): Anna Katharina Wildermuth und Noémie Zipperling (Aris, Violine I und II); Hannah Kandinsky mit ihrem zweiten Geiger Evgenii Artemenkov; die Bratschisten Caspar Vinzens und Ignazio Alayza; die Cellisten Antonio Gervilla und Lukas Sieber (Foto: Barbara Harnischfeger).

Oktette

Quartettkonzerte mit Oktett-Finale: Die erfahrenen Quartettisten vom Aris Quartett aus Frankfurt und vom casalQuartett Zürich spielten mit jungen Kolleg*innen die romantischen Oktette von Mendelssohn und Svendsen.

Mendelssohn-Oktett mit Aris & Kandinsky

von Karl Böhmer

Es war eine furiose Vorstellung in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums: Erst ein pfiffiger, kniffliger, schwieriger Haydn, das D-Dur-Quartett aus Opus 20, souverän vorgetragen von der brillanten Geigerin Hannah Kandinsky  und ihren drei Kollegen aus Russland, Italien und Spanien. Zusammen bilden sie das Kandinsky Quartet, erst 2020 in Wien gegründet und doch schon erstaunlich reif im vibratoarmen, stilgerechten Haydnspiel. Dann kam ein mitreißender, slawisch tönender, wilder Schulhoff, die Fünf Stücke für Streichquartett von 1925, im Stehen von den hohen Streicher*innen des Aris Quartetts so frei und theatralisch vorgetragen, dass Cellist Lukas Sieber nach Herzenslust im vollen Basston schmettern konnte oder ganz fein ins Pianissimo zurückgehen. Spontane Lacher – im hehren Genre des Quartettabends eher selten – wurden beiden Interpretationen zahlreich gespendet.

Im Oktett von Felix Mendelssohn kamen dann beide Quartette zusammen: Anna Katharina Wildermuth, die Aris-Primaria, lenkte von der ersten Geige aus souverän und konzertant auftrumpfend in sehr schnellen Tempi, ideal verschmelzend mit Noémi Zipperling an der zweiten Geige. Lukas Sieber hielt mit seinem jungen spanischen Kollegen Antonio Gervilla an den beiden Celli kraftvoll gestaltend und klanglich opulent dagegen. Dazwischen wirbelten die vier Mittelstimmen quirlig und unfassbar synchron durch Mendelssohns Laufkaskaden: Hannah Kandinsky und Evgenii Artemenkov vom Kandinsky Quartet und die Bratschisten der beiden Ensembles, Caspar Vinzens und Ignazio Alayza. Eine gelungene Kooperation zwischen einem jungen Meisterquartett, das vor sechs Jahren noch selbst zu den Villa Musica-Stipendiaten zählte, und einem aufstrebenden Quartett von Heute: mitreißend im Duktus, im Zugriff hochvirtuos, im Klang mal sinfonisch prachtvoll, mal zart poetisch. Ein sehr sportlicher Mendelssohn im Stil des Jahres 2022.

Fr 7.10., 20 Uhr – Hüttenhaus Herdorf
Sa 8.10., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz
So 9.10., 17 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers
Joseph Haydn: Quartett D-Dur, op. 20 Nr. 4 (Kandinsky Quartett)
Erwin Schulhoff: Fünf Stücke für Streichquartett (Aris Quartett)
Felix Mendelssohn: Oktett Es-Dur, op. 20

Svendsen-Oktett mit Casal & Valor

Als der Norweger Johan Svendsen 1866 in Leipzig sein Oktett für Streicher vorstellte, war das Publikum hingerissen. Bei Villa Musica kamen für dieses strahlende A-Dur-Werk zwei Ensembles zusammen: das junge Valor Quartett aus Weimar und das erfahrene casalQuartett aus Zürich. Seit ihrer Stipendiatenzeit bei der Villa Musica bilden die Geigerin Rachel Späth und der Bratschist Markus Fleck das Rückgrat des Casal Quartetts. In seiner neuen Besetzung mit Felix Froschhammer an der ersten Violine und Sebastian Braun am Cello widmete sich das casalQuartett an den vergangenen beiden Abenden dem e-Moll-Quartett Aus meinem Leben von Smetana, dem Meister der „Moldau“. Bei der Matinee in Grafschaft-Holzweiler stand wegen einer Umbesetzung im Quartett Mozarts „Preußisches Quartett Nr. 3“ auf dem Programm. Das junge Valor Quartett eröffnete die drei Konzerte mit zehn Minuten schönster Pastoralmusik aus England: mit dem „Phantasy Quartet“ der Komponistin Imogen Holst aus dem Jahr 1928. Die Tochter des großen Gustav Holst schrieb dieses preisgekrönte Quartett als 21-jährige Studentin am Royal College of Music. Am Ende kamen die beiden Quartette zusammen, um Svendsens Oktett aufzuführen – eine romantische Europareise in Tönen.

So 9.10., 11 Uhr – Villa Bellestate, Grafschaft-Holzweiler

Wolfgang Amadeus Mozart: „Preußisches Quartett Nr. 3“ F-Dur, KV 590 (casalQuartett)
Imogen Holst: „Phantasy Quartet“ (Valor Quartett)
Johan Svendsen: Oktett A-Dur, op. 3