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Zwei furiose Geigerinnen und ihre tiefen Streicherkollegen im Schubert-Oktett: Dozentin Jiyoon Lee an der ersten Violine mit Ekaterina Perlina (Violine II), Hyunil Yang (Viola), Timothy Hopkins (Violoncello) und Daniel Kamien (Kontrabass). Foto: Norbert Buschmann, Kreis der Kulturfreunde Herdorf.

Schubert-Oktett

Jiyoon Lee spielte Schuberts gewaltiges Oktett mit sieben Alumni der Villa Musica zwischen den Römersteinen des Mainzer Landesmuseums, im Hüttenhaus Herdorf und in Schloss Engers. Die Konzertmeisterin von Daniel Barenboim in der Staatskapelle Berlin und ihr junges Ensemble wurden für drei bewegende Konzerte gefeiert.

Das erste Konzert im Hüttenhaus Herdorf seit 20 Monaten

Villa Musica macht’s möglich: Am vergangenen Freitag wurde das Hüttenhaus Herdorf nach langer Zwangspause mit Musik von Beethoven und Schubert auf denkbar fulminante Weise wachgeküsst. Dafür dankten am Ende begeisterte Zuhörer/innen, die Presse mit zwei Redaktionen (Rhein-Zeitung und Siegener Zeitung) und der Vorsitzende der Kulturfreunde Herdorf: Norbert Buschmann. „Seit 20 Monaten hat hier im Hüttenhaus keine Kultur stattgefunden. (Der doppelte Lockdown und ein Wasserschaden hatten das historische Hüttentheater im Westerwald für fast zwei Jahre lahmgelegt.) Wir sind sehr stolz, dass die Villa Musica uns mit der Ausrichtung dieses Konzerts betraut hat. Ich kann Ihnen versprechen, es wird ein unvergesslicher Abend werden.“ Die sieben jungen Musiker/innen und ihre Dozentin Jiyoon Lee lösten Norbert Buschmanns Versprechen in mitreißender Manier ein.

Beethoven-Trio

Schon der Anfang des Konzerts ließ aufhorchen: das G-Dur-Trio aus Beethovens Opus 9, fulmimant gespielt von der Dozentin Jiyoon Lee an der Violine, vom vorzüglichen koreanischen Bratschisten Hyunil Yang und vom viel bewährten Cellostipendiaten Timothy Hopkins. Der Beethoven-Biograph Paul Bekker hörte aus diesem Trio „ein stark symphonisches Element“ heraus. Dem blieben die Trio-Spieler in Herdorf, Mainz und Engers nichts schuldig: Zur Beethoven-Symphonie fehlte nur der Klang des großen Orchesters. Die Kontraste, die starken Akzente, der Impetus und der Eclat triomphal - alles war da, auf nur drei Instrumenten technisch perfekt gespielt und mit feinsten Nuancen versehen: zart im Adagio, witzig im Scherzo, perfekt synchron in den Staccato-Passagen des Finales. Dankbarer Applaus.

Schubert-Oktett

65 Minuten später gab es kein Halten mehr: Das Publikum feierte alle acht Musiker/innen für ein bravouröses Schubert-Oktett. In Mainz wurde das Ensemble fünf Mal nach vorne gerufen. Spätestens ab dem traumhaft schönen langsamen Satz war es eine beglückende Reise durch Schubertsche Klangwelten. Was die Prager Klarinettistin Anna Sysová an langen Legato-Linien und feinsten Nuancen vorgab, wurde von Jiyoon Lee im Kanon aufgegriffen und weitete sich im achtköpfigen Zusammenspiel zu schönstem Schubert-Cantabile. Kraftvoll das Scherzo, lustvoll akzentuiert schon das Thema der Variationen, die sich beständig steigerten, fein gesungen das Menuett und erschütternd der plötzliche Einbruch von f-Moll in der Einleitung des Finales. Im Finalallegro waren die Oktettisten dann endgültig im Schubert-Flow angekommen, und das Publikum konnte sich daran nicht satthören. Nur die fortgeschrittene Stunde verhinderte ein Da Capo dieses hinreißend gespielten Finales.

Jiyoon Lee, Konzertmeisterin der Staatskapelle Berlin

Dass die koreanische Geigerin Jiyoon Lee Daniel Barenboims Konzertmeisterin in der Staatskapelle Berlin ist, kann man nach dieser Kammermusik-Sternstunde verstehen: Wie cool sie die gefürchteten Triolen im Finale meisterte und alle anderen technischen Tücken, die Schubert dem Primarius in seine Stimme geschrieben hat, hört man wahrlich nicht alle Tage. Sie leitete umsichtig, gab die entscheidenden Akzente, war dabei überaus kommunikativ und aufgeschlossen für den Genius loci. Die Römersteine im Mainzer „Pergamon-Museum“ haben sie nachhaltig beeindruckt und inspiriert, was sich auf ihre Mitspieler übertrug. Neben den schon genannten waren dies die russische Geigerin Ekaterina Perlina, der portugiesische Fagottist Francisco Lopes Soutinho, der rheinland-pfälzische Hornist Karsten Hoffmann und der israelische Kontrabassist Daniel Kamien - ein Schubert-Oktett aus sechs Nationen. 

Fr., 24.9., 20 Uhr – Hüttenhaus Herdorf

Sa., 25.9., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz

So., 26.9., 11 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers

Jiyoon Lee, Violine & Stipendiat*innen der Villa Musica Rheinland-Pfalz

Ludwig van Beethoven: Streichtrio G-Dur, op. 9 Nr. 1

Franz Schubert: Oktett F-Dur, D 803