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Die Romantik ist auch auf der Opernbühne ihr Markenzeichen: Julia Kleiter 2019 in Covent Garden (Foto: Mark Douet).

RheinVokal 2022

Morgen beginnt das Festival der schönen Stimmen, der Weltklasse-Chöre und A Cappella Ensembles am Rhein. Hier ein Überblick über herausragende Solostimmen des Festivals.

Die charismatischen Stimmen von RheinVokal

Julia Kleiter, Schubert-Sopran aus Limburg

Schuberts „Ave Maria“ mit Julia Kleiter – sicher ein Höhepunkt im RheinVokal-Festival 2022. Dabei ist die bekannte Sopranistin aus Limburg „nur“ die Einspringerin für ihren Kollegen Kubheka aus Südafrika, der sich entschlossen hat, Priester zu werden, und deshalb sein Konzert mit „South African Songs“ absagen musste. Redakteurin Sabine Fallenstein vom SWR fand einen mindestens so reizvollen Ersatz: Julia Kleiter singt einige der schönsten Schubert-Lieder von „An die Musik“ bis zu „Memnon“ und dem „Ave Maria“ mit dem vorzüglichen Pianisten Daniel Heide als Begleiter. Wer Julia Kleiter schon einmal im Konzert oder auf der Opernbühne erlebt hat - als Eva in den Meistersingern, in Mozart- oder Straussrollen –, der wird ihren dunkelgold schimmernden Sopran und ihren leidenschaftlichen Gesang schwerlich vergessen können. Ein Muss für Schubert- und Liedfans.

Schubert-Lieder
Sonntag, 24.7., 17 Uhr – Schloss Montabaur
Julia Kleiter, Sopran | Daniel Heide, Klavier
Schubert: Lieder nach Schiller, Shakespeare, Leitner, Mayrhofer, Claudius, Seidl und Sir Walter Scott (aus den Oper 6, 52, 58, 88, 95 und 106)

Xavier Sabata, Countertenor und Filmschauspieler aus Katalonien

Samtweich klingt die dunkle Altstimme von Xavier Sabata, dem bekanntesten Countertenor Spaniens, der am 26. Juni in Ingelheim das Festival RheinVokal eröffnet. Doch sein Charisma geht weit über die Barockoper hinaus. In seiner Heimat ist der Katalane als Filmschauspieler mindestens so bekannt wie auf der Opernbühne. Auch als Theaterschauspieler ist er regelmäßig zu erleben. Das RheinVokal-Publikum darf sich in Ingelheim auf einen filmreifen Auftritt freuen, wenn Sabata einige der schönsten venezianischen Barockarien singt. Neben dem Wiegenlied der Arnalta aus der Krönung der Poppea von Monteverdi stehen Arien und Lamenti von Cavalli und Cesti auf dem Programm. Ihre Opernhits La Calisto und L’Orontea füllten schon um 1650 die venezianischen Opernhäuser und wurden 300 Jahre später zu Vorreitern der Barockopern-Renaissance. Sie haben nichts von ihrem Charme eingebüßt. Xavier Sabata und die spanische Barockgeigerin Lina Tur Bonet bringen diesen Charme mit rhythmischer Verve und barockem Klangsinn über die Rampe des kING, das sich an diesem Abend in ein venezianisches Opernhaus verwandelt.

Viva Venezia
Sonntag, 26.6., 19 Uhr – kING Ingelheim
Xavier Sabata, Countertenor | Ensemble MUSica ALcheMica | Lian Tur Bonet, Barockvioline und Leitung
Opernarien aus La Callisto von Cavalli, Orontea von Cesti und Poppea von Monteverdi
Madrigale von Caccini, Ferrari und Monteverdi
Sonaten und Ciacconen von Castello, Corelli, Uccellini und Merula

Hannah Morrison, Bachsopran aus Köln

Wenn Hannah Morrison Bachs Hochzeitskantaten singt, zieht die Leichtigkeit des Seins in der Sayner Hütte ein: „Sich üben im Lieben, im Scherzen sich herzen, ist besser als Florens vergängliche Lust.“ Der schwerelose Sopran der schottischen Sängerin war schon bei den größten Alte Musik-Events zu erleben, etwa bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall unter Johan Eliot Gardiner. In der Sayner Hütte lässt die Wahl-Kölnerin Bachs Ohrwürmer federleicht durch den Raum tanzen, während die „Harmonie universelle“ stilecht die Akzente setzt. Der Kölner Barockgeiger Florian Deuter, die argentinische Geigerin Mónica Waisman und ihr Ensemble breiten vor ihrer Primadonna sommerliche Klangteppiche aus: „Weichet nur, betrübte Schatten“. „O Holder Tag, erwünschte Zeit“! Taghelle Sommermusik ist auch Bachs 5. Brandenburgisches Konzert im Glitzerglanz von Traversflöte, Geige und Cembalo.

Bach pur
Samstag, 16.7., 19 Uhr – Sayner Hütte, Bendorf-Sayn
Hannah Morrison, Sopran | Harmonie Universelle | Florian Deuter und Mónica Waisman, Barockvioline und Leitung
Bach: Zwei Hochzeitskantaten für Sopran:
„Weichet nur, betrübte Schatten“, BWV 202
„O holder Tag, erwünschte Zeit“, BWV 210
Brandenburgisches Konzert Nr. 5, BWV 1050

Elena Zhidkova, Wagner-Diva aus Sankt Petersburg

Seit 15 Jahren singt die russische Mezzosopranistin Elena Zhidkova die großen Partien von Wagner auf den Bühnen der Welt: Venus in Bayreuth und Dresden, Fricka in Genf und Berlin, Brangäne in Tokio und Kundry an der Wiener Staatsoper. Seit ihrem Debüt an der Deutschen Oper hat sie sich mit ihrer satten Stimme auch in der Berliner Philharmonie einen festen Platz erobert. Dort sang sie unter Claudio Abbado und Nikolaus Harnoncourt. Der Pianist Nikolaus Rexroth ist ihr Begleiter, wenn sie im Arp Museum Bahnhof Rolandseck tief ins „Fin de Siècle“ eintaucht: Weltvergessen und Todessehnsucht in den Tönen eines Wagner und Mussorgsky.

Wesendonck-Lieder
Sonntag, 31.7., 18 Uhr – Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Elena Zhidkova, Mezzosopran | Nikolaus Rexroth, Klavier
Richard Wagner: Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck
Modest Mussorgsky: Lieder und Tänze des Todes
Klavierstücke des Fin de Siècle