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Perfektes Barocktrio: Lina Tur Bonet aus Ibiza im roten Kleid mit Barockvioline, ihr römischer Kollege Valerio Losito in Schwarz an der zweiten Violine, vorne der Katalane Xavier Sabata in Weiß im inbrünstigen Gesang aus dem Seicento veneziano (Foto: Herbert Piel).

Viva Venezia

Es war ein würdiger Auftakt für ein Radiofestival des SWR und eine Zeitreise für das Publikum im kING in Ingelheim: Viva Venezia am 26.6. zur Festivaleröffnung von RheinVokal.

Venezianischer Barock in Ingelheim

Ein Programm wie zu den schönsten Zeiten der Alten Musik: reines 17. Jahrhundert, fantastische Ostinato-Bässe, die zum Mitswingen einluden, Ciaconnen, Bergamasken und Follias von Uccellini, Corelli, Merula und Falconieri. Allein schon, was Barockgeigerin Lina Tur Bonet mit ihrem Ensemble Musica Alchemica an Brillanz und perfekt abgestimmtem Zusammenspiel bot, war festivalreif. Hinzu kam die satte Countertenor-Stimme von Xavier Sabata. Der Katalane, der Monteverdi-Opern auch an der Wiener Staatsoper, In Madrid und anderen großen Opernhäusern singt, lieferte sich mit den Streichern einen wahrhaft beseelten, im Recitar cantando stilgenauen Schlagabtausch. Die Arien von Monteverdi, Cavalli und Cesti, die am 26. Juni im kING erklangen, füllten einst die ersten öffentlichen Opernhäuser der Welt mit Klang.Venezianer wie Venedig-Touristen wurden süchtig nach dem Gesang der Kastraten und Primadonnen. Noch waren die Orchester klein: Barockgeigerin Lina Tur Bonet kam mit fünf Musikern aus, um die Arien zu begleiten und dazwischen dreistimmige Sinfonien und Sonaten zu spielen. Mehr Orchestermusiker brauchte auch der große Monteverdi nicht, um seine Krönung der Poppea aufzuführen. Xavier Sabata sang das Wiegenlied der Arnalta mit der gleichen Inbrunst wie die Liebesarie der Orontea von Cesti und die Lamenti des Francesco Cavalli. Dabei ließ er seine satte Altsimme samtig schimmern wie in vielen preisgekrönten Einspielungen von Barockopern. Im ersten Teil ganz der Melancholie verhaftet, mit Monteverdis unvergesslichem "Sì dolce è il tormento" als Höhepunkt, ging er im zweiten Teil ebenfalls zu flotteren Tönen über, besonders in der abschließenden Ciacconna von Ferrari. Die Zugabe aber, die letzte Arie des Cain aus dem einzigen venezianischen Oratorium von Alessandro Scarlatti, Il primo Omicidio, stieß als hinreißend schönes Siciliano aus dem Jahr 1707 das Tor zum 18. Jahrhundert auf. Der bekannteste Altist Spaniens ist in seiner Heimat zugleich als Theaterdarsteller und Filmschauspieler bekannt - auch dies war im kING zu erleben, gefeiert vom dankbar begeisterten Publikum.

Viva Venezia – venezianische Opernarien aus dem Barock
Eröffnungskonzert RheinVokal 2022
Sonntag, 26. Juni, 19 Uhr – kING Ingelheim

Xavier Sabata, Countertenor

MUSIca ALcheMIca
Lina Tur Bonet, Barockvioline und Leitung
Valerio Losito, Violine
Marco Testori, Cello
Adrià Gràcia, Cembalo
Axel Wolf, Theorbe

Programm:
Monteverdi: „Adagiati, Poppea“ aus L’Incoronazione di Poppea
Monteverdi: „Se dolce e il tormento“ aus Scherzi musicali
Cavalli: Zwei Arien und ein Duett aus La Calisto
Cesti: „Intorno all’idol mio“ aus L’Orontea
Cesti: „Misero Apollo“ aus Gli amori di Apollo e di Dafne
Stradella: „Io per me non cangerei“ aus San Giovanni Battista
Folias, Ciaccone und Sonaten von Castello, Corelli, Uccellini und Merula