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Vergnügliche Preisverleihung in der Villa Sachsen in Bingen: Bratschistin Shira Majoni (links) erhält von Barbara Harnischfeger den Villa Musica-Stern in skulpturaler Form, während Prof. Alexander Hülshoff die Preisurkunde präsentiert. Im Video zu sehen ab Minute 23:45.

Villa Musica Stern 2021

Es war eine gelungene Preisverleihung vor Kameras in der Villa Sachsen in Bingen: Unsere Bratschistin Shira Majoni aus Israel erhielt den Villa Musica Stern 2021. Die Video-Aufzeichnung steht seit 6. Mai im Internet.

Villa Musica Stern 2021

Aufzeichnung der Preisverleihung - You Tube Kanal der Stadt Bingen

KULTURSTROM Bingen - YouTube

Barbara Harnischfeger und Prof. Alexander Hülshoff verliehen am 30. April in der Villa Sachsen in Bingen den Preis VILLA MUSICA STERN 2021 an die Stipendiatin Shira Majoni aus Israel. Wie in jedem Jahr wurde der Preis gestiftet von den FREUNDEN DER VILLA MUSICA e.V. Alexander Hülshoff würdigte die Preisträgerin und überreichte gemeinsam mit Barbara Harnischfeger die Urkunde. Unsere Freundeskreis-Vorsitzende führte das Interview mit der sympathischen jungen Bratschistin, die in Florenz aufwuchs und in Israel und Berlin ausgebildet wurde. Anders als bei früheren Preisverleihungen konnte das Gespräch ganz locker im Sitzen in den wunderschönen Biedermeier-Räumen der Villa Sachsen stattfinden, denn die Kameras der Stadt Bingen haben alles professionell eingefangen. Patricia Neher und ihrem Team vom Kulturamt der Stadt Bingen sei herzlicher Dank gesagt für die Produktion dieses Streams, der ab 6. Mai auf You Tube zu sehen ist. „Alles gut gelaufen in Bingen“, so das Urteil der langjährigen TV-Journalistin und SWR-Studioleiterin Barbara Harnischfeger. Fazit von Alexander Hülshoff: „Sehr professionelle Aufzeichnung und auch musikalisch bewegend“.

Die Preisträgerin:

Shira Majoni, Viola, geboren 1989, wuchs in Italien und Israel auf. Sie erhielt ihren ersten Violaunterricht am Jerusalem Music Centre. Ihren Bachelor schloss sie bei Chaim Taub an der Buchman-Mehta School in Tel Aviv ab, ihren Master machte sie bei Kim Kashkashian am New England Conservatory. Derzeit befindet sie sich im Diplom-Studiengang an der Barenboim-Said Akademie in Berlin bei Yulia Deyneka. Weitere künstlerische Impulse erhielt sie von Pamela Frank, Ralph Kirshbaum, Wolfram Christ, Gary Hoffman und Rainer Honeck. Sie gewann 2013 den Top Prize für Viola und den Special Prize for Best Peformance of an Israeli Composition beim Aviv Wettbewerb in Israel. Sie war Stipendiatin der America-Israel Cultural Foundation, der Barenboim Said Stiftung und des New England Conservatory. Seit 2016 ist sie Stipendiatin der Villa Musica Rheinland-Pfalz. Orchestererfahrung sammelte sie u.a. im West Eastern  Divan Orchestra, dem Ensemble  Wind of Change und als Mitglied des Streichquartetts der Israel Defense Forces. Ihre Konzerte führten sie durch Israel und die USA, zum Jerusalem Chamber Music Festival, Ravinia Festival, Caramoor Rising Stars und Open Chamber Music. Sie spielt auf einer Viola von Douglas C. Cox, die ihr vom Ravinia Festival’s Steans Music Institute zur Verfügung gestellt wird.

Das Preisträgerkonzert:

Shira Majoni, Viola; Paul Rivinius, Klavier

George Enescu: Pièce de Concert (1906)

Ödön Partos: Yizkor (In memoriam)

Yehezkel Braun: The Jester’s Lament (1973)

Der Rumäne George Enescu war ein Wanderer zwischen den Welten des Balkans und Westeuropas. In Rumänien geboren und in Wien zum Violinvirtuosen ausgebildet, wurde er ab 1895 in Paris Kompositionsschüler von Massenet. Ein Kosmopolit, der die brodelnde Atmosphäre der beginnenden Moderne in eine ganz eigene Sprache umschmolz. In Deutschland gilt Enescu vor allem als Gegenvirtuose und Lehrer von Yehudi Menuhin, in Frankreich als einer der originellsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, in Rumänien als der größte Komponist des Landes. Sein Konzertstück für Viola und Klavier komponierte er 1906 als Pflichtstück für den Examenswettbewerb am Pariser Konservatorium. Er gehörte zur Jury und widmete das Stück dem ersten französischen Bratschenprofessor überhaupt: Téophile Laforge. Dieser gab für den Abschlusswettbewerb seiner Klasse jedes Jahr ein neues Stück in Auftrag, insgesamt 22 Werke zwischen 1896 und 1918. Erst 1894 hatte das Conservatoire eine eigene Klasse für Viola eingerichtet – 99 Jahre nach den Klassen für Violine und Violoncello. Laforge wurde mit 31 Jahren zu ihrem ersten Professor berufen und musste sich die Vorurteile seiner Kollegen erst durchsetzen!

