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Die Sayner Hütte lockte am vergangenen Samstag mit spektakulärer Industrie-Architektur und fantastischem Händel – RheinVokal at its best (Foto: Herbert Piel).

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Furiose Primadonna: Francesca Lombardi Mazzulli sang in der Sayner Hütte eine echte Gala des Barockgesangs mit fantastischen Kantaten des jungen Händel.

Händel-Finale vor dem EM-Finale

Wenn das kein gutes Omen fürs EM-Finale war! Francesco Lombardi Mazzulli zündete am Samstag in der Sayner Hütte ein Feuerwerk der schnellen Töne. Was virtuose Dribblings anbelangt, wies sie Insigne, Immobile & Co. den Weg. Treffsicher in fast jedem Ton, mit perfekter Ballabgabe zum Orchester, bewies die Primadonna aus Italien, wo nicht nur der Calcio, sondern auch der Belcanto zuhause ist. Auf dem Programm standen nur Werke aus Händels italienischen Jahren, als der Hallenser noch ein Tifoso war und kein Engländer. Auch das Orchester l'arte del mondo trägt einen italienischen Namen und hat das Azzurro im Klang. Sein künstlerischer Leiter Werner Ehrhardt liebt Italien und hat mehr für die Wiederentdeckung italienischer Komponisten des 18. Jahrhunderts getan als irgendein Anderer in der Alten Musik hierzulande. Die Leitung lag bei einem echten Römer: Massimiliano Toni. Was sollte da in London noch schiefgehen? Auch an Dramatik konnten die beiden Händel-Kantaten mit dem Elfmeter-Schießen des EM-Finales mithalten. Als prophetisch erwies sich dabei der Text der ersten Arie in Händels Kantate Delirio amoroso: "Un pensiero voli in cielo" "Ein Gedanke fliege zum Himmel". Die Tifosi sind im Fußball-Himmel angekommen, und eine Händel-Primadonna ist ihnen vorausgeflogen.

Händel in ItalienDelirio amoroso, HWV 99; Agrippina condotta a morire, HWV 110; Concerti von Gregori und Marcello

Francesca Lombardi Mazzulli, Sopran; Barockorchester L'arte del mondo (Solo-Oboe: Susanne Regel, Konzertmeister: Werner Ehrhardt); Cembalo und Leitung: Massimiliano Toni

Die nächsten Konzerte des Festivals:

17. Juli, Abteikirche Maria Laach, 19 Uhr, Römische Marienvesper: Zehn Solisten der Rheinischen Kantorei singen unter ihrem Leiter Hermann Max eine römische Marienvesper aus dem Heiligen Jahr 1675. In die frommen Gesänge des toskanischen Barockmeisters Alessandro Melani schließen sie das Gebet für die vielen Opfer der Flutkatastrophe in der Eifel ein. Das Kleine Konzert begleitet mit barocken Continuo-Instrumenten.

18. Juli, Schloss Engers, 15 & 18 Uhr, Balladen: Zwei Mal ausverkauft ist der doppelte Ballden-Nachmittag in Schloss Engers. Den Silberglanz seines Baritons lässt der Mainzer Gesangsprofessor Hans Christoph Begemann in den schönsten Balladen von Carl Loewe glänzen: Goethes „Zauberlehrling“, „Schatzgräber“ und viele weitere fantastische Geschichten, übersetzt in souveräne Liedkunst gemeinsam mit dem Pianisten Thomas Seyboldt. Dazwischen trifft sich das Musikalische Quintett zum kritischen SWR-Gespräch über Liedkunst und Balladen. DIe SWR-Redakteurin Sabine Fallenstein und ihr Kollege Jörg Lengersdorf sind mit von der Partie.

24. Juli, Stadthalle Boppard, 19 Uhr, Wochenend und Sonnenschein: Nur noch zehn Jahre trennen diese sechs Sänger vom goldenen Bühnen-Jubiläum: Die Singphoniker begeistern ihr Publikum seit 40 Jahren durch A-Cappella-Kunst auf höchstem Niveau. Was sie letztes Jahr beim Mainzer Musiksommer zeigten, bringen sie nun in die Stadthalle Boppard: ihre alte Liebe zu den Comedian Harmonists. „Wochenend und Sonnenschein“, „Veronika, der Lenz ist da“ und andere Evergreens dürfen dabei nicht fehlen. Hinzu kommt ein weiterer Star der Dreißiger Jahre: Carl Orff mit Auszügen aus den Carmina Burana. Wenn das keine Reise ins Tal der Loreley wert ist!

30. Juli, Schlosshof Engers, 18 Uhr, Rebekka Bakken: Noch ein Stück weiter nördlich liegt das wunderschöne Barockschloss Engers – mit seinem goldglänzenden Balkon direkt am Rheinufer. Der barocke Schlosshof bietet ein traumhaftes Ambiente für Open-Air-Konzerte, auch am 30. Juli, wenn dort Jazz-Diva Rebekka Bakken gastiert. Die Norwegerin, die in New York studierte und in Wien ihre Berufung fand, lebt heute in Schweden. Sie verwandelt das Kultursommer-Motto Nordlichter in sattgoldenes Leuchten.

Dies alles und noch viel mehr bieten die 18 Konzerte des Festivals bis Ende August. Infos und Karten hier auf dieser Homepage und im RheinVokal-Büro: 02622 / 9264250 und www.rheinvokal.de.