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Geigengenie mit dem sechsten Sinn für Kammermusik: Giora Schmidt aus New York.

Jüdisches Rheinland-Pfalz

Der New Yorker Geiger Giora Schmidt erinnerte mit vier Alumni der Villa Musica an bedeutende jüdische Komponisten aus der Geschichte von Rheinland-Pfalz: Felix Mendelssohn und Hans Gál.

Jüdisches Rheinland-Pfalz

Giora Schmidt, der New Yorker Geiger und Meisterschüler von Pinchas Zukerman, kennt die Namen Paul Ben-Haim und Hans Gál noch von seinen Eltern, die einst fürs Musikstudium von Israel nach Philadelphia zogen. Als seine Mutter in Tel Aviv ihr Cellostudium begann, war die Musik von Hans Gál den Israelis schon ein Begriff: der Wiener Jude aus ungarischer Familie, den die Nazis erst aus Mainz und dann aus seiner Heimatstadt verjagten, bevor er in Edinburgh eine neue Heimat fand. Bis ihn die Nazis vom Posten des Konservatoriums-Direktors durch eine Schmutzkampagne entfernten, prägte Hans Gál das Mainzer Musikleben für vier glanzvolle Jahre, 1929-1933. Seine erfolgreichen Opern der Zwanziger Jahre, seine Kammermusik und Sinfonik bewegen sich genau in der Mitte zwischen Brahms und der frühen Moderne. Dies zeigte Giora Schmidt in der köstlichen Serenade Opus 93 für Klarinette, Violine und Viola, zwar ein Spätwerk von 1970, doch noch immer durchdrungen vom nostalgischen Klang der Wiener Jahrhundertwende. Giora Schmidt holte den ganz eigenen Hans-Gál-Ton in den vier Sätzen meisterlich heraus, im Zusammenspiel mit zwei wunderbaren Villa Musica-Stipendiatinnen: Clarissa Schmitt an der Klarinette und Anne-Claire Dani am Cello.

In der Mitte des Programms folgte die magische Musik eines anderen jüdischen Emigranten: die Variationen für Klarinette und Streicher von Paul Ben-Haim. Während Hans Gál in Schottland eine neue Heimat fand, zog der Münchner Paul Frankenberger nach Palästina und wurde dort unter seinem neuen Namen zum Vater der klassischen Musik Israels. Seine Variationen strahlen eine Klangaura von friedlicher Natur aus wie sonst nur Aaron Coplands Appalachian Spring aus dem selben Jahr 1942.

Nach diesem meditativen Ruhepunkt sorgte das stürmische a-Moll-Quartett des achtzehnjährigen Felix Mendelssohn für einen furiosen Ausklang. Zwischen schäumenden Laufkaskaden, dramatischen Rezitativen, süßen Kantilenen und den unendlich rührenden Themen des jungen Mendelssohn konnte Giora Schmidt alle Register seiner Geigenkunst ziehen. Schöner kann man Mendelssohns Kantilenen nicht mit blühendem Gesang füllen als er. Unterstützt wurde er von den kongenialen Stipendiaten Stefan Zientek und Ionel Ungureanu an zweiter Geige und Bratsche. Anne-Claire Dani kam wieder als fein gestaltende Cellistin hinzu. Am Ende gab es verdiente Bravos für diese Meisterleistung eines Streichquartetts, das erst seit fünf Tagen zusammenspielte.

Freitag, 5.11., 19 Uhr – Synagoge Niederzissen
Samstag, 6.11., 19 Uhr – Villa Musica Mainz
Sonntag, 7.11., 17 Uhr – Evangelische Kirche Laufersweiler
Giora Schmidt und Stipendiat*innen der Villa Musica
Clarissa Schmitt, Klarinette | Stefan Zientek, Violine | Ionel Ungureanu, Viola | Anne-Claire Dani, Violoncello
Hans Gál: Serenade für Klarinette, Violine und Violoncello, op. 93
Paul Ben-Haim: Variationen für Klarinette und Streichquartett
Felix Mendelssohn: Streichquartett a-Moll, op. 13