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Versunken in Bach: Martin Stadtfeld im d-Moll-Konzert von Bach im Dianasaal von Schloss Engers (Foto: Barbara Harnischfeger).

Martin Stadtfeld

Ovationen für Martin Stadtfeld und fünf Villa Musica-Alumnen nach den Konzerten in Schloss Engers, Mainz und Rolandseck. Eine Huldigung an Auguste Rodin zwischen Bach und Debussy.

Brücken zwischen Bach und Frankreich

Das Programm der drei Abende war auf die aktuelle Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck maßgeschneidert: Auguste Rodin liebte die Musik Bachs, porträtierte Gustav Mahler in einer Büste und kannte seine Zeitgenossen Claude Debussy und César Franck. Als großer Bogen vom galanten Leipzig über Wien anno 1876 bis zum Paris des Fin de Siècle faszinierte das Programm auch Alexander Hülshoff, den Künstlerischen Direktor der Villa Musica: „Im Arp Museum, direkt neben den Skulpturen von Rodin, war das eine faszinierende, absolut überzeugende Werkauswahl, souverän gestaltet von unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten und dem so feinsinnig gestaltenden Martin Stadtfeld.“

Stadtfelds d-Moll-Konzert

Wahrhaft kammermusikalisch und doch mit dem Aplomb des großen Solokonzerts brillierten Martin Stadtfeld und fünf junge Villa Musica-StreicherInnen in Bachs d-Moll-Konzert BWV 1052  Die Ecksätze wurden zum Allegro furioso - im nie nachlassenden rhythmischen Impetus und der eisernen Konsequenz des harmonisch-motivischen Verlaufs. Martin Stadtfeld legte die perlenden Passagen seines Solos wie eine Folie über die gut gearbeiteten Mittelstimmen und den quicklebendigen Bass - ein Adieu an den gesitteten Bach früherer Jahrzehnte. In den großen Soli trumpfte er auf und brillierte. Nur Andreas Staier und Reinhard Goebel waren mit Musica Antiqua Köln noch schneller als das Villa Musica-Ensemble unter Martin Stadtfeld.

Fin de Siècle

Nach einer kurzen Pause entführten die Musiker das Pubkikum ins Paris der dritten Republik: Skurril-subtil-souverän loteten Simon Tetzlaff und Martin Stadtfeld die Cellosonate von Debussy aus, zwischen Neobarock und Moderne. Mit viel Parfüm, aber fein gearbeitet, ohne Pathos-Ritardandi und nebulöse Klangwolken führte Stadtfeld das junge Villa Musica-Streichquartett durch die mäandernden Sätze des riesigen Klavierquintetts von César Franck. Hier konnten die Geigerinnen Charlotte Woronkow und Mayu Tomotaki endlich den ganzen Schmelz ihres Klangs entfalten, getragen von Paula Mengel an der Bratsche und Simon Tetzlaff am Cello. Zum frenetischen Schlussapplaus kam auch noch einmal der vorzügliche Kontrabassist Akseli Porkkala mit auf die Bühne.

O-Ton Barbara Harnischfeger

Barbara Harnischfeger war in Engers mit dabei und ganz begeistert: „Martin Stadtfeld presents: eine Formation aus alumni der Villa Musica. Der Meister: verinnerlicht in seinen Bach-Solopassagen und gleichermassen zugewandt animierend für seine jungen PartnerInnen, mit denen er in der Kammermusikakademie in Schloss Engers das Konzert einstudiert hat. Mahler, Bach, Debussy ganz fein durchdrungen und packend zugleich. Bachs Cembalokonzert d-moll war der Hit. Perlende Klangrede in affenartiger Geschwindigkeit. Atemberaubend, perfekt.“

Martin Stadtfeld und Stipendiat*innen der Villa Musica
Bach: Konzert d-Moll, KV 1052
Mahler: Quartettsatz a-Moll
Debussy: Cellosonate d-Moll
Franck: Klavierquintett f-Moll