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Alexander Hülshoff mit seinem Grancino-Cello im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Künstlerischer Direktor der Villa Musica, Initiator der Reihe Dalì und Beethoven und Cellist in Rodolfo Halffters grandioser Cellosonate.

Sommer in Rolandseck

Es war ein wunderbarer Konzertsommer im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, zieht Bilanz: Dalì und Beethoven, Weltstars der Klassik und Raritäten aus der Halffter-Familie.

Villa Musica im Arp Museum Bahnhof Rolandseck – ein Resümee von Alexander Hülshoff

Shut-Down

Als im März der Shut-Down kam, standen wir kurz davor, unsere Reihe Dalí und Beethoven mit einer Uraufführung zu eröffnen. Gemeinsam mit Oliver Kornhoff hatten wir fantastische musikalische Fäden rund um die große Dalí-Ausstellung im Museum gesponnen, auch mithilfe von Pedro Halffter, dem spanischen Dirigenten und Komponisten, dessen Großonkel Ernesto und Rodolfo mit Dalí befreundet waren. Im März wollte Pedro Halffter sein neues Klavierquintett aus der Taufe heben, das er Hommage an Dalí und Beethoven genannt hat. Und dann stand plötzlich alles in den Sternen ...

„Wir spielen wieder“

Mittlerweile konnten wir diese Weltpremiere nachholen, wie so Vieles andere. Der Mut, wieder zu spielen, hat sich ausgezahlt, für unsere Musiker wie unser Publikum. Statt geplanter drei Konzerte im Frühjahr konnten wir im Sommer zehn Konzerte im Arp Museum veranstalten, zwar mit reduzierter Zuhörerzahl, aber stets bei vollem Haus. Wir haben ein unglaublich begeisterungsfähiges Publikum angetroffen, das unsere Beiträge zum unterbrochenen Beethovenjahr mit Sehnsucht erwartet hatte. Für unsere jungen Musiker, die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica, waren die Auftritte im herrlichen Foyer des Arp Museums unvergessliche Momente voller Intensität, gerade nach der langen Pause im Frühjahr.

Halffter-Uraufführung

Besonders beeindruckt hat mich Pedro Halffters neues Klavierquintett. In ihm fließt alles zusammen, was unsere Kooperation mit dem Arp Museum ausmacht: Brücken zwischen Kunst und Musik zu schlagen, zwischen Moderne und Vergangenheit, zwischen Weltstars der Klassik und ihren jungen Kollegen von Heute. Pedro Halffter hat in seinem wunderschönen Quintett die Werke seiner eigenen Familie reflektiert, die mit Dalí befreundet war, und er hat einen Spaziergang Beethovens durch Gemälde von Dalí entworfen. Dabei hat ihn ein junges Streichquartett der Villa Musica, das Adelphi Quartett aus Salzburg, so brillant unterstützt, dass es viele Bravos gab, in zwei ausverkauften Aufführungen hintereinander. So hatten wir uns das vorgestellt, und so ist es im Sommer auch gekommen, nur mit ein paar Monaten Verzögerung.

Weltstars in Rolandseck

Es ist kein Geheimnis: Der Bahnhof Rolandseck war und ist eine Heimat für große Klassik-Künstlerinnen und -Künstler. Daran hat sich in der Kooperation zwischen Villa Musica und dem Museum nichts geändert, im Gegenteil: Mit Guy Braunstein und seinem Klavierpartner Ohad Ben-Ari konnten wir im August zwei Musiker wieder im Arp Museum begrüßen, die lange Jahre hier gewirkt und das Publikum beim Rolandseck-Festival nachhaltig beeindruckt haben. Zu erleben, wie sie hier wieder aufgenommen wurden, in zwei großen Beethovensonaten, war ein bewegender Augenblick. Eine Beethovensonate hatte natürlich auch Daniel Müller-Schott mit dabei, doch sein Auftritt hier im Museum war kein Recital. Mit Stipendiatinnen und Stipendiaten spielte er das großartige Klavierquintett von Schostakowitsch. Ein Weltklasse-Cellist im Zusammenspiel mit unserem Nachwuchs - das ist das Markenzeichen der Villa Musica.

Halffter-Entdeckungen

Der Name „Halffter“ spielte in unserem Programm dank Pedro eine bedeutende Rolle, auch über sein neues Quintett hinaus: Er brachte Werke seiner Großonkel Ernesto und Rodolfo mit. Ernesto war der Jungstar der spanischen Musik in den Zwanziger Jahren. Sein impressionistisch flirrendes Streichquartett von 1923, mit 18 Jahren komponiert, hat alle beeindruckt. Sein Fröhlicher Marsch mit einer Zeichnung seines Freundes Dalí war ein besonderer Clou zur Dalí-Ausstellung. Die größte Entdeckung für mich: die Cellosonate seines älteren Bruders Rodolfo, der nach Mexiko auswanderte. Eine große, tonale, unglaublich virtuose Cellosonate aus dem Jahr 1960 – so etwas gibt es nur im amerikanischen Repertoire jener Zeit.

Perfekte Kooperation

Im lichtdurchfluteten Foyer des Arp Museums zu sitzen und große Klassik zu hören, mit Blick auf den Rhein, das ist ein unvergleichliches Erlebnis, auch in Corona-Zeiten. Doch es muss auch perfekt organisiert sein. Ein ganz großes Kompliment an Oliver Kornhoff und sein Team! Im Besonderen möchte ich Verena Düren danken, die unsere Konzerte minutiös betreut hat. Das war alles perfekt organisiert, vom Ticket-Handling bis zum Placement unter Corona-Bedingungen und zu den Pressekontakten. Im Sommer 2020 solche Konzerte durchzuführen, auf Abstand, mit Hygiene-Maßnahmen und jeweils zweimal hintereinander, war kein Spaziergang – weder für die Musiker, noch für die Organisatoren. Trotzdem hatte es die Leichtigkeit und den festlichen Glanz einer echten Sommerreihe.

Die neue Saison

Natürlich geht es auch in der neuen Saison weiter mit unserer Kooperation: Gleich am 20. September werden wir einen Sonntag voller Musik gestalten unter dem Motto Nächster Halt Rolandseck: drei Konzerte um 11, 15 und 18 Uhr mit den unterschiedlichsten Klassikakzenten mitten unter den Kunstwerken des Museums, das ist schon eine ganz große Sache. Bernd Glemser kommt im November, im Dezember bringen wir unsere Erfolgsserie Vivaldi im Advent nach Rolandseck, jeweils parallel zu aktuellen Ausstellungen. Und nächstes Jahr geben sich die Stars ein Stelldichein: Christian Tetzlaff kommt am Pfingstmontag, Pinchas Zukerman an Fronleichnam, und das Tel Aviv Wind Quintet setzt einen israelischen Akzent im Programm. Um nur drei besonders schöne Programme zu nennen.