Der Ungar Ödön Partos gehörte zur ersten Komponistengeneration im neu gegründeten Staat Israel und bildete als Professor für Viola in Tel Aviv eine ganze Generation israelischer Bratschisten aus. Geboren 1907 in Budapest, wuchs er als Geigen-Wunderkind mit der Musik von Bartók und Kodály auf. In den Goldenen Zwanzigern leitete er in Berlin das Orchester des Jüdischen Kulturzentrums. 1938 rief ihn Bronislav Huberman ins neu gegründete Palastine Orchestra, den Vorläufer des Israel Philharmonic Orchestra. Dort war Partos bis 1956 erster Solobratschist. Daneben spielte er im Israel Quartet und wurde Professor an der Musikakademie der University of Tel Aviv. 1977 ist er in Tel Aviv gestorben. International bekannt wurde Partos vor allem mit einem Werk: Yizkor, benannt nach dem jüdischen Trauergottesdienst für die Verstorbenen. Ursprünglich für Viola und Streichorchester komponiert, wird es auch in Fassungen mit Klavier aufgeführt. 

Der 2014 verstorbene Yehezkel Braun gehörte schon zur zweiten Generation israelischer Komponisten: 1922 in Breslau geboren, wanderte er mit seinen Eltern als Kind nach Palästina aus und wurde im neu gegründeten Staat Israel von den Professoren der Generation Partos ausgebildet. Ab 1966 hat er selbst als Professor in Tel Aviv gelehrt. Jüdische Synagogenmusik und gregorianischer Gesang waren seine wichtigsten Inspirationsquellen, auch für The Jester’s Lament für Viola solo (1973), „Die Klage des Narren“.

Shira Majoni bei Villa Musica

Es war ein unvergesslicher Moment in der Geschichte der Mainzer Villa Musica: Am 6. Juni letzten Jahres spielte Alexander Hülshoff mit zwei Stipendiatinnen Mozarts grandioses Divertimento für Streichtrio KV 563 als erstes Konzert nach dem Frühjahrs-Lockdown. Bei schönstem Wetter und offenen Fenstern lauschten zweimal 25 Zuhörerinnen und Zuhörer gebannt und beglückt darüber, endlich wieder Musik live hören zu können. Wie hätte man diesen Moment schöner feiern können als mit Mozarts Es-Dur-Trio? Alexander Hülshoff kennt jeden Takt in diesem längsten Mozartschen Kammermusikwerk auswendig. Souverän lenkte er seine beiden Mitspielerinnen durch sechs Sätze und 45 Minuten schönsten Mozarts. Nicht zufällig waren es die Villa Musica-Sterne 2020 und 2021: Die Pariser Geigerin Charlotte Chahuneau spielte auf ihrer wunderbaren Rogeri-Violine, einer Leihgabe von Helga Dyckerhoff. Die israelisch-italienische Bratschistin Shira Majoni glänzte auf ihrer ebenso klangvollen Cox-Bratsche (siehe unten ihre Biographie). Was die beiden jungen Musikerinnen in den Oberstimmen an rührendem Cantabile und rührigem Passagenwerk entfalteten, wurde von Hülshoff mit dem satten Celloton seines Grancino wunderbar grundiert - ein klassischer Villa Musica-Moment, dankbar aufgenommen von 50 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Der Glücksmoment wiederholte sich noch zwei Mal zu Beginn der neuen Saison: in Dannenfels und beim Tag der Musik im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Nun saß Boris Garlitsky am Violinpult und lieferte sich mit Shira Majoni einen Mozartschen Schlagabtausch über Hülshoffs Cellotönen. Mit diesen drei Konzerten hat Shira Majoni eine Visitenkarte abgegeben, die ihre Auszeichnung als Villa Musica Stern 2021 ebenso rechtfertigt wie viele frühere Auftritte bei unserer Stiftung. Mehr wird dazu zu sagen sein, wenn sie Ende Februar mit dem Stern ausgezeichnet wird – ob live in Bingen oder online, steht noch in den Sternen.