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Macht immer eine gute Figur: Nabil Shehata am Dirigentenpult, zugleich einer der großen Kontrabassisten unserer Zeit (Foto: Robert Stewart).

Forellenquintett 2023

Mit Schubert ins neue Jahre: Das Forellenquintett war als spätes Neujahrskonzert in Kaiserslautern, Remagen-Rolandseck, Mainz und Frankenthal zu hören. Verena Düren sprach im Vorfeld mit dem Kontrabassisten Nabil Shehata.

Mit Schubert ins neue Jahr

Schwungvoll gegen den Januar-Schnee: Schuberts „Forellenquintett“ war das Hauptwerk in der Januartournee mit dem Kontrabassisten Nabil Shehata. Nach drei sehr gut besuchten Konzerten in der Fruchthalle Kaiserslautern, im Arp Museum Bahnhof Rolandseck und in der Mainzer Villa Musica war der Abend im CongressForum Frankenthal der krönende Abschluss der Tournee mit dem früheren Solo-Bassisten der Berliner Philharmoniker, der mittlerweile eine zweite Karriere als Dirigent begonnen hat. Mit von der Partie waren der französische Geiger Mohamed Hiber und Villa Musica-Stipendiat*innen aus vier Ländern. Schubert schrieb sein „Forellenquintett“ 1819 für einen Kammermusik-Enthusiasten aus Oberösterreich. 60 Jahre später griff der blinde Wiener Josef Labor die Idee auf – eine ideale Vorlage für Nabil Shehata und seine jungen Mitspieler. Bei Schulhoff, dem Dadaisten aus Prag, traf der Kontrabass auf eine kesse Flöte und eine wilde Bratsche. Ein Kammermusik-Feuerwerk drei Wochen nach Neujahr. In Mainz trotzte das Publikum der Januarkälte mit Musikbegeisterung und vorsichtigen Schritten auf den freigeräumten Wegen zur Villa Musica und zu den anderen Spielstätten.

So., 22.1.2023, 18 Uhr – Frankenthal, CongressForum

Nabil Shehata Kontrabass | Mohamed Hiber Violine | Junge Streicher*innen der Villa Musica | Séverine Kim, Klavier

Franz Schubert: „Forellenquintett“ A-Dur, D 667
Erwin Schulhoff: Concertino für Flöte, Viola und Kontrabass
Josef Labor: Quintett e-Moll für Klavier, Streichtrio und Kontrabass, op. 3

Interview mit Nabil Shehata, Dirigent, Kontrabassist und Festivalmusiker in Rolandseck

von Verena Düren

Du bist ja seit einigen Jahren vor allem als Dirigent tätig. Wie viel Kontrabass spielst Du noch?
Fünf- bis sechs Mal pro Jahr mache ich noch schöne Kammermusikprojekte. Das genieße ich sehr und mache ich immer noch gerne. Wenn solche Projekte anstehen, dann brauche ich aber auch immer circa vier bis sechs Wochen Vorlauf, um auf dem Kontrabass wieder fit zu sein. Die restliche Zeit lege ich den Kontrabass durchaus auch mal ganz beiseite. 

Wie lange bist Du jetzt schon Chefdirigent in Siegen?
Ich bin seit der Spielzeit 2019/20 dort Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen. Mein Vertrag geht jetzt noch bis 2024, aber es gibt aktuell Gespräche hinsichtlich einer möglichen Verlängerung. Seit ich dort bin, ist  das Dirigieren mein Schwerpunkt geworden. Vorher habe ich die Kammeroper München geleitet, die aber nur projektweise gearbeitet hat. Außerdem hatte ich damals noch die Professur an der Hochschule in München, so dass ich sehr intensiv unterrichtet habe. Seit 2019 liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit in Siegen.

Inwieweit hat sich Dein eigenes Kammermusizieren durch Deine Tätigkeit als Dirigent verändert?
Natürlich habe ich die Kolleg*innen bei der gemeinsamen Kammermusik nun auch anders im Blick, aber ich möchte da vorsichtig sein und meine Rolle als Bassist nicht aufblähen. Es hat seine musikalischen und historischen Gründe, dass bei Streicherensembles die 1. Violine die Führung übernimmt. Aber es ist natürlich schön, wenn man auch bei dieser Rollenverteilung auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Das Dirigieren hilft natürlich auch beim Unterrichten. Je mehr Erfahrung man hat, desto mehr und besser kann man Tipps geben.

Kannst Du mir etwas über die Werke des Konzerts in Rolandseck sagen?
Das Forellenquintett ist natürlich das bekannteste Werk für die Besetzung Klavier, Streichtrio und Kontrabass. Trotz der doch sehr begrenzten Anzahl von Projekten mit Kontrabass spiele ich es mindestens einmal im Jahr. Völliges Neuland ist für mich jedoch das Quintett von Josef Labor. Ich kannte das Stück vorher gar nicht – es war die Idee von Alexander Hülshoff, es ins Konzert aufzunehmen. Es sind sehr viele Bass-Soli enthalten, die sehr virtuos sind. Das verwundert insofern nicht, weil Labor das Quintett dem Kontrabassisten Franz Simandl gewidmet hat, der bis heute noch ungemein wichtig für Bassisten ist, weil von ihm die wichtigsten Schulen sind, mit denen wir arbeiten. Und das dritte Werk von Schulhoff ist natürlich mit Flöte, dabei auch viel Piccolo, Bratsche und Kontrabass ebenfalls eine interessante Besetzung und entstand 1925.

Du bist nicht zum ersten Mal in Rolandseck, sondern gehörtest lange Zeit zu den festen Festivalmusikern des Rolandseck-Festivals. Was verbindest Du mit Rolandseck?
(lachend) Das weißt Du doch auch sehr gut… Ich habe wirklich sehr schöne Erinnerungen an Rolandseck. Die Festivals mit Guy Braunstein waren für mich so etwas wie goldene Jahre. Ich war gerade erst als Bassist bei den Berliner Philharmonikern und hatte die Möglichkeit, im Sommer mit dieser besonderen Gruppe von Musiker*innen zu arbeiten. Diese besondere Art des Festivals, wo wir alle über einen längeren Zeitraum hinweg vor Ort waren und hier zusammen gearbeitet und gelebt haben, war für mich auch Motivation, in Verden mein eigenes kleines Festival zu gründen. Dabei sind mir gerade diese Aspekte wie ein harter Kern von Musikern, die immer wieder spielen und auch eine überschaubare Gruppe sehr wichtig. So entsteht ein ganz wunderbares Familiengefühl, das ich so auch in Rolandseck kennengelernt habe. Ich hab wirklich sehr schöne Erinnerungen an Rolandseck!