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Alexander Hülshoff mit seinem Grancino-Cello im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Künstlerischer Direktor der Villa Musica, Initiator der Reihe Dalì und Beethoven und Solist beim Tag der Musik.

Tag der Musik in Rolandseck

Es war ein Tag voller Musik im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: drei Konzerte von Mozart bis Neikrug, Alexander Hülshoff mit seinem wundervollen Grancino-Cello, Boris Garlitsky an der Violine, Karl-Heinz Steffens an der Klarinette und viele mehr.

Mit einem wahrhaft festlichen Auftakt starteten die Villa Musica und das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in ihre zweite gemeinsame Musiksaison. Der 20. September stand ganz im Zeichen der Musik unter dem Motto Nächster Halt Rolandseck: In drei Konzerten und Klassik von Beethoven bis Bernstein erinnerten die Musikerinnen und Musiker an die große Historie des Musenbahnhofs am Rhein.

Um 11 Uhr Brahms, Bernstein und Neikrug. Alle drei waren hier im Bahnhof Rolandseck zu Gast, aber zu sehr unterschiedlichen Zeiten: der Hamburger aus Wien, das Genie der amerikanischen Musik und der Piano-Composer aus Santa Fe. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Direktor der Villa Musica, packte sie in ein packendes Trioprogramm, das am Abend zuvor in der Villa Musica in Mainz erklungen war. Grandioses Finale: das Klarinettentrio Opus 114 von Brahms. Mit seiner herbstlichen Aura und dem sanften Licht der Mittelsätze passte es perfekt ins frühherbstlich durchlichtete Foyer des Arp Museums. Karl-Heinz Steffens bewies, wie man mit unverwechselbar deutschem Klarinettenklang den ganzen Zauber der Brahmsschen Musik in die weiten Hallen von Rolandseck bannen kann, im beständigen und subtil austarierten Dialog mit Alexander Hülshoffs Cello. Michal Friedlander saß am Flügel und ließ die reifen Klangtrauben des Brahmsschen Klaviersatzes in schönster Rundung am Weinstock leuchten. Die israelische Pianistin, die in Genf geboren wurde und in Berlin lebt, war vor 32 Jahren eine der ersten Stipendiatinnen der Villa Musica und des Bahnhofs Rolandseck. Damals gab es noch kein Arp Museum - umso schöner, dass sie nun hier musizieren konnte. Vor dem Brahms-Trio erinnerten die Musiker an zwei amerikanische Komponisten, die beide in Rolandseck zu Gast waren: Leonard Bernstein und Marc Neikrug. Karl-Heinz Steffens spielte die frühe Klarinettensonate des Harvard-Studenten Bernstein, Alexander Hülshoff zwei Cellostücke von Neikrug. Lange ist's her, dass Neikrug in den Räumen des Künstlerbahnhofs als junger Pianist und Komponist seine Kreise zog. Heute ist er längst etabliert, mit seinem Kammermusikfestival in Santa Fe und mit seinen Kompositionen. Alexander Hülshoff und Michal Friedlander stellten sein frühes Continuum als wienerisch neutönendes Kompendium vor und schwelgten danach im satten Bouquet des Stückes Petrus, das nach einem berühmten Bordeaux-Wein benannt wurde. Wie ein Bordeaux im Glas leuchteten dunkel die hohen Cellokantilenen von Alexander Hülshoff.

Um 15 Uhr zeigten die beiden aktuellen Stipendiaten der ZIRP ihr Können: junge Musikerinnen und Musiker, die von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz mit Jahresstipendien gefördert werden. Die Geigerin Morgae Voisin brillierte in kapriziösen Rondos von Saint-Saëns und Mozart, am Klavier begleitet von Hyunghee Hwang. Die junge Musikerin aus Kandel, Jahrgang 2004, kann auch schwelgen: In Tschaikowskys süßen Kantilenen ließ sie ihren Geigenton hoch und schön durch die weiten Hallen des Arp Museums schweifen. In der 21. Caprice von Paganini bewies sie ihre Treffsicherheit und Nervenstärke solissima. Ihr Kollege Enrico Noel Czmorek aus Manderscheid wagte sich gleich ans ganz große Klavierfach: ans gefürchtete Finale der siebten Prokofjew-Sonate und an Chopins erste Ballade. Im ersten Satz von Beethovens Pathétique huldigte er dem Jahresregenten aus Bonn, ohne den auch in Rolandseck anno 2020 fast kein Konzertabend stattfinden kann.

Um 18 Uhr stand wieder Beethoven im Mittelpunkt - wie bei so vielen Konzerten im vergangenen Sommer. Villa Musica und das Arp Museum Bahnhof Rolandseck spielten im Hochsommer trotz Corona zehn Konzerte zum Thema Beethoven und Dalí im Rahmen von BTHVN 2020. Dazu lieferte der Tag der Musik einen wunderbaren Nachklang in Beethovens oft unterschätztem D-Dur-Streichtrio aus Opus 9. Der Geiger Boris Garlitsky, Professor in Paris und Essen, langjähriger Konzertmeister in London und einer der tragenden Dozenten der Villa Musica, sorgte für reinste Wiener Klassik im Diskant, die israelische Stipenbdiatin Shira Majoni für samtigen Viola-Glanz und Alexander Hülshoff für profunde Cellotöne plus leuchtende Kantilenen. Alle, die im Beethovenjahr ihren Mozart noch nicht vergessen haben, durften sich zum Abschluss des Tages über das große Divertimento KV 563 freuen - fast auf den Tag genau 232 Jahre nach seiner Uraufführung in Wien.

Sonntag, 20.9.2020, Arp Museum Bahnhof Rolandseck

11 Uhr: Von Brahms bis Bernstein

Karl-Heinz Steffens, Klarinette

Alexander Hülshoff, Violoncello

Michal Friedlander, Klavier

Robert Schumann: Fantasiestücke, op. 73

Marc Neikrug: Continuum und Petrus für Cello und Klavier

Leonard Bernstein: Klarinettensonate

Johannes Brahms: Trio a-Moll, op. 114

15 Uhr: ZIRP-Stipendiaten in Concert

Junge VirtuosInnen aus Rheinland-Pfalz, gefördert von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz e.V. 

Morgane Voisin, Violine

Hyunghee Hwang, Klavier

Werke von Mozart, Paganini, Saint-Saëns und Tschaikowsky

Enrico Noel Czmorek, Klavier

Chopins 1. Ballade, Auszüge aus Beethoven Pathétique op. 13 und Prokofjews 7. Sonate op. 83

18 Uhr: Wiener Klassik

Boris Garlitsky, Violine

Shira Majoni, Viola

Alexander Hülshoff, Violoncello

Ludwig van Beethoven: Streichtrio D-Dur, op. 9 Nr. 2 

Wolfgang Amadeus Mozart: Divertimento Es-Dur, KV 563