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Preisverleihung auf der Bühne des Mainzer Schlossers: Bratschistin Shira Majoni (links) erhält von Barbara Harnischfeger und Prof. Alexander Hülshoff die Preisskulptur zum Villa Musica Stern 2021. (Foto: Uli Stelter)

Villa Musica Stern 2021

Shira Majoni hat den Villa Musica-Stern 2021 noch einmal erhalten: beim Mainzer Musiksommer im Kurfürstlichen Schloss. Die Bratschistin aus Israel nahm den Preis im Rahmen eines exquisiten Trioabends entgegen.

Villa Musica Stern 2021

Barbara Harnischfeger und Prof. Alexander Hülshoff verliehen im Mainzer Schloss den Preis VILLA MUSICA STERN 2021 an die Stipendiatin Shira Majoni aus Israel. Wie in jedem Jahr wurde der Preis in Höhe von 3.000 Euro gestiftet von den FREUNDEN DER VILLA MUSICA e.V. Alexander Hülshoff würdigte die Preisträgerin und überreichte gemeinsam mit Barbara Harnischfeger die Preisskulptur. „Das ist sowas wie der Oscar“, sagte die Freundeskreis-Vorsitzende Barbara Harnischfeger zu Beginn ihrer im wahrsten Sinne des Wortes funkelnden Moderation. Fazit von Alexander Hülshoff: „Shira Majoni ist eine herausragende Musikerin. Sie hat in ihren drei Jahren als Stipendiatin der Villa Musica bei vielen ganz besonderen Projekten mitgewirkt: zwei Mal mit Pinchas Zukerman, mehrfach mit Boris Garlitsky. Sie hat auf diese Weise das ganze Land Rheinland-Pfalz kennen gelernt, von den kleinen Landsynagogen bis zu den großen Sälen. Auch das spielt für die Preisvergabe eine entscheidende Rolle.“ Auf Englisch bedankte sich die Preisträgerin mit bewegenden Worten: Sie habe in ihren Jahren bei der Villa Musica so unglaublich viel gelernt und sei der Landesstiftung so dankbar dafür. Sie habe so viele herausragende Dozenten erlebt, die man nur hier erleben könne. Und sie träume davon, auch weiterhin möglichst viel Kammermusik zu machen. Was sie mit ihrem Preisgeld anfangen möchte? Eine CD produzieren, war die spontane Antwort. Wer dazu noch zusätzlich etwas spenden möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

Die Preisträgerin:

Shira Majoni, Viola, geboren 1989, wuchs in Italien und Israel auf. Sie erhielt ihren ersten Violaunterricht am Jerusalem Music Centre. Ihren Bachelor schloss sie bei Chaim Taub an der Buchman-Mehta School in Tel Aviv ab, ihren Master machte sie bei Kim Kashkashian am New England Conservatory. Derzeit befindet sie sich im Diplom-Studiengang an der Barenboim-Said Akademie in Berlin bei Yulia Deyneka. Weitere künstlerische Impulse erhielt sie von Pamela Frank, Ralph Kirshbaum, Wolfram Christ, Gary Hoffman und Rainer Honeck. Sie gewann 2013 den Top Prize für Viola und den Special Prize for Best Peformance of an Israeli Composition beim Aviv Wettbewerb in Israel. Sie war Stipendiatin der America-Israel Cultural Foundation, der Barenboim Said Stiftung und des New England Conservatory. Seit 2016 ist sie Stipendiatin der Villa Musica Rheinland-Pfalz. Orchestererfahrung sammelte sie u.a. im West Eastern Divan Orchestra, dem Ensemble  Wind of Change und als Mitglied des Streichquartetts der Israel Defense Forces. Ihre Konzerte führten sie durch Israel und die USA, zum Jerusalem Chamber Music Festival, Ravinia Festival, Caramoor Rising Stars und Open Chamber Music. Sie spielt auf einer Viola von Douglas C. Cox, die ihr vom Ravinia Festival’s Steans Music Institute zur Verfügung gestellt wird.

Das Preisträgerkonzert

Sonntag, 22.8., 19 Uhr - Kurfürstliches Schloss Mainz (Mainzer Musiksommer)

Es war ein ganz besonderer Abend, dieses Terzetto aus Viola, Violoncello und Gitarre. Denn wer hätte gedacht, dass Claudio Piastra aus Parma den großen Saal im Kurfürstlichen Schloss bis zur Empore mit Klang füllen kann? Dies bewies der Meistergitarrist solistisch in einem Preludio und einer Etüde von Heitor Villa-Lobos, die man so klangreich und expressiv nur selten zu hören bekommt. Bravo! Auch im Duo mit seinen Streicherpartnern hatte er keine Probleme durchzudringen: In den Spanischen Volksliedern von Manuel de Falla gab sich Shira Majoni eher zart und träumerisch zu den spanischen Gitarrenklängen von Piastra. In der Suite Nr. 1 des Italieners Raffaele Bellafronte ging es dagegen zupackend rhythmisch und mitreißend modern zu. Alexander Hülshoff verschmolz mit seinem Grancino-Cello und Piastras Gitarre zur perfekten Einheit - fetzig in den perkussiven Passagen, traumhaft schön in den kantablen Mittelteilen. Bravissimi! Dass Bellafronte ein großer Name der Neuen Musik ist und dass die Letztere in Italien nie so ganz neu tönt wie andernorts, wurde vom Publikum dankbar aufgenommen: Es lauschte hingebungsvoll dem Tango in der Mitte der Suite und spendete dem „hysterischen“ Finale (Isterico) frenetischen Applaus. Letzerer war auch dem Finale des Abends sicher: dem Terzetto concertante in Re Maggiore von Paganini. Ganz offenbar wurde der „Teufelsgeiger“ himmlich süß, wenn er für seine beiden anderen Instrumente komponierte: die Viola und die Gitarre. Sein Terzetto ist ein großes viersätziges Werk mit herrlichen Streicherkantilenen, geschickt platzierten Gitarrensoli (Menuett!) und allerhand Querverweisen auf die große Oper und seinen Freund Rossini. Shira Majoni glänzte als Primadonna, Alexander Hülshoff als Primo Tenore, und Claudio Piastra gab so viel italienischen Klangsinn hinzu, wie das Orchester seiner Gitarre nur eben hergab. Kein Virtuosen-Geplänkel, sondern eine Sternstunde frühromantischer Kammermusik genau in der Mitte zwischen Rossini und Schubert. Sicher wird niemand an diesem Abend ohne einen Ohrwurm nachhause gegangen sein: Paganins kleiner, feiner Walzer aus dem Finale des Terzetto war der perfekte „Rausschmeißer“. (Karl Böhmer)

Shira Majoni, Viola | Alexander Hülshoff, Violoncello | Claudio Piastra, Gitarre

Beethoven: Duo Es-Dur – De Falla: Spanische Volkslieder – Piazzolla: Tangos – Villa-Lobos: Preludio e Studio – Bellafronte: Suite Nr. 1 für Cello und Gitarre – Paganini: Terzetto D-Dur