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Geigerin Laura Handler im Interview. Das wertvollste Instrument der Landessammlung Rheinland-Pfalz glänzt im Licht: die Violine „Ex Schubert“ von Pietro Guarneri, erbaut in Mantua 1702 (Foto: Uli Stelter).

Spitzenklänge

Es war ein hinreißendes Konzert trotz des Gewitters über Mainz: Die Stipendiatinnen Laura Handler und Yuri Yoon spielten zwei Meisterinstrumente aus der Landessammlung Rheinland-Pfalz. Jürgen Hardeck begrüßte, Barbara Harnischfeger interviewte.

Sonderkonzert zum Landesjubiläum

Pünktlich zum großen Landesjubiläum in Mainz beleuchtete die Villa Musica ein klingendes Kapitel der Landesgeschichte: die Landessammlung wertvoller Streichinstrumente. Sie gehört seit fast drei Jahrzehnten zur Geschichte von Rheinland-Pfalz, wie Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck in seiner Begrüßung ausführte. Neun Meisterinstrumente aus Werkstätten von Italien über Paris bis London gehören zu dem Schatz, den die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur ihr eigen nennt. Weil aber wertvolle Streichinstrumente nicht gehütet, sondern gespielt werden wollen, sorgt die Landesstiftung Villa Musica dafür, dass die großartigen Instrumente alle paar Jahre in neue Musiker*innen-Hände kommen, die sie ebenso virtuos spielen wie sorgsam pflegen. 2022 kam es wieder zum Wechsel bei den jungen Nutzerinnen und Nutzern - ein willkommener Anlass, zwei der Instrumente und ihre neuen Spielerinnen vorzustellen. Das tat vor allem Barbara Harnischfeger im Interview zu Beginn des zweiten Teils - eine wunderbare Gelegenheit, junge Frauen der Klassik nicht nur am Instrument zu erleben.

Laura Handler auf der Guarneri von 1702

Im Konzert wie im Interview wurde rasch klar: Die junge Geigerin Laura Handler aus Bayern versteht sich blendend mit „ihrer“ Guarneri. Für vorerst zwei Jahre darf sie das Glanzstück der Landessammlung spielen: die berühmte Pietro Guarneri „ex Schubert“ von 1702. Sie gehörte einst jenem Dresdner Konzertmeister François Schubert, der mit Clara Schumann im Hôtel de Saxe zu Dresden legendäre Soireen spielte – auf diesem Instrument. Laura Handler zeigte, was in ihr steckt, wenn der Klang dieser Guarneri hinzu kommt: eine fantastische Geigerin mit großem Potential, wunderschönem Ton, kultiviertem Spiel in jeder Phrase, technisch perfekt und sehr ausdrucksvoll. In der c-Moll-Sonate von Grieg entfaltete sie den drängend-dramatischen Duktus der Ecksätze mit großer Verve und spielte die Romanze des Mittelsatzes so hinreißend schön, wie es nur wenige Geiger in ihrem Alter vermögen. Ein wahres Meisterstück war das Rondo capriccioso von Saint-Saëns: Wo sonst Virtuosen-Eitelkeit gerne über die Stränge schlägt, spielte sie schon das Thema rund, schön und kultiviert, mit der edlen Façon des französischen Stils. Makellos brillant die Passagen, wunderbar das Zusammenspielt mit Erika le Roux am Klavier. Bravos und lang anhaltende Begeisterung beim Publikum waren die Belohnung.

Yuri Yoon auf der italienischen Meisterbratsche

Unsere koreanische Stipendiatin Yuri Yoon entlockte der italienischen Meisterbratsche der Landessammlung ganz andere Töne: voll und satt, samtig und mit der gewissen Schwere, die man für Brahms braucht, dabei stets singend und in feiner Abstufung mit dem Klavier. Erika le Roux zeigte ihre Meisterschaft gerade in der zweiten Bratschensonate des späten Brahms mit ihren rhythmischen Verschiebungen und ihrer Vielschichtigkeit. Herrlich der Dialog der beiden Musikerinnen. Das Instrument, dem Yuri Yoon so satte Klänge entlockt, hütet das Geheimnis seines Erbauers bis heute: die italienische Meisterviola, die lange Zeit als „Cavalleri-Bratsche“ durch die Geigenbauer-Landschaft geisterte. Heute gilt sie als zwar anonymes, aber meisterliches Instrument aus dem Italien des späten 18. Jahrhunderts.

Donnerstag, 19.5., 19 Uhr – Villa Musica Mainz
Laura Handler, Violine von Pietro Guarneri (Mantua 1702) | Yuri Yoon, Viola (italienisch, 18. Jahrhundert) | Erika le Roux, Klavier

Robert Schumann: Adagio und Allegro As-Dur, op. 70
Edvard Grieg: Violinsonate Nr. 3 c-Moll, op. 45
Camille Saint-Saëns: Introduction et Rondo capriccioso, op. 28
Johannes Brahms: Violasonate Nr. 2 Es-Dur, op. 120 Nr. 2