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Konzertmeisterin in Berlin, Virtuosin auf den Konzertpodien der Welt und Dozentin bei Villa Musica: Jiyoon Lee.

Schubert-Oktett

Jiyoon Lee spielte Schuberts gewaltiges Oktett mit sieben Alumni der Villa Musica zwischen den Römersteinen des Mainzer Landesmuseums und im Hüttenhaus Herdorf - heute um 11 Uhr auch in Schloss Engers.

Schubert und Beethoven zwischen Römersteinen

Schon der Anfang des Konzerts ließ aufhorchen: das G-Dur-Trio aus Beethovens Opus 9, fulmimant gespielt von der Dozentin Jiyoon Lee an der Violine, vom vorzüglichen koreanischen Bratschisten Hyunil Yang und vom viel bewährten Cellostipendiaten Timothy Hopkins. Der Beethoven-Biograph Paul Bekker hörte aus diesem Trio „ein stark symphonisches Element“ heraus, ja geradezu Beethovens „Hang zur symphonischen gedanklichen Gestaltung“. Dem blieben die Trio-Spieler in der Mainzer Steinhalle nichts schuldig: Zur Beethoven-Symphonie fehlte nur der Klang des großen Orchesters. Die Kontraste, die starken Akzente, der Impetus und der Eclat triomphal - alles war da, auf nur drei Instrumenten technisch perfekt gespielt und mit feinsten Nuancen versehen: zart im Adagio, witzig im Scherzo, mitreißend im Finale. Dankbarer Applaus.

65 Minuten später gab es kein Halten mehr: Bravos und nicht endenwollenden Applaus nach dem Schubert-Oktett. Fünf Mal wurden die Musikerinnen und Musiker nach vorne gerufen. Es war eine begeisternde Aufführung des allerlängsten Instrumentalwerks von Franz Schubert. Im ersten Satz musste sich das Oktett noch auf die Saalakustik einrichten, die natürlicherweise die Bläser bevorzugt. Doch ab dem traumhaft schönen langsamen Satz war es ein wahrhaft beglückendes Schubert-Erlebnis. Was die Prager Klarinettistin Anna Sysová an langen Legato-Linien und feinsten Nuancen vorgab, wurde von Jiyoon Lee im Kanon aufgegriffen und weitete sich im achtköpfigen Zusammenspiel zu schönstem Schubert-Cantabile. Kraftvoll das Scherzo, lustvoll akzentuiert schon das Thema der Variationen, die sich beständig steigerten, fein gesungen das Menuett und erschütternd der plötzliche Einbruch von f-Moll in der Einleitung des Finales. Im Finalallegro waren die Oktettisten dann endgültig im Schubert-Flow angekommen, und das Publikum konnte sich daran nicht satthören. Nur die fortgeschrittene Stunde verhinderte ein Da Capo dieses hinreißend gespielten Finales.

Dass die koreanische Geigerin Jiyoon Lee Daniel Barenboims Konzertmeisterin in der Staatskapelle Berlin ist, kann man nach dieser Kammermusik-Sternstunde verstehen: Wie cool sie die gefürchteten Triolen im Finale meisterte und alle anderen technischen Tücken, die Schubert dem Primarius in seine Stimme geschrieben hat, hört man wahrlich nicht alle Tage. Sie leitete umsichtig, gab die entscheidenden Akzente, war dabei überaus kommunikativ und aufgeschlossen für den Genius loci. Die Römersteine im Mainzer „Pergamon-Museum“ haben sie nachhaltig beeindruckt und inspiriert, was sich auf ihre Mitspieler übertrug. Neben den schon genannten waren dies die russische Geigerin Ekaterina Perlova, der portugiesische Fagottist Francisco Lopes Soutinho, der rheinland-pfälzische Hornist Karsten Hoffmann und der israelische Kontrabassist Daniel Kamien - ein Schubert-Oktett aus sechs Nationen. Zu hören ist es heute noch einmal: Sonntag, 26.9., 11 Uhr im Dianasaal von Schloss Engers. Es gibt noch ein paar Plätze für Kurzentschlossene.

Fr., 24.9., 20 Uhr – Hüttenhaus Herdorf

Sa., 25.9., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz

So., 26.9., 11 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers

Jiyoon Lee, Violine & Alumni der Villa Musica Rheinland-Pfalz

Ludwig van Beethoven: Streichtrio G-Dur, op. 9 Nr. 1

Franz Schubert: Oktett F-Dur, D 802