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Abgang unter Bravos: Ori Kam vor seinen Mitspielern Gabriel Schwabe, Hyunil Yang, Carmen Dressler, Josef Vlček und Asi Matathias am Samstagabend in der Mainzer Steinhalle nach Schönbergs Verklärter Nacht.

Verklärte Nacht

Eine Sternstunde der Kammermusik: Ori Kam und Asi Matathias auf Augenhöhe im G-Dur-Quintett von Brahms und in der Verklärten Nacht von Schönberg, dazu Meistercellist Gabriel Schwabe und vier Stipendiat*innen im perfekt austarierten Kammermusikdialog.

Sternstunde mit Brahms und Schönberg

Erst andächtiges Schweigen, dann Bravos und lang anhaltender Applaus. Die ätherischen Klangbilder von Schönbergs Verklärter Nacht verklärten auch den Frühjahrsabend im Mainzer Landesmuseum zum unvergesslichen Erlebnis. 130 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten hingebungsvoll und ergriffen zwei der schönsten Kammermusikwerke, die je für Streicher geschrieben wurden. Was im späten G-Dur-Streichquintett von Brahms überschäumend vital begann und sich danach in überirdisch schönen Moll-Sätzen vom Erdenrest zu lösen anfing, hob in Schönbergs sinfonischer Dichtung für sechs Streicher endgültig in höhere Sphären ab. Es war eine Sternstunde der Kammermusik im wörtlichen Sinne: nicht mehr als 60 Minuten Musik und doch ein Hörerlebnis aus anderen Welten. Dafür sorgten vor allem zwei Israelis mit dem sechsten Sinn für Kammermusik: Asi Matathias und Ori Kam. Mit unfassbar kontrolliertem Bogenstrich, wunderschönem Ton und einer durchaus antagonistischen Gestaltung lieferten sie sich Dialoge auf Augenhöhe: Asi Matathias als Geigendozent mit Schmelz im Ton und einer butterweichen Phrasierung, Ori Kam als Meister des satten, singenden Bratschentons und der unbestechlichen rhythmischen Kontur. An ihrer Seite Stipendiat(inn)en der Villa Musica und der Tschechischen Kammermusik-Akademie mit feiner Einfühlung und hoher Professionalität: Natálie Toperczerová und Josef Vlček an den zweiten Geigen, Hyunil Yang an der zweiten Bratsche, Carmen Dressler am zweiten Cello. In der Mitte des Ensembles sorgte der frühere Villa Musica-Stipendiat und Kölner Celloprofessor Gabriel Schwabe immer wieder für große Momente im golden aufleuchtenden Celloton. Dabei zeichneten sich beide Interpretationen durch eher ruhige Tempi und breiten Atem aus – ein Musizieren des Aussingens und Auskosten, geformt von Meisterhänden. 

Sa., 28.5.2022, 19 Uhr – Landesmuseum Mainz
So., 29.5.2022, 17 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers
Asi Matathias, Violine – Ori Kam, Viola – Gabriel Schwabe, Violoncello – Stipendiat*innen der Villa Musica: Josef Vlček und Natálie Toperczerová, Violine – Hyunil Yang, Viola – Carmen Dressler, Violoncello
Brahms: Streichquintett Nr. 2 G-Dur, op. 111 – Schönberg: Verklärte Nacht, op. 4